
„Mutig vorwärts stolpern“ von Karsten Böhm ist eines dieser Bücher, bei denen man eigentlich nur kurz reinlesen wollte – und plötzlich sitzt man zwei Stunden später mit markierten Seiten, neuen Ideen und dem inneren Wunsch da, sofort irgendetwas in der eigenen Gemeinde zu verändern. Oder wenigstens den Kirchenkaffee kreativer zu gestalten. Dieses Buch schafft etwas, das viele Fachbücher über Gemeindearbeit leider nicht schaffen: Es motiviert, macht Hoffnung und liest sich dabei erstaunlich locker und unterhaltsam.
Schon der Titel ist herrlich ehrlich. Hier geht es nicht um sterile Erfolgsformeln oder perfekt durchgeplante Hochglanz-Konzepte, sondern um echte Erfahrungen aus der Gemeindepraxis – inklusive Stolperfallen, Fehlversuchen, peinlichen Momenten und überraschenden Durchbrüchen. Genau das macht das Buch so sympathisch. Karsten Böhm schreibt nicht wie jemand, der vom Elfenbeinturm aus erklärt, wie Kirche „eigentlich“ funktionieren sollte. Er schreibt wie jemand, der mittendrin steckt, Dinge ausprobiert, scheitert, wieder aufsteht und trotzdem den Humor nicht verliert.
Besonders spannend fand ich die vielen Einblicke in die Andreasgemeinde in Niederhöchstadt. Statt trockener Theorie bekommt man hier lebendige Beispiele aus einer Gemeinde, die tatsächlich Menschen erreicht. Und zwar nicht nur die klassischen Sonntagskirchgänger, sondern auch Kirchenferne, Suchende und Leute, die mit Kirche eigentlich längst abgeschlossen hatten. Genau das macht dieses Buch so relevant für unsere Zeit.
Was mir richtig gefallen hat: Der Autor spricht die aktuellen Probleme der Kirchen offen an, ohne ständig in Weltuntergangsstimmung zu verfallen. Ja, Mitgliederzahlen sinken. Ja, viele Gottesdienste sind leerer geworden. Ja, das Vertrauen in die Institution Kirche hat gelitten. Aber statt nur darüber zu jammern, zeigt dieses Buch konkrete Wege, wie Gemeinde heute trotzdem lebendig, offen und attraktiv sein kann. Und zwar nicht mit künstlichem Marketing-Blabla, sondern mit echter Leidenschaft, Kreativität und Mut.
Dabei liest sich das Ganze erstaunlich angenehm. Keine komplizierte Theologensprache, kein unnötiges Fachchinesisch, sondern verständlich, persönlich und oft sogar richtig lustig. An einigen Stellen musste ich tatsächlich schmunzeln, weil die beschriebenen Situationen vermutlich jede Gemeinde irgendwann schon einmal erlebt hat. Vom chaotischen Veranstaltungsstart bis zu gut gemeinten Ideen, die komplett schiefgehen – man erkennt vieles wieder.
Besonders wertvoll fand ich, dass hier nicht nur über Erfolge gesprochen wird. Gerade die Geschichten über Fehler, Sackgassen und misslungene Projekte machen das Buch glaubwürdig. Denn genau daraus entsteht oft die beste Entwicklung. Das nimmt auch den Druck, immer alles perfekt machen zu müssen. Stattdessen vermittelt Karsten Böhm eine wichtige Botschaft: Gemeindeentwicklung bedeutet ausprobieren, lernen und manchmal eben auch mutig vorwärts stolpern.
Das Buch eignet sich perfekt für Pfarrerinnen und Pfarrer, Mitarbeitende in Gemeinden, Ehrenamtliche oder generell Menschen, die Kirche neu denken möchten. Aber auch Leserinnen und Leser, die sich einfach für moderne Gemeindearbeit interessieren, werden hier viele spannende Impulse finden. Besonders schön: Man bekommt beim Lesen tatsächlich Lust, Dinge anzupacken und neue Ideen umzusetzen.
Fazit: „Mutig vorwärts stolpern“ ist inspirierend, ehrlich, humorvoll und voller praktischer Ideen für moderne Gemeindepraxis. Ein motivierendes Buch über Gemeindeentwicklung, kreative Kirchenarbeit und den Mut, neue Wege zu gehen. Kein trockenes Fachbuch, sondern ein echter Hoffnungsschub für alle, die Kirche lebendig gestalten möchten. Absolute Empfehlung für Gemeinden im Wandel – und für alle, die glauben, dass Kirche auch im 21. Jahrhundert Menschen begeistern kann.
- Herausgeber : Neukirchener Verlag
- Erscheinungstermin : 10. März 2025
- Auflage : 1.
- Sprache : Deutsch
- Seitenzahl der Print-Ausgabe : 208 Seiten
- ISBN-10 : 3761570511
- ISBN-13 : 978-3761570517
- Abmessungen : 22 x 14.5 x 1.8 cm
