/ Januar 11, 2026/ Buch, Ratgeber

„Junge sein …“ ist ein Buch, das genau da ansetzt, wo viele Gespräche sonst aufhören – oder gar nicht erst anfangen. Es richtet sich an Jungen, aber eigentlich an alle, die verstehen wollen, wie sehr Rollenbilder unser Denken, Fühlen und Handeln beeinflussen. Und das Ganze nicht trocken oder belehrend, sondern locker, ehrlich und auf Augenhöhe.

Im Mittelpunkt stehen fünf Jugendliche: Masato, Juri, Feti, Anton und Rosa. Sie gehen in dieselbe Klasse und erleben ganz normale Dinge – Streit, Freundschaft, Verliebtsein, Unsicherheiten, Gruppendruck. In kurzen Comicgeschichten geht es um Fragen, die viele Jugendliche beschäftigen, sich aber oft nicht trauen auszusprechen:
Was heißt es eigentlich, ein „richtiger Junge“ zu sein?
Warum wird von Jungen erwartet, stark zu sein und keine Gefühle zu zeigen?
Was bedeutet Respekt in Beziehungen?
Und warum haben manche Menschen Vorteile, ohne etwas dafür getan zu haben?

Das Buch macht schnell klar: Feminismus geht nicht nur Mädchen etwas an. Auch Jungen stehen unter Druck. Sie sollen cool sein, hart, dominant, immer wissen, was sie wollen. Gefühle zeigen? Schwäche. Zweifel haben? Unmännlich. Genau diese alten Vorstellungen werden hier hinterfragt – ruhig, verständlich und ohne jemanden anzugreifen.

Besonders gut funktioniert die Mischung aus Comic und Sachteil. Erst erlebt man eine Geschichte, die man gut nachvollziehen kann. Danach wird erklärt, was dahintersteckt. Begriffe wie männliche Privilegien, Sexismus, toxische Männlichkeit oder Einverständnis werden so erklärt, dass man sie wirklich versteht – auch ohne Vorwissen. Es wird nichts beschönigt, aber auch niemand beschämt.

Das Buch spricht viele Themen an, die im Alltag von Jugendlichen eine große Rolle spielen:
Gefühle zulassen, ohne sich dafür zu schämen.
Homosexualität und Vielfalt akzeptieren.
Grenzen respektieren – die eigenen und die der anderen.
Gewalt erkennen, auch wenn sie „nur“ verbal oder als Witz daherkommt.
Der Umgang mit Pornografie und falschen Vorstellungen von Sex.

Dabei geht es nie darum zu sagen: „Jungen machen alles falsch.“ Im Gegenteil. „Junge sein …“ zeigt, dass viele Probleme aus Erwartungen entstehen, die von außen kommen. Von Familie, Schule, Medien, Gesellschaft. Das Buch ermutigt dazu, diese Erwartungen zu hinterfragen und den eigenen Weg zu finden – egal ob man laut oder leise ist, sensibel oder sportlich, hetero, queer oder noch unsicher.

Die Illustrationen von Mikankey bringen Humor in schwere Themen. Sie sind lebendig, manchmal frech, manchmal nachdenklich – und machen das Buch leicht zugänglich. Man merkt: Hier will niemand belehren, sondern ins Gespräch kommen.

Besonders wertvoll ist das Buch für das gemeinsame Lesen und Reden. Ab etwa 11 Jahren eignet es sich gut, um zusammen mit Erwachsenen darüber zu sprechen. Ab 13 können Jugendliche es auch alleine lesen. Es bietet viele Anknüpfungspunkte für Gespräche in der Familie, in der Schule oder im Freundeskreis.

Fazit:
„Junge sein …“ ist ein kluges, mutiges und sehr zeitgemäßes Buch. Es hilft Jungen (und allen anderen), sich von starren Rollenbildern zu lösen, Gefühle ernst zu nehmen und respektvoll miteinander umzugehen. Kein erhobener Zeigefinger, sondern ein ehrlicher Begleiter durch eine komplizierte Lebensphase. Ein Buch, das sagt: Du darfst du selbst sein. Und das ist genug.

  • Herausgeber ‏ : ‎ Orlanda Verlag GmbH
  • Erscheinungstermin ‏ : ‎ 17. September 2025
  • Auflage ‏ : ‎ 1.
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Seitenzahl der Print-Ausgabe ‏ : ‎ 178 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3949545840
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3949545849
  • Lesealter ‏ : ‎ Ab 11 Jahren
  • Originaltitel ‏ : ‎ Être garçon
  • Abmessungen ‏ : ‎ 17.6 x 1.7 x 24.6 cm
  • 23 Euro

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