/ Januar 11, 2026/ Buch, Ratgeber

Man schlägt „Lass uns noch bleiben“ auf – und zack, man ist drin. Nicht nur in einer Geschichte, sondern mitten in einem Gefühl. In diesem leisen, weichen, leicht schmerzhaften Zustand zwischen Festhalten und Loslassen. Saskia Luka erzählt hier keinen lauten Plotroman, sondern eine zutiefst menschliche Geschichte, die sich langsam entfaltet, dabei aber umso tiefer trifft. Warm, melancholisch, hoffnungsvoll – und erstaunlich lebendig.

Im Mittelpunkt steht Anna, deren Leben plötzlich aus dem Takt gerät. Ihre beste Freundin ist verschwunden. Kein Abschied, keine Erklärung, einfach weg. Und mit ihr bricht etwas weg, das Anna bisher getragen hat. Berlin, dieser sonst so vibrierende Ort, fühlt sich auf einmal leer und fremd an. Anna zieht sich zurück – nicht aus Drama, sondern aus Erschöpfung. Ihr Zufluchtsort ist ihr Pflanzenladen, ein kleines grünes Universum mitten im Kiez. Und dieser Laden ist so viel mehr als ein Geschäft: Er ist Rückzugsraum, Trostspender, Pflanzenheim, ja fast eine Ambulanz für alles, was lebt und gerade ein bisschen Hilfe braucht. Einschließlich Anna selbst.

Die Autorin schafft es mit wenigen, sehr genauen Beobachtungen, diesen Ort zum Herzstück des Romans zu machen. Man riecht die feuchte Erde, sieht die Staubpartikel im Licht, hört die Stadt draußen leise vorbeiziehen. Und genau hier wird klar: Pflanzen sind in diesem Buch keine Deko, sondern Spiegel für innere Zustände. Was gegossen wird, wächst. Was vernachlässigt wird, zieht sich zurück.

Zum Glück ist Anna nicht ganz allein. Da ist ihr Nachbar, ein stiller, liebenswerter Antiquar, der mit seiner ruhigen Art und seiner eigenen Lebensgeschichte genau die richtige Art von Nähe anbietet – unaufdringlich, ehrlich, wohltuend. Und dann tritt Alex in Annas Leben. Lebensfroh, offen, voller Bewegung. Einer dieser Menschen, die Türen öffnen, ohne zu fragen, ob man gerade bereit dafür ist. Alex bringt Unruhe – aber eine gute. Eine, die etwas in Gang setzt, das Anna eigentlich vermeiden will.

Gemeinsam machen sie sich auf die Suche nach der verschwundenen Freundin. Doch diese Suche wird schnell zu etwas ganz anderem: zu einer Reise, die weniger nach Antworten fragt als nach dem, was bleibt, wenn Sicherheiten verschwinden. Es geht um Freundschaft, um Verlust, um Schuldgefühle – und um die leise Erkenntnis, dass man nicht alles kontrollieren kann. Schon gar nicht andere Menschen.

Was diesen Roman so besonders macht, ist sein Ton. Er ist sanft, aber nie kitschig. Traurig, aber nicht hoffnungslos. Saskia Luka schreibt mit viel Gefühl für Zwischentöne, für das Ungesagte, für Momente, in denen man einfach nur innehält. Große Wendungen kommen leise daher, und genau deshalb wirken sie so stark.

Und dann dieses Ende – kein lauter Knall, sondern ein Aufatmen. Wenn Anna nach Berlin zurückkehrt, ist nichts mehr wie vorher. Aber genau das ist der Punkt. Etwas Neues hat längst begonnen. Nicht perfekt, nicht fertig, aber echt.

„Lass uns noch bleiben“ ist ein Roman für alle, die schon einmal jemanden verloren haben – oder sich selbst ein Stück. Für alle, die Berlin lieben, Pflanzen sowieso und Geschichten, die nicht schreien müssen, um gehört zu werden. Ein Buch, das man nicht einfach liest, sondern mitnimmt. Und das leise flüstert: Bleib noch. Es lohnt sich.

  • Herausgeber ‏ : ‎ Kein & Aber
  • Erscheinungstermin ‏ : ‎ 3. November 2025
  • Auflage ‏ : ‎ 1.
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Seitenzahl der Print-Ausgabe ‏ : ‎ 192 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3036950583
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3036950587
  • Abmessungen ‏ : ‎ 12.3 x 2.1 x 18.8 cm

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