
Mit „Die Farm der Mädchen“ legt Hans Rosenfeldt einen düsteren, vielschichtigen Thriller vor, der Spannung mit gesellschaftlich brisanten Themen verbindet. Der Roman ist der zweite Band seiner Reihe um die Polizistin Hannah Wester und spielt erneut in der schwedischen Grenzstadt Haparanda, nahe Finnland.
Ein grausamer Fund
Die Geschichte beginnt dramatisch: Mitten in der Nacht fliehen zwei hochschwangere Frauen panisch durch die Wälder Nordschwedens. Sie werden verfolgt, ihre Situation ist verzweifelt. Kurz darauf wird im Unterholz auf einem alten Friedhof die Leiche eines Neugeborenen entdeckt. Von der Mutter fehlt jede Spur.
Für Polizistin Hannah Wester ist dies der erste Fall nach ihrer Rückkehr in den Dienst. Vor einem Jahr verlor sie bei einem Einsatz ihren Mann. Noch immer kämpft sie mit Trauer und Schuldgefühlen. Der Fund des toten Babys trifft sie daher besonders hart. Trotzdem – oder gerade deshalb – stürzt sie sich mit voller Kraft in die Ermittlungen.
Mehrere Handlungsstränge – ein düsteres Netz
Der Thriller erzählt die Geschichte aus verschiedenen Perspektiven. Neben Hannah und ihrem Ermittlerteam gibt es weitere zentrale Figuren:
- Eine Profikillerin, die nach einem früheren Fehlschlag eine neue Chance erhält. Sie soll zwei schwangere Frauen aufspüren, die von einer abgelegenen Farm geflohen sind.
- Eine der Geflüchteten, Dardana, die erkennt, dass ihre Geschichte mit einem bekannten schwedischen Politiker verbunden sein könnte.
- Ein aufstrebender Politiker, der öffentlich über seinen unerfüllten Kinderwunsch spricht – und plötzlich verkündet, bald Vater zu werden.
Langsam wird klar, dass die Ereignisse in Haparanda Teil eines größeren, erschütternden Systems sind. Der Roman verbindet das russische organisierte Verbrechen mit einer Geschichte über Menschenhandel und die dunklen Seiten der internationalen Leihmutterschaftsindustrie. Dabei zeigt Rosenfeldt, wie wirtschaftliche Not, Macht und Gier Menschen in ausweglose Situationen treiben.
Atmosphäre und Stil
Die abgelegene Lage von Haparanda mit ihren langen Wintern, verschneiten Wäldern und sozialen Problemen verleiht dem Roman eine beklemmende Atmosphäre. Die Kälte scheint nicht nur in der Landschaft zu stecken, sondern auch in den Strukturen, gegen die die Figuren ankämpfen.
Rosenfeldts Stil ist temporeich und filmisch. Szenen wechseln schnell, Perspektiven springen zwischen Ermittlern, Tätern und Opfern. Man merkt, dass der Autor auch als Drehbuchautor arbeitet: Die Kapitel wirken wie präzise gesetzte Filmschnitte. Dadurch entsteht ein hoher Spannungsbogen, der den Leser kaum zur Ruhe kommen lässt.
Eine starke Hauptfigur
Im Mittelpunkt steht Hannah Wester. Sie ist keine makellose Heldin. Sie ist erschöpft, verletzt und manchmal impulsiv. Doch genau das macht sie glaubwürdig. Der aktuelle Fall fordert sie emotional wie beruflich. Das tote Baby, die verschwundene Mutter und die schwangeren Frauen auf der Flucht spiegeln ihre eigene Verletzlichkeit wider.
Hannah muss lernen, mit ihrer Trauer zu leben und gleichzeitig klare Entscheidungen zu treffen. Ihre persönliche Geschichte verleiht der Krimihandlung zusätzliche Tiefe. Es geht nicht nur um die Aufklärung eines Verbrechens, sondern auch um Verlust, Schuld und die Frage, wie man nach einem schweren Schicksalsschlag weitermacht.
Gesellschaftskritik im Thriller-Gewand
„Die Farm der Mädchen“ ist mehr als ein klassischer Krimi. Der Roman stellt unbequeme Fragen:
- Wie weit dürfen Wunsch und Hoffnung auf ein eigenes Kind gehen?
- Wer profitiert von globalen Ungleichheiten?
- Wie leicht können Menschen in kriminelle Strukturen geraten, wenn sie verzweifelt sind?
Rosenfeldt verbindet Spannung mit moralischen Konflikten. Keine Figur ist nur gut oder nur böse. Viele handeln aus Angst, Not oder Ehrgeiz. Gerade diese Grauzonen machen den Thriller besonders intensiv.
Fazit
„Die Farm der Mädchen“ ist ein packender, düsterer Thriller mit komplexer Handlung und starken Figuren. Die Mischung aus Ermittlungsarbeit, persönlichem Drama und gesellschaftspolitischer Thematik sorgt für Tiefgang. Leserinnen und Leser erwartet eine Geschichte, die nicht nur fesselt, sondern auch nachdenklich macht.
Ein spannender zweiter Band der Haparanda-Reihe – atmosphärisch, vielschichtig und erschütternd realistisch.
#Thriller #HansRosenfeldt #Haparanda #SkandinavischerKrimi #Spannung #Menschenhandel #Leihmutterschaft #Kriminalroman #Buchvorstellung #NordicNoir
- Herausgeber : Rowohlt Wunderlich
- Erscheinungstermin : 27. Januar 2026
- Auflage : 1.
- Sprache : Deutsch
- Seitenzahl der Print-Ausgabe : 496 Seiten
- ISBN-10 : 3805200056
- ISBN-13 : 978-3805200059
- Abmessungen : 12.8 x 3.66 x 20.8 cm
- 24 Euro
