
Mit dem Buch „Die realen Frauen der Surrealisten: Simone Breton, Gala Dalí und Elsa Triolet“ richtet Unda Hörner den Blick endlich auf diejenigen, die viel zu lange im Hintergrund standen. Zum 100-jährigen Jubiläum des surrealistischen Manifests erzählt sie die Geschichten von drei außergewöhnlichen Frauen, die mitten im Zentrum einer der spannendsten Kunst- und Literaturbewegungen des 20. Jahrhunderts lebten – und sie aktiv mitprägten.
Statt die bekannten Männer des Surrealismus erneut in den Mittelpunkt zu stellen, fragt dieses Buch: Wer waren die Frauen an ihrer Seite wirklich? Und schnell wird klar: Sie waren nicht nur Ehefrauen, Geliebte oder Musen, sondern eigenständige Persönlichkeiten mit Haltung, Talent und Mut.
Unda Hörner stützt sich auf Originalquellen, Briefe, Tagebücher und zeitgenössische Dokumente. Dadurch entsteht ein sehr lebendiges Bild des surrealistischen Kosmos – besonders des Pariser Lebens der 1920er-Jahre. Man taucht ein in Cafés, Ateliers, hitzige Diskussionen, Liebesbeziehungen, politische Umbrüche und kreative Experimente. Alles wird anschaulich erzählt, ohne trocken oder akademisch zu wirken.
Im Mittelpunkt stehen drei Frauen:
Simone Breton, die erste Ehefrau von André Breton, dem „Papst des Surrealismus“. Sie war klug, kritisch und emotional stark involviert in die Bewegung – und zugleich oft zerrissen zwischen eigener Identität und den Erwartungen ihres Mannes.
Gala Dalí, zunächst mit dem Dichter Paul Éluard verheiratet, später die legendäre Partnerin von Salvador Dalí. Sie war eine starke, manchmal polarisierende Figur, die genau wusste, was sie wollte – und die Dalís Karriere maßgeblich beeinflusste.
Elsa Triolet, Schriftstellerin, Intellektuelle und Partnerin von Louis Aragon. Sie schuf ihr eigenes literarisches Werk und kämpfte konsequent darum, als Autorin ernst genommen zu werden – nicht nur als „Frau von“.
Besonders spannend ist, wie Unda Hörner zeigt, wie sich diese Frauen Schritt für Schritt aus dem Schatten ihrer berühmten Männer lösten. Das Buch macht deutlich, wie schwer dieser Weg war, aber auch, wie konsequent und selbstbewusst sie ihn gingen. Das Zitat von Elsa Triolet – „Mit einem Mann muss einen mehr verbinden als nur die Liebe“ – bringt diese Haltung sehr gut auf den Punkt.
Die zahlreichen Schwarz-Weiß-Fotos ergänzen die Texte wunderbar und machen die Zeit noch greifbarer. Man bekommt Gesichter zu den Geschichten und spürt den Geist einer Epoche, in der Kunst, Liebe und Freiheit neu gedacht wurden.
Insgesamt ist dieses Buch eine kluge, inspirierende und längst überfällige Würdigung der Frauen im Surrealismus. Es liest sich wie eine spannende Zeitreise und zeigt eindrucksvoll, dass diese Frauen weit mehr waren als Begleitfiguren – sie waren Mitgestalterinnen einer kulturellen Revolution.
Ein faszinierendes und klug geschriebenes Buch, das den Surrealismus aus einer neuen Perspektive zeigt. Unda Hörner macht drei beeindruckende Frauen sichtbar, die weit mehr waren als Musen. Lebendig erzählt, gut recherchiert und atmosphärisch dicht – eine spannende Zeitreise ins Paris der 1920er-Jahre und eine wichtige Würdigung weiblicher Stimmen.
- Herausgeber : Ebersbach & Simon
- Erscheinungstermin : 18. September 2024
- Auflage : 1.
- Sprache : Deutsch
- Seitenzahl der Print-Ausgabe : 144 Seiten
- ISBN-10 : 3869153083
- ISBN-13 : 978-3869153087
- Abmessungen : 11.9 x 2 x 19 cm
- 20 Euro
