
Wenn ein Buch klingt, als hätte Charles Dickens gemeinsam mit einem magischen Fluss ein Abenteuer erfunden, dann bist du wahrscheinlich bei Die Jagd nach den magischen Münzen gelandet. Und ja: Dieses Buch ist ungefähr so atmosphärisch, als würde London persönlich dir nachts bei Nebel eine Geschichte ins Ohr flüstern.
Im Mittelpunkt steht Bo, ein Mädchen im alten London, das beim Herumstochern im Schlamm der Themse eine geheimnisvolle Münze findet. Klingt erstmal nach „Cool, vielleicht reicht’s für ein Brötchen“. Aber nope — die Münze ist magisch. Und plötzlich hört Bo den Fluss sprechen. Die Themse. Einfach so. Als hätte der Fluss beschlossen: „Heute bin ich mal spiritueller Lebenscoach.“
„Du wirst nicht verlieren“, raunt die Themse ihr zu. Was gleichzeitig extrem beruhigend und leicht gruselig ist, weil sprechende Gewässer selten bekannt dafür sind, komplett normale Absichten zu haben.
Bo trifft auf Billy, einen Jungen vom anderen Ufer, der ebenfalls von den magischen Münzen weiß. Gemeinsam machen sie sich auf Schatzsuche durch das historische London — natürlich verfolgt von einem fiesen alten Gegner namens Muncaster, der klingt, als würde er Kindern Süßigkeiten klauen und Tauben böse anschauen. Der Typ will die Münzen nämlich auch. Und wie das bei magischen Artefakten immer so ist: In den falschen Händen wird’s schnell unangenehm.
Was folgt, ist eine wilde Jagd durch ein London voller Geheimnisse, Nebel, Gassen und dieser ganz speziellen „Hier spukt’s vielleicht ein bisschen“-Stimmung. Man kann den Schlamm der Themse beim Lesen praktisch riechen. Und zwar nicht auf romantische Pinterest-Art, sondern eher auf „Bitte fass nichts an“-Art.
Das Schöne an Die Jagd nach den magischen Münzen ist aber nicht nur die Fantasy. Es ist dieses Gefühl von verlorenen Dingen, Hoffnung und der leisen Frage, ob Magie vielleicht wirklich überall verborgen liegt — selbst im dreckigsten Flusswasser Londons. Also quasi: Urban Fantasy trifft Herzklopfen.
Jessie Burton schreibt dabei so bildhaft, dass man komplett in die Geschichte eingesogen wird. Wirklich. Dieses Buch hat einen literarischen Staubsauger-Modus. Du liest die ersten Seiten und plötzlich ist es drei Stunden später, du hast vergessen zu trinken und bist emotional in einen Fluss investiert.
Besonders cool: Die Themse ist hier nicht einfach Kulisse, sondern fast selbst eine Figur. Ein uraltes Wesen voller Erinnerungen, Geheimnisse und vermutlich ziemlich vieler verlorener Schuhe. Der Fluss beobachtet alles, weiß alles und flüstert immer gerade genug, damit man unbedingt weiterlesen muss.
Dazu kommt ein wunderschön gestaltetes Cover, das schon im Regal aussieht, als würde darin mindestens ein verfluchter Schatz oder ein Portal nach Narnia wohnen. Man nimmt das Buch in die Hand und denkt sofort: „Okay, entweder werde ich jetzt verzaubert oder emotional zerstört.“
Perfekt ist die Geschichte für Kinder ab 10 Jahren — aber ehrlich gesagt auch für Erwachsene, die heimlich immer noch hoffen, irgendwo eine magische Münze zu finden, statt nur alte Kassenbons in Jackentaschen.
Kurz gesagt: Die Jagd nach den magischen Münzen ist wie eine Mischung aus Schatzsuche, Flussmagie und viktorianischem Abenteuerfilm. Geheimnisvoll, poetisch und so gemütlich-düster, dass man sich am liebsten mit Tee, Decke und einer Laterne einigeln möchte, während draußen imaginär Londoner Nebel vorbeizieht.
- Herausgeber : Carlsen
- Erscheinungstermin : 29. Januar 2026
- Auflage : 2.
- Sprache : Deutsch
- Seitenzahl der Print-Ausgabe : 272 Seiten
- ISBN-10 : 3551559600
- ISBN-13 : 978-3551559609
- Lesealter : Kundenempfehlung: 10–12 Jahr(e)
- Originaltitel : Hidden Treasures
- Abmessungen : 14.5 x 2.6 x 21.5 cm
