/ Oktober 11, 2026/ Buch

Älter werden ist nichts für Feiglinge – aber offenbar auch kein Grund, den Humor zu verlieren! Genau diesen Gedanken greift Dagmar Schönleber in „So jung brechen wir nicht mehr zusammen“ auf und nimmt ihre Leser mit auf eine herrlich schräge, manchmal nachdenkliche und immer wieder überraschende Reise in die zweite Lebenshälfte. Schon der Titel hat mich neugierig gemacht, denn wer kennt sie nicht, diese Momente, in denen man sich innerlich noch für jung, wild und unverwüstlich hält, während der eigene Körper langsam eine ganz andere Meinung entwickelt? Plötzlich braucht man eine Lesebrille, die Arme sind beim Lesen irgendwie zu kurz und die Erholung nach einem anstrengenden Tag dauert gefühlt länger als der Tag selbst. Willkommen im ganz normalen Wahnsinn des Älterwerdens!

Dagmar Schönleber begegnet diesem Thema mit einer wunderbaren Mischung aus Selbstironie, Lebenserfahrung und kabarettistischem Biss. Statt das Älterwerden zu einem dramatischen Verlustgeschäft zu erklären, schaut sie lieber genauer hin und entdeckt dabei jede Menge komische Seiten. Schließlich ist das Leben voller Widersprüche: Man wird vernünftiger, obwohl man sich das vielleicht gar nicht vorgenommen hat, die eigenen Kinder überraschen plötzlich mit erstaunlicher Reife und die Eltern entwickeln noch einmal ganz neue Vorstellungen davon, was sie mit ihrem Leben anfangen möchten. Und mittendrin steckt man selbst und fragt sich, wann genau das eigentlich alles passiert ist.

Besonders reizvoll finde ich die Vielfalt dieses Buches. Geschichten, Gedichte, Essays und Bühnentexte bilden einen abwechslungsreichen Mix, der unterschiedliche Facetten des Lebens beleuchtet. Mal philosophisch und tiefgründig, dann wieder herrlich übertrieben, albern oder frech. Genau diese Mischung macht den besonderen Reiz aus. Hier muss nicht jede Seite eine große Erkenntnis liefern, und nicht jeder Gedanke wird bis ins Letzte zerlegt. Manchmal reicht ein treffender Satz, eine absurde Alltagssituation oder eine überraschende Beobachtung, um einen zum Lachen zu bringen und gleichzeitig einen Nerv zu treffen.

Dabei nimmt Dagmar Schönleber nicht nur sich selbst aufs Korn, sondern auch die kleinen und großen Marotten unserer Gesellschaft. Übermotivierte Biobauern, unterschätzte Zumbatalente, missglückte Begegnungen mit modernen Alltagsgeräten und die vermeintlichen Wohltaten von Wellnesstempeln bieten reichlich Stoff für humorvolle Betrachtungen. Gerade solche Situationen sind herrlich, weil man sich beim Lesen durchaus selbst ertappen kann. Wie oft versucht man, mit der Zeit Schritt zu halten, sich zu optimieren und möglichst fit, gesund und leistungsfähig zu bleiben, während man eigentlich nur seine Ruhe haben möchte? Und warum muss inzwischen gefühlt jeder Lebensbereich zu einem neuen Verbesserungsprojekt werden?

Was mir an diesem Konzept besonders gefällt, ist die Haltung dahinter. Älterwerden bedeutet eben nicht automatisch, dass man seine Eigenheiten, seinen Eigensinn oder seine rebellische Seite an der Garderobe abgeben muss. Man darf sich verändern, neue Prioritäten setzen und trotzdem über die Welt, die anderen und sich selbst lachen. Schönleber scheint genau diesen Gedanken aufzugreifen und sich gegen eine Zukunft zu stemmen, in der ausgerechnet die Rückwärtsgewandten bestimmen wollen, wo es langgeht. Das verleiht dem Humor neben der Leichtigkeit auch eine gesellschaftliche und nachdenkliche Ebene.

Natürlich dürfte nicht jeder Text bei jedem Leser denselben Nerv treffen. Humor ist schließlich Geschmackssache. Gerade die Mischung aus kurzen literarischen Formen und Bühnentexten bietet jedoch unterschiedliche Zugänge, sodass sich das Buch wunderbar für kleine Lesepausen eignet. Man kann einfach ein paar Seiten lesen, einen Gedanken mitnehmen, schmunzeln und später weiterlesen.

Mein Fazit: „So jung brechen wir nicht mehr zusammen“ ist ein humorvoller, selbstironischer Blick auf das Älterwerden, die zweite Lebenshälfte und die vielen kleinen Absurditäten des Alltags. Dagmar Schönleber verbindet Kabarett, Lebensweisheit und Gesellschaftsbeobachtung zu einer abwechslungsreichen Sammlung, die unterhält, zum Nachdenken anregt und hoffentlich auch dazu ermutigt, sich selbst nicht immer ganz so ernst zu nehmen. Denn jünger werden wir vermutlich tatsächlich nicht mehr. Aber wer sagt eigentlich, dass wir deshalb vernünftiger, angepasster oder weniger rebellisch werden müssen? Manchmal ist Lachen schließlich die beste Antwort auf die Erkenntnis, dass das Leben längst seinen eigenen Plan verfolgt. Und zusammenbrechen können wir später immer noch – jetzt wird erst einmal gelacht!

Herausgeber ‏ : ‎ SATYR Verlag

  • Erscheinungstermin ‏ : ‎ 2. Februar 2026
  • Auflage ‏ : ‎ 1.
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Seitenzahl der Print-Ausgabe ‏ : ‎ 208 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3910775489
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3910775480
  • Abmessungen ‏ : ‎ 12.7 x 2.6 x 19.3 cm

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