/ Januar 21, 2026/ Buch

Das Buch „Eine Gigafabrik in Grünheide oder der Albtraum vom grünen Kapitalismus“ von Heidemarie Schroeder beschäftigt sich kritisch mit dem Bau der Tesla-Gigafabrik im brandenburgischen Grünheide. Die Autorin verbindet dabei persönliche Erfahrungen mit gründlicher Recherche und zeigt, welche Folgen dieses Großprojekt für Umwelt, Demokratie und Gesellschaft hat.

Heidemarie Schroeder ist in Ostberlin aufgewachsen und hat miterlebt, wie der sozialistische Staat in der DDR gescheitert ist. Sie kennt also politische Systeme, die große Versprechen machen, diese aber am Ende nicht einlösen. Heute lebt sie in Grünheide und erlebt dort eine neue Enttäuschung: Ausgerechnet Politikerinnen und Politiker, die sich als „grün“ oder „sozial“ bezeichnen, geben ihrer Meinung nach wichtige Werte auf, um ein mächtiges Industrieprojekt möglich zu machen.

Im Mittelpunkt des Buches steht die Tesla-Gigafabrik, eine der größten Industrieanlagen Europas. Schroeder beschreibt anschaulich, wie für den Bau große Waldflächen gerodet wurden und wie stark die Wasserversorgung der Region belastet wird. Sie erklärt, warum gerade in einer wasserarmen Gegend wie Brandenburg eine solche Fabrik ein großes Risiko darstellt. Dabei macht sie deutlich, dass der Schutz von Natur und Umwelt hinter wirtschaftlichen Interessen zurückstehen musste.

Ein weiterer wichtiger Punkt des Buches ist die Frage der Demokratie. Die Autorin zeigt, dass viele Entscheidungen rund um die Fabrik über die Köpfe der Anwohnerinnen und Anwohner hinweg getroffen wurden. Bürgerbeteiligung sei zwar versprochen worden, habe aber in der Praxis kaum stattgefunden. Das führe dazu, dass Menschen das Vertrauen in Politik und Behörden verlieren.

Auch das Thema Elektromobilität wird kritisch beleuchtet. Schroeder stellt infrage, ob die in Grünheide produzierten E-Autos wirklich zu einer echten Verkehrswende beitragen. Ihrer Ansicht nach lösen teure Elektroautos für den Massenmarkt nicht die grundlegenden Probleme des Verkehrs, wie zu viele Autos, Flächenverbrauch und hohen Energiebedarf. Stattdessen werde ein umweltfreundliches Image genutzt, um ein sehr profitables Geschäftsmodell zu rechtfertigen.

Darüber hinaus thematisiert das Buch die Arbeitsbedingungen bei Tesla. Die Autorin beschreibt Berichte über hohen Leistungsdruck, schlechte Arbeitsbedingungen und den schwierigen Umgang mit Gewerkschaften. Auch der große politische Einfluss von Firmenchef Elon Musk wird kritisch gesehen. Schroeder zeigt auf, wie wirtschaftliche Macht und steigende Aktienwerte politischen Druck erzeugen können.

Trotz aller Kritik ist das Buch nicht nur düster. Heidemarie Schroeder macht Mut. Sie zeigt anhand vieler Beispiele, dass engagierte Bürgerinnen und Bürger etwas bewirken können – selbst dann, wenn Politik und Behörden versagen. Sie beschreibt Proteste, Initiativen und persönliche Begegnungen und vermittelt, dass Einsatz für Umwelt, Natur und Bürgerrechte zwar anstrengend ist, aber auch Sinn stiftet.

Das Buch ist klar, verständlich und teilweise humorvoll geschrieben. Es richtet sich an alle, die sich für Umweltpolitik, Demokratie, Industrieansiedlungen und die Grenzen des sogenannten „grünen Kapitalismus“ interessieren. Es lädt dazu ein, kritisch nachzufragen und selbst aktiv zu werden.

  • Herausgeber ‏ : ‎ Büchner-Verlag
  • Erscheinungstermin ‏ : ‎ 5. Februar 2025
  • Auflage ‏ : ‎ 1.
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Seitenzahl der Print-Ausgabe ‏ : ‎ 200 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3963174048
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3963174049
  • Abmessungen ‏ : ‎ 14.2 x 1.5 x 20 cm

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

*
*