/ Januar 19, 2026/ Buch

„Evil Grandma“ von Line Baugstø ist so ein Buch, bei dem man schon nach ein paar Seiten merkt: Okay, das wird unbequem – aber auf eine richtig gute Art.

Im Mittelpunkt steht Mona. Sie ist Mitte 60, kurz vor der Rente, hat ihr Leben im Griff und eigentlich einen ziemlich klaren Plan für die kommenden Jahre: endlich ein bisschen Ruhe, Freiheit, vielleicht reisen, vielleicht einfach mal nichts müssen. Und dann kommt die Nachricht, die alles durcheinanderbringt: Sie wird Großmutter.
Aber statt Freudentränen gibt’s bei Mona erst mal Stress, Schweißausbrüche und Panik. Denn Oma sein heißt für sie vor allem eins: Erwartungen. Erwartungen, dass sie sich aufopfert, immer verfügbar ist, alles stehen und liegen lässt, sobald das Enkelkind schreit.

Richtig brenzlig wird es, als ihr Sohn Thomas und seine Freundin Alma wegen eines Wasserschadens für ein paar Wochen bei Mona einziehen. Die kleine Wohnung ist plötzlich voll, Mona kocht, putzt, organisiert – während die beiden jungen Leute hauptsächlich mit ihren Handys beschäftigt sind und ganz selbstverständlich davon ausgehen, dass Mama das schon regelt. Mona fühlt sich ausgenutzt, übergangen und komplett unsichtbar. Und irgendwann denkt sie sich: So hab ich mir mein Leben echt nicht vorgestellt.

Also haut sie ab. Zusammen mit ihrer besten Freundin Annemor verbringt sie ein Wochenende auf dem Land. Es wird geredet, gelacht, gelästert – und ziemlich viel Wein getrunken. In dieser leicht angeheiterten Stimmung passiert etwas, das eigentlich nur ein Scherz sein soll: Mona erstellt einen Instagram-Account namens @Evilgrandma65. Dort schreibt sie ehrlich, sarkastisch und ungefiltert darüber, wie nervig Erwartungen an Großmütter sind, wie egoistisch manche Kinder sein können und dass „Oma sein“ nicht automatisch bedeutet, sich selbst aufzugeben.

Was als Spaß beginnt, entwickelt plötzlich eine enorme Eigendynamik. Immer mehr Leute folgen ihr, fühlen sich verstanden, feiern ihre Posts. Mona wird gehört – endlich. Aber mit der Aufmerksamkeit kommen auch Probleme: Thomas und Alma sind alles andere als begeistert, und Mona muss sich fragen, wie weit sie gehen will und was sie bereit ist zu riskieren, um sich selbst treu zu bleiben.

„Evil Grandma“ ist frech, witzig und gleichzeitig ziemlich ernst. Das Buch spricht Themen an, über die selten offen geredet wird: Altersrollen, Erwartungen an Frauen, Familienpflichten und die Frage, ob man mit 65 plötzlich aufhören muss, eigene Wünsche zu haben. Der Ton ist locker, manchmal bissig, oft sehr direkt – fast so, als würde Mona selbst neben dir sitzen und dir bei einem Glas Wein alles erzählen.

Man muss nicht selbst Oma sein, um dieses Buch zu mögen. Es reicht, schon mal erlebt zu haben, dass andere glauben, sie wüssten besser, wie man zu leben hat. „Evil Grandma“ macht Mut, laut zu sein, unbequem zu sein und auch im Alter nicht brav zu funktionieren. Ein Buch zum Lachen, Kopfschütteln – und zum ehrlichen Nachdenken.

Frech, ehrlich und überraschend tiefgründig. „Evil Grandma“ erzählt mit viel Humor von Erwartungen, Selbstbestimmung und dem Mut, auch im Alter eigene Wege zu gehen. Mona ist unbequem, sympathisch und absolut zeitgemäß. Sehr lesenswert!

  • Herausgeber ‏ : ‎ Rowohlt Wunderlich
  • Erscheinungstermin ‏ : ‎ 14. Oktober 2025
  • Auflage ‏ : ‎ 1.
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Seitenzahl der Print-Ausgabe ‏ : ‎ 256 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3805201230
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3805201230
  • Originaltitel ‏ : ‎ Evil Grandma
  • Abmessungen ‏ : ‎ 13.2 x 2.25 x 21 cm
  • 23 Euro

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