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„Frühling: Meisterwerke der japanischen Holzschnittkunst“ von Jocelyn Bouquillard kommt daher wie so ein Schatz, den man eigentlich in einem Museum hinter Glas erwarten würde – nur dass du ihn einfach auf deinem Tisch ausbreiten kannst. Und zwar wortwörtlich: Dieses Leporello zieht sich auf elf Meter Länge aus! ELF. METER. Das ist kein Buch mehr, das ist eine visuelle Reise, die sich durch dein Zimmer schlängelt wie ein blühender Garten.
Schon die Box macht klar: Hier wird nicht gekleckert, hier wird geklotzt. Schmuckschuber, Seideneinband, Silberprägung – das fühlt sich alles so edel an, dass du dich kurz fragst, ob du weiße Handschuhe brauchst, um es überhaupt anzufassen. Es hat diesen „Ich-bin-ein-Kunstobjekt“-Vibe, aber ohne abgehoben zu sein. Eher so: luxuriös, aber einladend.
Und dann klappst du es auf – BAM. Farbe. Leben. Frühling pur.
Die rund 60 Farbtafeln sind einfach nur wow. Du bekommst hier die ganz großen Namen der japanischen Holzschnittkunst serviert: Hokusai, Hiroshige, Kuniyoshi, Utamaro – absolute Legenden. Aber das fühlt sich nicht trocken oder historisch an, sondern total lebendig. Jede einzelne Szene wirkt, als würde sie gleich anfangen zu atmen.
Du siehst zarte Landschaften, die gerade erst aus dem Winterschlaf aufwachen. Dieses frische Grün, das fast schon leuchtet. Kirschblüten in allen möglichen Rosatönen, von sanftem Pastell bis hin zu richtig sattem Pink – und du kannst sie quasi rieseln sehen. Dann wieder diese dramatischen Glyzinien in tiefem Purpur, die wie Wasserfälle aus Blüten runterhängen. Und irgendwo schlendern Menschen durch diese Szenerien, ganz ruhig, fast poetisch verloren im Moment.
Was richtig hängen bleibt, ist dieses typisch japanische Gefühl von „alles ist schön, aber nichts bleibt für immer“. Diese ganze Vergänglichkeit – klingt erstmal heavy, fühlt sich hier aber eher sanft und fast tröstlich an. So ein bisschen wie: Genieß es jetzt, weil genau das macht es besonders.
Und genau das transportieren diese Werke unglaublich feinfühlig. Es ist nicht laut, nicht überladen – eher so ein stilles Staunen. Du blätterst (oder besser: entfaltest) dich da durch und merkst plötzlich, wie du langsamer wirst. Kein Stress, kein Scrollen, einfach nur gucken und wirken lassen.
Das 48-seitige Booklet ist übrigens kein Beiwerk, das man ignoriert. Es gibt dir genau die richtige Portion Kontext, ohne dich zu erschlagen. Du erfährst mehr über die Künstler, über die Motive, über die Bedeutung des Frühlings in Japan – aber alles so, dass es deine Begeisterung noch verstärkt, statt sie zu bremsen.
Und das Format selbst? Dieses Leporello ist einfach genial. Du kannst es komplett ausziehen und wie eine durchgehende Bildgeschichte erleben oder Abschnitt für Abschnitt genießen. Es hat fast etwas Meditatives. Und ja, es macht auch einfach Spaß, das Ding Leuten zu zeigen, weil garantiert jeder erstmal sagt: „Warte… wie lang ist das bitte?!“
Kurz gesagt: Das ist kein Buch für „mal eben nebenbei“. Das ist ein Erlebnis. Ein Stück Frühling, das du dir ins Haus holst – egal, ob draußen gerade grauer Himmel ist oder nicht.
Wenn du Kunst liebst, Japan feierst oder einfach Bock auf etwas wirklich Besonderes hast, dann ist dieses Leporello wie ein kleiner Kurzurlaub für die Seele. Nur ohne Kofferpacken. Nur mit Staunen.
- Herausgeber : Prestel Verlag
- Erscheinungstermin : 11. Februar 2026
- Sprache : Deutsch
- Seitenzahl der Print-Ausgabe : 226 Seiten
- ISBN-10 : 3791377965
- ISBN-13 : 978-3791377964
- Abmessungen : 12.4 x 4.3 x 17.8 cm
- Buch 9 von 9 : Kunst-Leporello
