/ September 19, 2026/ Buch

Es gibt Bücher, bei denen man schon nach den ersten Seiten merkt, dass sie nicht einfach nur informieren, sondern eine Diskussion anstoßen möchten. „Gemeinsame Sicherheit heute! – Manifest für den Frieden“, herausgegeben von Gernot Erler und Ralf Stegner, gehört für mich genau in diese Kategorie. Das Buch beschäftigt sich mit einer Frage, die angesichts des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine und der aktuellen sicherheitspolitischen Debatten kaum wichtiger sein könnte: Wie kann Sicherheit in Europa künftig gedacht und gestaltet werden? Die Autoren und weiteren Beiträger setzen dabei bewusst auf den Gedanken der gemeinsamen Sicherheit und greifen auch Erfahrungen aus der Friedens- und Entspannungspolitik der 1970er-Jahre auf.

Was mir beim Lesen besonders aufgefallen ist: Das Buch versucht nicht, die schwierige weltpolitische Lage auf ein paar einfache Schlagworte zu reduzieren. Stattdessen werden unterschiedliche politische und gesellschaftliche Fragen miteinander verbunden. Es geht um Krieg und Frieden, um die Sicherheitsordnung Europas, um die Rolle Deutschlands und der Europäischen Union, aber auch darum, welche Folgen eine zunehmende Konzentration auf militärische Stärke für andere gesellschaftliche Aufgaben haben kann.

Gerade dieser Blick auf den Zusammenhang zwischen Sicherheitspolitik, Frieden, gesellschaftlicher Entwicklung und Zukunftsinvestitionen macht das Buch interessant. Die Herausgeber stellen die Frage, ob Sicherheit ausschließlich militärisch gedacht werden sollte oder ob nicht auch Diplomatie, internationale Zusammenarbeit, wirtschaftliche Stabilität und politische Verständigung dazugehören. Diese Überlegung fand ich persönlich besonders spannend, weil sie den Begriff Sicherheit deutlich weiter fasst.

Informativ ist außerdem der historische Rückblick. Die Friedens- und Entspannungspolitik der 1970er-Jahre wird nicht nur als abgeschlossene Vergangenheit betrachtet, sondern als möglicher Bezugspunkt für heutige Diskussionen. Gerade wer sich für deutsche Außenpolitik, Ostpolitik, europäische Sicherheit und die politischen Entwicklungen der vergangenen Jahrzehnte interessiert, bekommt dadurch zusätzliche Anknüpfungspunkte.

Dabei ist wichtig zu wissen, dass dieses Buch nicht als völlig wertneutrales Nachschlagewerk angelegt ist. Es vertritt eine klar erkennbare friedenspolitische Perspektive und wirbt für das Konzept der gemeinsamen Sicherheit. Genau deshalb empfand ich es als interessant, die Argumentation nicht einfach nur mit bereits vorhandenen eigenen Vorstellungen abzugleichen, sondern mich tatsächlich mit den Gedanken auseinanderzusetzen. Ein politisches Sachbuch darf schließlich auch eine Position vertreten und trotzdem dazu beitragen, eine Debatte besser zu verstehen.

Die zahlreichen Beiträge erweitern den Blick zusätzlich. Neben Gernot Erler und Ralf Stegner kommen unter anderem Wolfgang Biermann, Ute Finckh-Krämer, Wolfgang Lieb, Hans-Jochen Luhmann, Michael Misselwitz, Michael Müller, Rolf Mützenich, Joachim Schuster und weitere Autoren zu Wort. Dadurch entsteht kein eindimensionaler Text, sondern ein Sammelband mit verschiedenen Perspektiven auf Fragen rund um Frieden, Krieg, Aufrüstung, internationale Beziehungen und europäische Sicherheit.

Persönlich finde ich gerade die Aktualität des Themas bemerkenswert. Begriffe wie Kriegstüchtigkeit, Aufrüstung, gemeinsame Sicherheit, Friedenspolitik und europäische Sicherheitsordnung sind längst Bestandteil der öffentlichen Diskussion. Das Buch lädt dazu ein, hinter diese Schlagworte zu schauen und sich genauer mit den politischen Vorstellungen auseinanderzusetzen, die dahinterstehen.

Gut gefallen hat mir deshalb, dass „Gemeinsame Sicherheit heute!“ nicht versucht, eine einfache Antwort auf eine komplizierte Weltlage zu geben. Vielmehr werden Fragen aufgeworfen, historische Erfahrungen herangezogen und politische Handlungsmöglichkeiten diskutiert. Das kann auch dann interessant sein, wenn der Leser nicht jede Position der Autoren teilt. Gerade bei politischen Sachbüchern halte ich es für wertvoll, Argumente kennenzulernen, die in der öffentlichen Debatte möglicherweise weniger Raum bekommen.

Für mich ist „Gemeinsame Sicherheit heute! – Manifest für den Frieden“ damit vor allem ein anregendes politisches Sachbuch über Friedenspolitik, Sicherheitspolitik und die Zukunft Europas. Wer sich für den Ukrainekrieg, deutsche Außenpolitik, europäische Sicherheit, Entspannungspolitik und die Frage interessiert, wie eine Friedensordnung künftig aussehen könnte, findet hier reichlich Stoff zum Lesen und Weiterdenken.

Das Taschenbuch ist kompakt gehalten und umfasst 180 Seiten. Herausgegeben wurde es von Gernot Erler und Ralf Stegner im Westend Verlag.

Mein Fazit: Ein politisch klar positioniertes, aktuelles und diskussionswürdiges Buch, das sich mit Frieden und Sicherheit nicht nur aus der Perspektive militärischer Stärke beschäftigt. Für mich besonders interessant sind die Verbindung zur Entspannungspolitik der 1970er-Jahre und die zentrale Idee der gemeinsamen Sicherheit. Wer politische Entwicklungen verstehen möchte und bereit ist, sich auch mit einer bestimmten friedenspolitischen Perspektive auseinanderzusetzen, bekommt hier viele Denkanstöße.

  • Herausgeber ‏ : ‎ Westend
  • Erscheinungstermin ‏ : ‎ 28. September 2026
  • Auflage ‏ : ‎ 1.
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Seitenzahl der Print-Ausgabe ‏ : ‎ 204 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3987913827
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3987913822
  • Abmessungen ‏ : ‎ 13.5 x 21.5 x 2 cm

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