/ April 22, 2023/ Buch

In diesem Buch werden verschiedene Beiträge zur Bewegungstherapie veröffentlicht, die sich mit verschiedenen Krankheitsbildern in verschiedenen Altersgruppen beschäftigen. Es wird gezeigt, dass Bewegungstherapie ein wichtiger Bestandteil in der Behandlung von psychischen Erkrankungen ist, unabhängig vom Alter. Sie hilft dabei, körperliche, psychische und soziale Ressourcen zu aktivieren und zu stärken. Sie bietet verschiedene therapeutische Ansätze, um das Erleben und Verhalten von Patienten zu beeinflussen, und sie lindert spezifische Symptome von verschiedenen Störungsbildern.

In diesem Sammelband mit 13 Beiträgen können die Leserinnen und Leser Informationen über den aktuellen Stand der Bewegungstherapie als eigenständiges Therapieverfahren erhalten. Es werden praxisrelevante Inhalte für die therapeutische Arbeit mit verschiedenen Altersgruppen von Kindern und Jugendlichen bis hin zu Senioren bereitgestellt. Nach einem einführenden Artikel zur Entwicklung und Perspektiven der Bewegungstherapie werden in den folgenden Artikeln spezifische Erkrankungen wie Depressionen, Essstörungen, Adipositas, Persönlichkeitsstörungen oder Demenz behandelt. Die Beiträge beleuchten auch die besonderen Rahmenbedingungen unterschiedlicher Behandlungskontexte und die damit verbundenen Möglichkeiten und Grenzen der Bewegungstherapie.

Im einleitenden Artikel beschreibt Gerd Hölter die Entwicklung und Perspektiven der Bewegungstherapie. Er geht auf Fragen wie die Definition des Verfahrens durch seine Vertreterinnen und Vertreter, Grundannahmen zur Entstehung und Behandlung von Krankheiten, Kriterien für Indikationen und den Einsatz des Verfahrens in Aus-, Fort- und Weiterbildungen ein.

Christine Joisten thematisiert die zunehmende Verbreitung von Übergewicht und Adipositas bei Kindern und Jugendlichen und deren Auswirkungen auf das Selbstwertgefühl. Sie stellt positive praktische Beispiele vor, wie das Wohlbefinden von Kindern und Jugendlichen durch positive Körpererfahrungen gefördert werden kann.

Till Thimme präsentiert die Möglichkeiten der „Systemischen Bewegungstherapie mit psychisch erkrankten Kindern, Jugendlichen und ihren Familien im Kontext stationärer Kinder- und Jugendpsychiatrie“. Anhand von Fallbeispielen zeigt er auf, wie bewegungsorientierte Angebote als Ergänzung zu Gruppentherapiegesprächen dazu beitragen können, familiäre und individuelle Ressourcen und Kompetenzen zu aktivieren und zu stärken, um relevante Themen der Familie zu bewältigen.

Max Oberste und Heidrun Lioba Wunram untersuchen in ihrem Artikel, warum Bewegungstherapie bei Jugendlichen mit Depressionen antidepressive Wirkungen zeigt. Sie gehen insbesondere auf die Mechanismen ein, wie sportliches Training bei Depressionen im Jugendalter wirkt.

Anna Katharina Alexandridis, Nadja Greßler und Jannis Alexandridis beschäftigen sich mit dem übermäßigen Bewegungsverhalten bei Anorexia nervosa und Bulimia nervosa. Sie erklären, dass neurologische Faktoren aufgrund von Mangelernährung und psychologische Persönlichkeitsmerkmale eine Rolle spielen, die mit zentralen Symptomen wie Körperunzufriedenheit und gestörtem Essverhalten verbunden sind. Sie stellen ein detailliertes Gruppentherapiemanual namens „Aufbau eines gesunden Bewegungsverhaltens“ vor, das zeigt, wie Bewegungstherapie als effektive behandlungsspezifische Intervention für Essstörungen genutzt werden kann.

Till Thimme und Pia Lehmann fassen auf Basis einer systematischen Literaturrecherche den aktuellen Stand der Forschung zur Wirksamkeit von MBSR-Interventionen (Mindfulness-Based Stress Reduction) in der klinischen Behandlung von Kindern und Jugendlichen zusammen. Dieses Programm, das von Jon Kabat-Zinn entwickelt wurde und zur Stressbewältigung eingesetzt wird, kann gut in die klinische Bewegungstherapie integriert werden, insbesondere wenn es um die Verbesserung der Körperwahrnehmung, Aufmerksamkeitsfokussierung, Emotionsregulation oder die Förderung von psychischer Flexibilität und Selbstakzeptanz als Therapieziele geht.

