/ Juli 15, 2026/ Buch

Mit „Wir verlieren dieses Land: Polizisten erzählen, worüber niemand offen spricht“ legt Liv von Boetticher ein Buch vor, das aktuelle Debatten über Kriminalität, Polizeiarbeit, Migration, Integration und innere Sicherheit aufgreift. Die Autorin stützt sich dabei auf zahlreiche Gespräche mit Polizeibeamtinnen und Polizeibeamten aus unterschiedlichen Bereichen und zeichnet ein vielschichtiges Bild ihres Berufsalltags sowie der Herausforderungen, denen sich Einsatzkräfte in Deutschland stellen müssen.

Ausgangspunkt des Buches ist eine Aussage eines Polizisten, die der Autorin Anlass für eine mehrjährige Recherche gab. Im Mittelpunkt stehen die Erfahrungen von Beamtinnen und Beamten aus Streifendienst, Ermittlungsarbeit und spezialisierten Einheiten. Sie berichten von zunehmenden Belastungen, verbalen und körperlichen Angriffen, personellen Engpässen sowie dem Gefühl, dass gesellschaftliche und politische Entwicklungen ihre tägliche Arbeit erschweren.

Das Buch versteht sich als investigative Reportage und möchte den Stimmen von Polizeikräften Raum geben, die nach Ansicht der Autorin in der öffentlichen Diskussion häufig zu wenig Beachtung finden. Dabei werden Themen wie Gewalt gegen Einsatzkräfte, organisierte Kriminalität, Jugendkriminalität, Migration, Asylpolitik, Integration sowie strukturelle Probleme innerhalb von Behörden aufgegriffen. Ziel ist es, unterschiedliche Erfahrungen aus dem Polizeialltag zusammenzuführen und Denkanstöße für die gesellschaftliche Debatte zu liefern.

Besonders interessant ist die Vielzahl persönlicher Schilderungen. Die Autorin verbindet individuelle Erlebnisse mit Hintergrundinformationen und zeigt auf, wie unterschiedlich Polizistinnen und Polizisten ihre tägliche Arbeit erleben. Dadurch entsteht ein facettenreicher Einblick in einen Beruf, der oft unter großem Zeitdruck, hoher Verantwortung und schwierigen Rahmenbedingungen ausgeübt wird.

Der Schreibstil ist flüssig, journalistisch und leicht verständlich. Auch komplexe Themen werden nachvollziehbar dargestellt, sodass das Buch nicht nur für Fachleute, sondern auch für politisch interessierte Leserinnen und Leser gut zugänglich ist. Die zahlreichen Erfahrungsberichte sorgen dafür, dass die beschriebenen Situationen greifbar werden und zum Nachdenken anregen.

Ein Schwerpunkt des Buches liegt auf Fragen der inneren Sicherheit in Deutschland. Die Autorin schildert, wie ihre Gesprächspartner bestimmte Entwicklungen wahrnehmen und welche Herausforderungen sie im Zusammenhang mit Kriminalität, Behördenstrukturen und politischen Entscheidungen sehen. Dabei wird deutlich, dass viele der interviewten Polizeikräfte Reformbedarf erkennen und sich eine stärkere Unterstützung für ihre tägliche Arbeit wünschen.

Gerade weil die behandelten Themen gesellschaftlich und politisch kontrovers diskutiert werden, lädt das Buch dazu ein, sich mit unterschiedlichen Perspektiven auseinanderzusetzen. Es erhebt den Anspruch, Erfahrungen aus der Praxis sichtbar zu machen und die Diskussion über Sicherheits- und Ordnungspolitik um Stimmen aus dem Polizeidienst zu erweitern. Leserinnen und Leser erhalten dadurch einen Einblick in Sichtweisen, die im öffentlichen Diskurs häufig intensiv diskutiert und unterschiedlich bewertet werden.

Die hochwertige gebundene Ausgabe sowie die klare Gliederung erleichtern das Lesen auch bei umfangreicheren Kapiteln. Wer sich für Polizeiarbeit, Kriminalitätsentwicklung, Innenpolitik oder gesellschaftliche Herausforderungen interessiert, findet hier eine spannende und diskussionswürdige Lektüre.

Mein Fazit: „Wir verlieren dieses Land“ ist ein journalistisch recherchiertes Sachbuch, das den Fokus auf die Erfahrungen zahlreicher Polizeibeamtinnen und Polizeibeamter legt und aktuelle Fragen rund um Polizeiarbeit, Kriminalität, Migration, Integration und innere Sicherheit aufgreift. Unabhängig davon, ob man die Schlussfolgerungen der Autorin teilt oder kritisch hinterfragt, liefert das Buch zahlreiche Impulse für die Auseinandersetzung mit einem gesellschaftlich relevanten Thema und regt dazu an, verschiedene Perspektiven in die Diskussion einzubeziehen.

  • Herausgeber ‏ : ‎ Deutscher Wirtschaftsbuch Verlag
  • Erscheinungstermin ‏ : ‎ 16. Juni 2026
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Seitenzahl der Print-Ausgabe ‏ : ‎ 336 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3690662567
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3690662567
  • Abmessungen ‏ : ‎ 15.2 x 3.3 x 21.9 cm

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