/ September 13, 2026/ Buch

Manchmal ist es gar nicht so einfach, den richtigen Weg zu finden. Vor allem dann nicht, wenn man noch nicht genau weiß, was eigentlich „links“ und was „rechts“ ist. Genau vor diesem Problem steht Simon – und ich muss sagen, dass ich die Idee hinter „Simon – nach rechts“ von Nicole van Brummelen richtig charmant finde. Aus einer eigentlich ganz alltäglichen Schwierigkeit wird hier ein kleines Abenteuer, das Kinder spielerisch mitnimmt und gleichzeitig zum Mitmachen einlädt.

Simon ist eine Möwe und hat ein Problem: Er kann links und rechts nicht unterscheiden. Das klingt zunächst vielleicht nach einer Kleinigkeit, sorgt für Simon aber für ein ziemlich großes Durcheinander. Er verliert seinen Möwenschwarm und steht plötzlich allein da. Was nun?

Zum Glück ist Simon nicht auf den Schnabel gefallen. Er sucht Hilfe und trifft auf eine Gruppe Pinguine. Doch statt ihn einfach zurück zu seinem Schwarm zu bringen, schicken sie ihn weiter nach Australien. Simon soll dreimal nach rechts blättern und dort ein Känguru fragen. Und damit beginnt eine wunderbar verrückte Reise, bei der Simon immer wieder auf neue Tiere trifft und von einem zum nächsten geschickt wird.

Gerade diese Idee gefällt mir an dem Bilderbuch besonders gut: Der Leser bleibt nicht einfach Zuschauer, sondern wird selbst Teil der Geschichte. Denn hier muss tatsächlich einmal nach links und einmal nach rechts geblättert werden. Das macht das Buch zu etwas Besonderem. Die Richtung wird nicht nur erklärt, sondern direkt beim Lesen und Anschauen erlebt.

Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass Kinder dabei richtig Spaß haben. „Nach rechts!“ heißt es – und schon muss überlegt werden, welche Seite denn nun die richtige ist. Dadurch wird die Geschichte automatisch interaktiv. Gleichzeitig entsteht ein schöner spielerischer Lerneffekt, ohne dass das Buch wie eine Unterrichtsstunde wirkt.

Simon ist dabei eine Figur, mit der sich Kinder schnell identifizieren können. Denn wer kennt nicht das Gefühl, etwas noch nicht zu können, während es für andere ganz selbstverständlich scheint? Simon kann links und rechts nicht auseinanderhalten und verliert dadurch sogar seine Gruppe. Trotzdem gibt er nicht auf. Er fragt nach, lässt sich helfen und macht sich weiter auf den Weg.

Das vermittelt ganz nebenbei eine schöne Botschaft: Es ist völlig in Ordnung, etwas noch nicht zu können. Man darf fragen, sich verirren und Umwege machen. Wichtig ist, dass man weitergeht.

Auch die Begegnungen mit den unterschiedlichen Tieren machen die Geschichte abwechslungsreich. Simon bekommt immer wieder neue Hinweise und wird von einer Station zur nächsten geschickt. Aus der Suche nach seinem Möwenschwarm wird dadurch eine kleine Weltreise. Und wer weiß – vielleicht ist der Weg zurück am Ende gar nicht so einfach, wie Simon zunächst denkt.

Besonders schön finde ich den Gedanken der Autorin und Illustratorin Nicole van Brummelen, die selbst sagt, dass sie sich immer wieder verirrt. Daraus ist eine Bilderbuchidee entstanden, die etwas sehr Menschliches aufgreift: Manchmal führt ein Umweg trotzdem ans Ziel. Das ist eine wunderbare Grundlage für ein Kinderbuch, denn gerade Kinder erleben ständig Situationen, in denen etwas nicht sofort funktioniert.

„Simon – nach rechts“ verbindet deshalb mehrere Dinge miteinander. Es ist ein Bilderbuch über eine Möwe, die ihren Schwarm sucht, ein kleines Abenteuer mit Pinguinen, Känguru und weiteren Tieren, aber gleichzeitig auch ein spielerisches Buch zum Thema Orientierung. Links und rechts werden nicht trocken vermittelt, sondern sind direkt Bestandteil der Handlung.

Beim gemeinsamen Vorlesen dürfte außerdem einiges an Gesprächsstoff entstehen. Wo ist rechts? Wo ist links? Warum schickt das eine Tier Simon zum nächsten? Findet er seinen Schwarm wieder? Und was passiert wohl auf der nächsten Seite?

Genau solche Fragen machen ein gutes Bilderbuch für mich aus. Es muss nicht kompliziert sein, um Kinder zu beschäftigen. Manchmal reicht eine einfache Idee, die konsequent und liebevoll umgesetzt wird. Simon und seine Suche nach den anderen Möwen bieten dafür eine wunderbare Grundlage.

Ich mag außerdem, dass Simon nicht als perfekter kleiner Held dargestellt wird. Er weiß etwas nicht und kommt dadurch in Schwierigkeiten. Aber er bleibt neugierig und sucht nach einer Lösung. Das macht ihn sympathisch und vermittelt Kindern ganz selbstverständlich, dass man nicht alles sofort beherrschen muss.

„Simon – nach rechts“ ist damit weit mehr als eine Geschichte über eine Möwe, die sich verirrt. Es ist ein liebevoll gestaltetes Mitmach-Bilderbuch über Orientierung, Hilfsbereitschaft, Mut und die kleinen Umwege des Lebens. Besonders die ungewöhnliche Idee, die Leser durch das Blättern selbst nach links und rechts zu schicken, macht die Geschichte lebendig und sorgt für Abwechslung beim Vorlesen.

Mein persönlicher Eindruck: Ein originelles, humorvolles und sehr sympathisches Bilderbuch, das Kinder zum Mitmachen einlädt und gleichzeitig ganz spielerisch dabei hilft, sich mit den Begriffen links und rechts auseinanderzusetzen. Simon zeigt dabei auf seine ganz eigene Art, dass man sich ruhig einmal verirren darf – denn manchmal beginnt gerade dann das spannendste Abenteuer.

  • Herausgeber ‏ : ‎ aracari
  • Erscheinungstermin ‏ : ‎ 1. Februar 2026
  • Auflage ‏ : ‎ 1.
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Seitenzahl der Print-Ausgabe ‏ : ‎ 32 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3907114426
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3907114421
  • Lesealter ‏ : ‎ Ab 4 Jahren
  • Originaltitel ‏ : ‎ Siemon naar rechts
  • Abmessungen ‏ : ‎ 8.4 x 3.4 x 21 cm

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