Britta Seifer, Thomas Studnitz, Johanna-Marie Zeibig, Ansgar Thiel und Sebastian Wolf geben in ihrem Überblicksartikel eine Einführung in die Auswirkungen von körperlicher Aktivität auf psychische Erkrankungen über die gesamte Lebensspanne, insbesondere im ambulanten Versorgungskontext. Dabei stellen sie das Gruppenprogramm „ImPuls“ als potentielle sport- und bewegungstherapeutische Maßnahme vor. Sie zeigen, wie das Programm, das ursprünglich für Patient*innen über 18 Jahren entwickelt wurde, an die Bedürfnisse von Kindern und Jugendlichen angepasst und in den Alltag integriert werden kann.

Chloé Chermette und Andreas Hauert berichten von Studien, die belegen, dass körperliche Aktivität als effektiver Bestandteil zur Reduzierung des Verlangens nach Tabak und zur Linderung von Entzugssymptomen bei Menschen mit Abhängigkeitserkrankungen dient. Sie stellen ein erprobtes Konzept zur Tabakentwöhnung als Teil der medizinischen Rehabilitation von Betroffenen vor.

Christina Terán präsentiert die Möglichkeiten der Anspannungs- und Emotionsregulation für Patient*innen mit Borderline-Persönlichkeitsstörung. Dabei geht sie ausführlich auf die Praxis der Körpertherapie ein, die auf der Grundlage der „Dialektisch Behavioralen Therapie“ nach Linehan in Freiburg entwickelt wurde.

Till Thimme, Marc Schulze Tenberge und Stav Bar-Hod befassen sich mit einem Thema, zu dem bisher wenig Forschung veröffentlicht wurde: Sport- und Bewegungstherapie in der forensischen Psychiatrie. Sie stellen ein therapeutisches Behandlungskonzept vor, das in der LVR-Klinik Köln entwickelt wurde und Fallbeispiele, die die Bedeutung von Bewegung, Spiel und Sport in der forensischen Behandlung verdeutlichen.

Chloé Chermette, Hubertus Deimel und Stephan Niggehoff zeigen die Bedeutung der Bewegungs- und Sporttherapie für den Erfolg der Rehabilitation von drogenabhängigen Menschen auf. Sie untersuchen ein von ihnen entwickeltes Interventionsprogramm für eine Fachklinik in NRW und analysieren, wie es von den Patient*innen akzeptiert wird und welche Wirkfaktoren als hilfreich bewertet werden.

Georg Schick präsentiert die Bewegungstherapie in Gruppen als effektives Element psychosozialer Intervention bei Demenz. Anhand von praktischen Beispielen zeigt er auf, wie körperliche Aktivität psychische und verhaltensbezogene Symptome verbessern kann und die Stimmung, Motivation und Aktivitätsgrad von demenzkranken Personen angehoben werden können.

Hubertus Deimel und Sibylle Schreckling widmen sich den pflegenden Angehörigen, die einen chronisch kranken Ehepartner oder Elternteil zu Hause versorgen. Sie zeigen auf, wie im Rahmen von psychoedukativen Angeboten praxisbezogene Informationen vermittelt werden, um die Selbstfürsorge und die psychophysische Gesundheit der Angehörigen aufrechtzuerhalten und zu stabilisieren.

Die Diskussion in diesem umfangreichen Buch dreht sich um die Möglichkeiten der Bewegungstherapie bei psychischen Erkrankungen in verschiedenen Lebensphasen. Es werden zahlreiche Studien zu den jeweiligen Themen vorgestellt und die entsprechenden Störungsbilder kompetent erläutert. Jeder Artikel bietet konkrete Beispiele für die bewegungstherapeutische Arbeit mit den Patienten. Die Beiträge verbinden also Praxis und Forschung und geben wertvolle Impulse und Empfehlungen für die Arbeit mit verschiedenen Diagnosegruppen in unterschiedlichen Behandlungseinstellungen.

Das Buch „Bewegungstherapie bei psychischen Erkrankungen in der Lebensspanne“ leistet einen bedeutenden Beitrag zur Etablierung, Professionalisierung und Anerkennung der Bewegungstherapie als eigenständige Behandlungsmethode für psychische Erkrankungen. Es wurde in der renommierten Reihe „Brennpunkte der Sportwissenschaft“ veröffentlicht, die von der Deutschen Sporthochschule Köln herausgegeben wird. Diese Reihe hat das Ziel, verschiedene Bereiche der Sportwissenschaft zu integrieren und behandelt aktuelle Themen mit disziplinübergreifenden Schwerpunkten. Die Zielgruppe für diese Reihe sind Sportwissenschaftler, Sportlehrer, Sporttherapeuten, Sportärzte und Studierende im Bereich Sportwissenschaft. Insgesamt trägt das Buch dazu bei, die Bewegungstherapie als eigenständige Methode zur Behandlung von psychischen Erkrankungen weiter zu fördern und ihre Anerkennung in der Sportwissenschaft und in der Behandlung von psychischen Erkrankungen zu stärken.

  • Herausgeber ‏ : ‎ Academia; 1. Edition (22. Dezember 2022)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Taschenbuch ‏ : ‎ 337 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3985720576
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3985720576
  • Abmessungen ‏ : ‎ 15.7 x 22.8 x 2.4 cm

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