/ Februar 27, 2026/ Buch

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Also ganz ehrlich: Dieses Buch fühlt sich an wie ein Reality-Check mit Ansage. In Disruption nimmt Jannis Bruehl kein Blatt vor den Mund und erklärt ziemlich klar, was da gerade zwischen Tech-Milliardären, Politik und Demokratie abgeht – und warum das alles nicht nur ein bisschen Silicon-Valley-Drama ist, sondern uns alle betrifft.

Im Zentrum steht die These: Eine kleine Clique superreicher Tech-Typen sieht sich nicht mehr nur als Unternehmer, sondern als Weltgestalter. Leute wie Peter Thiel, Mark Zuckerberg, Alex Karp und Marc Andreessen werden hier nicht einfach als CEOs beschrieben, sondern als Ideologen mit Mission. Science-Fiction-Fans mit Milliarden auf dem Konto, die glauben, sie könnten Staaten effizienter führen als gewählte Regierungen.

Und dann kommt noch Donald Trump ins Spiel. Laut Brühl hat sich um ihn herum seit 2024 eine Art Machtbündnis gebildet, das Wirtschaftsmacht und politische Macht ziemlich hemmungslos zusammenführt. Geld trifft auf Regierungsmacht – und plötzlich geht es nicht mehr nur um Apps und Plattformen, sondern um Einfluss auf Institutionen, Regulierung, Öffentlichkeit.

Was das Buch stark macht: Es ist kein verschwurbeltes Technik-Bashing. Brühl erklärt sauber, wie aus dem Silicon-Valley-Mindset („Move fast and break things“) eine politische Haltung wurde. Disruption ist nicht mehr nur ein Geschäftsmodell, sondern eine Ideologie. Regeln? Stören nur. Demokratie? Zu langsam. Kontrolle? Bitte nur privat, nicht staatlich.

Er zeigt auch, wie sich Teile der US-Tech-Elite politisch nach rechts orientiert haben – aus Frust über Regulierung, aus Machtkalkül oder aus echter ideologischer Überzeugung. Und er macht klar: Das ist keine Nerd-Randnotiz, sondern eine strukturelle Verschiebung. Wenn die reichsten Menschen der Welt anfangen, Politik aktiv umzubauen, dann verändert das das Spielfeld komplett.

Besonders spannend ist der Blick nach Europa. Brühl fragt: Was machen wir eigentlich? Abwarten und hoffen, dass es schon nicht so schlimm wird? Oder endlich digitale Souveränität ernst nehmen? Es geht um Plattformabhängigkeit, Cloud-Infrastruktur, KI, Datenkontrolle – also um ziemlich konkrete Fragen. Und darum, ob Demokratien langfristig mithalten können, wenn Tech-Konzerne schneller, reicher und globaler agieren als viele Staaten.

Der Ton ist dabei angenehm klar. Kein Fachchinesisch, kein akademisches Dauerfeuer. Man merkt, dass Brühl als Journalist schreibt: strukturiert, verständlich, mit vielen Beispielen. Gleichzeitig ist das Ganze gut recherchiert und argumentativ dicht. Er verbindet politische Analyse mit Tech-Insiderwissen – das macht das Buch so zugänglich.

Was hängen bleibt? Ein mulmiges Gefühl, aber auch ein Aha-Moment. Vieles, was man als einzelne Schlagzeile wahrnimmt – ein Investor hier, eine Spende da, ein politisches Statement dort – ergibt plötzlich ein größeres Bild. Und dieses Bild zeigt: Demokratie ist kein Selbstläufer, vor allem nicht im digitalen Zeitalter.

Disruption ist also kein dystopischer Thriller, sondern ein ziemlich realistischer Weckruf. Wer verstehen will, wie eng Tech, Ideologie und Macht inzwischen verzahnt sind – und warum das nicht nur ein amerikanisches Problem ist –, sollte das lesen. Verständlich geschrieben, politisch relevant und definitiv diskussionswürdig.

  • Herausgeber ‏ : ‎ Deutsche Verlags-Anstalt
  • Erscheinungstermin ‏ : ‎ 21. Januar 2026
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Seitenzahl der Print-Ausgabe ‏ : ‎ 256 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3421070563
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3421070562
  • Abmessungen ‏ : ‎ 13.7 x 2.3 x 21.6 cm

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