
Die stille Revolution ist ein Sachbuch, das sich mit der Entwicklung der Demokratie in den westlichen Gesellschaften beschäftigt. Im Mittelpunkt steht der französische Denker Marcel Gauchet, der in Frankreich als einer der wichtigsten Geisteswissenschaftler seiner Generation gilt. Der Autor Micha Knuth stellt in diesem Buch erstmals Gauchets gesamtes Denken und seinen Lebensweg verständlich und zusammenhängend dar.
Das Buch erklärt, warum sich Demokratie, Politik und Gesellschaft seit den späten 1960er-Jahren so stark verändert haben. Diese tiefgreifende Veränderung wird als „stille Revolution“ bezeichnet. Gemeint ist damit kein plötzlicher Umsturz, sondern ein langsamer Wandel von Werten, Überzeugungen und Denkweisen, der bis heute unser Leben prägt. Themen wie Freiheit, Individualität, Staat, Religion und Gemeinschaft haben seitdem eine neue Bedeutung bekommen.
Marcel Gauchet hat sich sein ganzes Leben lang mit der Frage beschäftigt, wie dieser Wandel möglich war. Er wollte verstehen, warum sich Demokratien so entwickelt haben, wie wir sie heute kennen – mit all ihren Chancen, aber auch ihren Problemen. Micha Knuth erklärt Gauchets Gedanken Schritt für Schritt und macht sie auch für Leserinnen und Leser ohne Vorkenntnisse gut nachvollziehbar.
Dabei beginnt die Darstellung nicht erst in der Gegenwart. Das Buch schlägt einen großen historischen Bogen: von den ersten Staaten der Menschheitsgeschichte über die Rolle der Religion in der Politik bis hin zu den großen Umbrüchen des 20. Jahrhunderts. Besonders wichtig ist dabei Gauchets These, dass Religion lange Zeit das politische Denken bestimmt hat und sich die Demokratie erst langsam davon gelöst hat. Dieser Prozess war entscheidend für die Entstehung moderner Gesellschaften.
Ein weiteres zentrales Thema ist die Gewaltgeschichte des 20. Jahrhunderts, insbesondere die Weltkriege und totalitären Systeme. Gauchet sieht in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg einen vorläufigen Höhepunkt der Demokratie, aber keinen endgültigen Sieg. Die Demokratie steht für ihn ständig vor neuen Herausforderungen und muss sich immer wieder neu bewähren.
Das Buch bietet außerdem einen guten Überblick über die französische Geistesgeschichte nach bekannten Denkern wie Michel Foucault und dem Poststrukturalismus. Micha Knuth zeigt, wie sich Gauchets Denken von diesen Strömungen unterscheidet und warum seine Ideen bis heute wichtig sind.
Die stille Revolution richtet sich an alle, die besser verstehen möchten, wie unsere heutige Demokratie entstanden ist und wohin sie sich entwickeln könnte. Wer sich auf dieses Buch einlässt, gewinnt einen neuen Blick auf Politik, Gesellschaft und die Zukunft der Demokratie.
Ein kluges und gut verständliches Buch, das komplexe Gedanken zur Geschichte der Demokratie anschaulich erklärt. Micha Knuth gelingt es, das umfangreiche Werk von Marcel Gauchet klar zu ordnen und leicht zugänglich zu machen. Sehr lesenswert für alle, die unsere Gegenwart besser verstehen wollen.
- Herausgeber : Hamburger Edition
- Erscheinungstermin : 14. April 2025
- Auflage : 1.
- Sprache : Deutsch
- Seitenzahl der Print-Ausgabe : 496 Seiten
- ISBN-10 : 3868543996
- ISBN-13 : 978-3868543995
- Abmessungen : 14.9 x 4 x 21.8 cm
- 48 Euro
