Das Buch „Judaistik im Geist der Philologie“ ist die sehr persönliche Lebens- und Arbeitsgeschichte eines der bedeutendsten Judaisten unserer Zeit: Peter Schäfer. In seinen Erinnerungen erzählt er, wie er zur Judaistik fand, welche Menschen und Orte ihn geprägt haben und wie sich die wissenschaftliche Erforschung des Judentums in den letzten Jahrzehnten entwickelt hat. Dabei verbindet er seine eigene Lebensgeschichte eng mit der Geschichte seiner Disziplin.
Schäfer wurde 1943 in Mülheim an der Ruhr geboren und beschreibt in seinem Buch anschaulich seine Schulzeit, seine ersten Begegnungen mit Religion und seine frühen Studienjahre. Ursprünglich begann er in der Theologie, doch rasch öffnete sich für ihn ein neuer, faszinierender Weg: die Judaistik. Diese beschäftigt sich mit den Texten, Traditionen und Ideen des Judentums von der Antike bis in die Neuzeit. Schäfer zeigt, wie wichtig die philologische Arbeit für dieses Fach ist – also das genaue Lesen, Übersetzen und Verstehen alter Texte in ihren Originalsprachen. Für ihn war dies stets der Schlüssel, um die jüdische Überlieferung wirklich zu begreifen.
Seine akademische Laufbahn führte ihn an viele Orte: nach Bonn, Jerusalem, Freiburg, Tübingen, später nach Köln und Berlin und schließlich nach Princeton in den USA. An diesen Stationen forschte und lehrte er, arbeitete mit Kolleginnen und Kollegen aus verschiedenen Ländern zusammen und prägte Generationen von Studierenden. Seine Forschungen zur jüdischen Mystik, zur rabbinischen Literatur und zu den Beziehungen zwischen Judentum und frühem Christentum gelten heute als wegweisend. Schäfer zeigt in seinem Buch, wie er zu diesen Themen kam, welche Fragen ihn motivierten und wie sich sein wissenschaftlicher Blick im Laufe der Jahre veränderte.
Doch seine Erinnerungen sind nicht nur eine Erfolgsgeschichte. Schäfer berichtet auch offen von Konflikten und Spannungen, die ihn begleiteten – etwa in Köln, während seiner Zeit in den USA oder später als Direktor des Jüdischen Museums Berlin. Dort stieß er auf hitzige Debatten über jüdische Identität, Erinnerungskultur und die Frage, wie unabhängig wissenschaftliche Arbeit in einer politisch aufgeladenen Umgebung sein kann. Schäfer schildert, wie er diese Herausforderungen erlebt hat, welche Entscheidungen er treffen musste und welche Grenzen ihm gesetzt wurden.
Am Ende wird deutlich, dass dieses Buch weit mehr ist als die Nacherzählung eines Berufslebens. Schäfer denkt über die Judaistik als Fach nach: Was bedeutet Wissenschaftlichkeit? Wie verbindet man historische Genauigkeit mit persönlichem Engagement? Und welche Rolle spielt Identität – sowohl die eigene als auch die der Gemeinschaften, über die man forscht? Seine Erinnerungen laden dazu ein, über diese Fragen nachzudenken und zeigen, wie Wissenschaft Brücken zwischen Kulturen schlagen kann.
„Judaistik im Geist der Philologie“ ist damit ein eindrucksvolles Zeugnis eines Lebens, das sich ganz der Erforschung des Judentums gewidmet hat. Es bietet tiefe Einblicke in eine bedeutende wissenschaftliche Disziplin und erzählt zugleich die bewegende Geschichte eines Gelehrten, der immer wieder neue Wege ging, Grenzen überschritt und offen blieb für andere Blickwinkel. Ein Buch für alle, die sich für jüdische Geschichte, für Wissenschaftsgeschichte oder einfach für einen ehrlichen, reflektierten Lebensbericht interessieren.
- Herausgeber : Wallstein Verlag
- Erscheinungstermin : 20. August 2025
- Auflage : 1.
- Sprache : Deutsch
- Seitenzahl der Print-Ausgabe : 318 Seiten
- ISBN-10 : 3835359762
- ISBN-13 : 978-3835359765
- Abmessungen : 13.1 x 3.1 x 21.2 cm
- 28 Euro
