/ Februar 6, 2026/ Buch

Kohle, Stahl und Mord: Das Totenhaus ist ein düsterer, atmosphärisch dichter Ruhrpott-Krimi, der weit mehr bietet als einen klassischen Mordfall. Martin Conrath verbindet spannendes Ermittlerduo, regionale Geschichte und psychologische Tiefe zu einer Geschichte, die einen sofort packt und bis zum Schluss nicht loslässt.

Der Einstieg hat es in sich: Eine blutüberströmte Frau wird in die psychiatrische Notfallambulanz eingeliefert – ohne Erinnerung, ohne Erklärung, und mit Blut an sich, das nicht ihr eigenes ist. Die forensische Psychiaterin Jana Fäller übernimmt den Fall und spürt schnell, dass hier etwas Größeres dahintersteckt. Als sie ihre Freundin Elin Akay, Kriminalhauptkommissarin der Mordkommission, hinzuzieht, nimmt der Fall Fahrt auf. Die Dynamik zwischen den beiden Frauen ist eines der großen Highlights des Romans: professionell, vertraut, manchmal kantig, aber immer glaubwürdig.

Zentraler Schauplatz ist die alte Stinnes-Villa, ein verlassener, unheimlicher Ort, der wie ein dunkles Echo der Ruhrgebietsgeschichte wirkt. Als dort die Leiche von Ali Surat gefunden wird, brutal erschlagen, verdichtet sich das Grauen. Die Villa trägt nicht umsonst den Beinamen „Totenhaus“ – bereits mehrere Morde haben sich dort ereignet. Conrath nutzt diesen Ort meisterhaft: Die Atmosphäre ist beklemmend, fast klaustrophobisch, und die Vergangenheit scheint in jedem Raum mitzuschwingen.

Spannend ist auch der gesellschaftliche Unterbau des Romans. Ali Surat ist der Sohn eines angesehenen Friedensrichters, der zwischen arabischen Familien vermittelt. Schnell wird klar, dass einfache Erklärungen nicht ausreichen. Während Teile der Polizei vorschnell in Richtung Clankriminalität ermitteln, geht Elin tiefer – und hört dort zu, wo sonst niemand hinhört: bei den Bergleuten. Damit öffnet sich der Blick zurück in die Zeit des aktiven Bergbaus, zu einem Verbrechen unter Tage, das lange begraben schien, dessen Folgen aber bis in die Gegenwart reichen.

Gerade diese Verbindung von aktuellem Mordfall und historischer Schuld ist besonders gelungen. Der Roman zeigt, wie alte Strukturen, Schweigen und Ungerechtigkeiten über Generationen weiterwirken können. Dabei bleibt Conrath immer nah an seinen Figuren. Jana kämpft nicht nur mit der rätselhaften Patientin, sondern auch mit den Grenzen ihres Berufs. Elin wiederum bewegt sich souverän zwischen Ermittlungsdruck, Intuition und persönlichem Engagement.

Der Stil ist klar, schnörkellos und sehr bildhaft. Das Ruhrgebiet wird nicht romantisiert, sondern roh, ehrlich und mit viel Gespür für seine Geschichte dargestellt. Kohle, Stahl und Menschenleben – all das ist hier untrennbar miteinander verwoben.

Kohle, Stahl und Mord: Das Totenhaus ist ein starker Abschluss der Ruhrpott-Krimis. Ein intelligenter, spannender und tiefgründiger Kriminalroman, der zeigt, dass Mord selten nur ein einzelnes Verbrechen ist, sondern oft das Ergebnis einer langen Kette von Schweigen und Verdrängung. Für alle, die Krimis mit Atmosphäre, Substanz und regionalem Charakter lieben.

  • Herausgeber ‏ : ‎ Rowohlt Taschenbuch
  • Erscheinungstermin ‏ : ‎ 12. Dezember 2025
  • Auflage ‏ : ‎ 1.
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Seitenzahl der Print-Ausgabe ‏ : ‎ 416 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3499014866
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3499014864
  • Abmessungen ‏ : ‎ 12.5 x 2.8 x 19.1 cm
  • 14 Euro

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