/ Mai 19, 2026/ Buch, Sachbuch

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Hast du dich jemals gefragt, warum unsere Wälder inzwischen aussehen, als hätten sie einen richtig miesen Burnout? Willkommen bei Wald ohne Bäume von Hanna Harms – dem Sachcomic, der dir erst wunderschöne Naturbilder zeigt und dir dann emotional mit einem nassen Ast eins überzieht. Und zwar verdient.

Nach ihrem preisgekrönten Comic Milch ohne Honig nimmt sich Harms diesmal unsere Wälder vor. Klingt erstmal nach entspanntem Spaziergang mit Vogelgezwitscher, Moos und Waldduft. Ist aber eher wie ein Besuch bei einem Patienten auf der Intensivstation. Denn unsere Wälder in Deutschland und Europa haben gerade ungefähr so viel Stabilität wie ein Jenga-Turm nach acht Bier.

In poetischen, manchmal fast verträumten Bildern zeigt Hanna Harms, wie kaputt viele Waldökosysteme inzwischen sind. Monokulturen stehen da rum wie schlecht gelaunte Reihenhaus-Siedlungen, Böden trocknen aus, Tiere verschwinden und überall knuspert der Klimawandel fröhlich vor sich hin. Und falls du dachtest, der Regenwald wäre wenigstens sicher: nope. Auch dort wird abgeholzt, gebrannt und profitoptimiert, bis der letzte Affe vermutlich bald WLAN braucht, um noch einen Baum zu finden.

Das Geniale an diesem Comic ist aber: Er wirkt nie wie ein erhobener Zeigefinger aus dem Umweltkundeunterricht. Eher wie eine sehr kluge Freundin, die dich beim Spaziergang plötzlich fragt: „Sag mal… findest du das eigentlich normal?“ Und dann merkst du langsam: äh, nein. Eigentlich nicht.

Harms erklärt verständlich, warum Wälder so unfassbar wichtig sind. Sie speichern CO₂, regulieren Wasser, kühlen die Umgebung, bieten Lebensraum für Tiere und sorgen ganz nebenbei dafür, dass wir Menschen nicht komplett auf einem überhitzten Staubball wohnen. Wälder sind basically die WG-Mitbewohner, die heimlich alles sauber machen, während wir Chipskrümel auf den Boden werfen.

Besonders stark: Der Comic zeigt nicht nur Probleme, sondern auch die menschliche Absurdität dahinter. Wir reden ständig über Nachhaltigkeit, während irgendwo gleichzeitig der nächste Wald für Möbel, Straßen oder „wichtige Infrastrukturprojekte“ umgelegt wird. Das ist ein bisschen so, als würde man während einer Diät heimlich fünf Croissants essen und sich wundern, warum die Hose kneift.

Unterstützt wird das Ganze von einem Nachwort von Pierre L. Ibisch, Professor für Sozialökologie der Waldökosysteme und Mitentwickler der „Sozialökologischen Waldbewirtschaftung“ zusammen mit Peter Wohlleben. Klingt kompliziert, heißt aber im Grunde: Vielleicht sollten wir Wälder nicht behandeln wie einen Holzautomaten mit Blätter-DLC.

Auch die Herstellung des Buches passt zum Thema. Wald ohne Bäume ist ein Cradle-to-Cradle-Produkt, also komplett wiederverwertbar und umweltfreundlich produziert. Sogar die beim Druck entstandenen CO₂-Emissionen wurden zu 110 Prozent kompensiert. Das Buch hat also wahrscheinlich eine bessere Klimabilanz als der durchschnittliche Wochenendtrip nach Malle.

Mit 192 Seiten, atmosphärischen Illustrationen und einer Mischung aus Wut, Traurigkeit und Hoffnung ist diese Graphic Novel keine gemütliche „Oh wie schön, ein Reh“-Lektüre. Sie ist eher ein liebevoll gezeichneter Reality-Check. Einer, der hängen bleibt. Und vielleicht genau deshalb wichtig ist.

Erscheinungstermin ist der 3. März 2026. Ab 12 Jahren empfohlen – wobei vermutlich auch einige Erwachsene dringend Nachhilfe gebrauchen könnten.

  • Herausgeber ‏ : ‎ Carlsen Comics
  • Erscheinungstermin ‏ : ‎ 3. März 2026
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Seitenzahl der Print-Ausgabe ‏ : ‎ 192 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3551804486
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3551804488
  • Lesealter ‏ : ‎ Ab 12 Jahren
  • Abmessungen ‏ : ‎ 17.3 x 1.97 x 24.5 cm

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