
„Schlachttag“ von Tommie Goerz ist ein Kriminalroman, der Spannung, Humor und regionale Authentizität auf brillante Weise verbindet – ein echter Frankenkrimi für alle, die es hintersinnig, überraschend und erfrischend lieben. Schon beim ersten Kapitel merkt man: Hier geht es nicht nur um einen Fall, sondern um ein Spiel mit Zeit, Raum und menschlichen Abgründen, bei dem Kommissar Friedo Behütuns zum scharfen Beobachter, charmanten Chronisten und leicht genervten Alltagshelden zugleich wird.
Die Geschichte beginnt auf scheinbar einfache Weise: Vor über drei Jahrzehnten verschwand eine Frau in Markt Erlbach spurlos. Jahrzehnte vergehen, die Erinnerung verblasst, die Menschen ziehen weiter – und doch ist diese alte Wunde nicht verheilt. Parallel dazu verschwindet ein Priester in der Nähe von Ebermannstadt in der Fränkischen Schweiz. Auf den ersten Blick scheinen diese Fälle nichts miteinander zu tun zu haben. Doch Goerz führt seine Leser Schritt für Schritt tiefer in ein Netz aus Geheimnissen, Verbindungen und menschlicher Schwäche.
Als dann ein Hund am südlichen Rand des Steigerwalds nahe Bad Windsheim Teile einer Frauenleiche ausgräbt, wird klar: Die Vergangenheit hat ihre Spuren hinterlassen, und die Gegenwart ist voll von ungelösten Fragen. Die Spannung steigt, als Kommissar Behütuns und sein Team versuchen, die Puzzleteile zusammenzufügen. Dabei zeigt sich Goerz’ großes Talent, komplexe Handlungsstränge sauber miteinander zu verweben, ohne dass der Leser den Überblick verliert. Jede Figur, jeder Ort, jede noch so kleine Beobachtung ist ein möglicher Hinweis – oder eine subtile Falle.
Doch „Schlachttag“ wäre nicht das, was er ist, wenn er nur ein klassischer Krimi wäre. Humor ist ein ständiger Begleiter, manchmal trocken und spitz, manchmal schräg, immer passend zum regionalen Setting. Friedo Behütuns wirkt dabei wie der ideale Erzähler: leicht ironisch, mit einem unaufdringlichen Witz ausgestattet und stets menschlich in seinen Reaktionen. Er beobachtet, kommentiert und mischt sich ein, ohne dass es je überzogen wirkt. Die Mischung aus Spannung und Humor macht das Buch besonders lesenswert, denn sie erlaubt es, sich in der intensiven Kriminalhandlung gleichzeitig wohlzufühlen.
Die regionale Einbettung ist ein weiteres Highlight. Steigerwald, Fränkische Schweiz, Bad Windsheim, Markt Erlbach und Ebermannstadt werden mit Liebe zum Detail und großer Ortskenntnis beschrieben. Goerz versteht es, Landschaften, kleine Städtchen, regionale Eigenheiten und die fränkische Mentalität lebendig werden zu lassen. Die Leser spüren den rauen Charme der Gegend, riechen die Wälder, hören die typischen Dialekte und erleben eine Atmosphäre, die ebenso spannend wie authentisch ist.
Neben den alten und neuen Kriminalfällen wird die Handlung durch internationale Ereignisse gewürzt: Ein Terrorkommando schlägt in Paris zu, und die Folgen reichen bis in die fränkische Provinz. Dieses Element bringt zusätzliche Dramatik und zeigt, wie nah das Weltgeschehen und das private Leben zusammenrücken können. Doch Goerz verknüpft selbst diese dramatischen Szenen geschickt mit dem Lokalkolorit und der charakteristischen Ironie, die seinen Stil prägt.
„Schlachttag“ ist darüber hinaus ein Buch, das die dunkleren Seiten der menschlichen Natur nicht scheut. Verlust, Neid, Machtspielchen, verborgene Leidenschaften – all das fließt subtil in die Handlung ein, ohne dass die Spannung darunter leidet. Gleichzeitig ist es eine Hommage an die Region, an die Menschen und an die scheinbar kleinen Alltagsmomente, die oft größere Wirkungen entfalten, als man erwartet.
Das Buch ist Teil der beliebten Reihe um Friedo Behütuns, und dennoch eignet es sich hervorragend für Neueinsteiger. Jeder Fall ist in sich geschlossen, sodass man problemlos einsteigen kann, ohne vorherige Bände gelesen zu haben. Die Kombination aus komplexer Krimihandlung, psychologischer Tiefe, regionalem Flair und subtiler Komik macht „Schlachttag“ zu einem packenden Leseerlebnis – für alle, die Spannung und Unterhaltung auf hohem Niveau suchen.
Kurz gesagt: „Schlachttag“ ist ein Frankenkrimi, der meisterhaft Spannung, Humor und Lokalkolorit vereint. Ein Roman, der nicht nur rätseln lässt, sondern auch zum Schmunzeln bringt und gleichzeitig die dunklen und lichtvollen Facetten menschlicher Geschichte und Erfahrung zeigt. Ein literarischer Ausflug durch Steigerwald und Fränkische Schweiz, der den Leser von der ersten bis zur letzten Seite fesselt und gleichzeitig unterhält, beleuchtet und überrascht.
Dieses Buch ist ein Muss für alle Krimifreunde, Frankenliebhaber und Leser, die hintersinnige, clevere und charmant erzählte Geschichten zu schätzen wissen – kurz: ein Cold-Case-Krimi mit Herz, Humor und einer gehörigen Portion Spannung, die man so schnell nicht vergisst.
- Herausgeber : ars vivendi
- Erscheinungstermin : 7. Januar 2026
- Auflage : 1.
- Sprache : Deutsch
- Seitenzahl der Print-Ausgabe : 428 Seiten
- ISBN-10 : 374720791X
- ISBN-13 : 978-3747207918
- Abmessungen : 13.6 x 2.5 x 21 cm
- Buch 6 von 10 : Friedo Behütuns
