
Mit Pflanzen die Welt retten ist ein Sachbuch, das Mut macht, ohne die Lage schönzureden. Bernhard Kegel nimmt die Dramatik des Klimawandels ernst – die rasante Erhitzung der Erde, die schwindenden Zeitfenster, die berechtigte Angst vieler Menschen – und bleibt trotzdem nicht im Alarmmodus stecken. Statt Fatalismus liefert er fundiertes Wissen, klare Zusammenhänge und vor allem: realistische Hoffnung.
Zentral ist die einfache, aber kraftvolle Idee, dass es nicht reicht, nur weniger CO₂ auszustoßen. Selbst wenn wir Emissionen drastisch senken, bleibt das Problem der bereits vorhandenen Treibhausgase. Genau hier setzt Kegel an. Er zeigt verständlich und nachvollziehbar, warum wir der Atmosphäre aktiv CO₂ entziehen müssen – und warum Pflanzen dabei eine Schlüsselrolle spielen. Fotosynthese wird in diesem Buch nicht als Schulbuchstoff behandelt, sondern als eine der wirkungsvollsten „Technologien“, die der Planet je hervorgebracht hat.
Besonders gelungen ist, wie breit Kegel das Spektrum möglicher Lösungen aufspannt. Es geht um die Wiedervernässung von Mooren, die als enorme Kohlenstoffspeicher viel zu lange unterschätzt wurden. Um Nutzpflanzen, deren Fotosynthese gezielt verbessert werden kann. Um nachhaltiges Bauen mit Holz, das CO₂ langfristig bindet. Und sogar um visionäre Ansätze wie das künstliche Blatt, das Sonnenlicht nutzt, um Energie und Wasserstoff zu erzeugen. All das wird nicht als Wunderwaffe verkauft, sondern nüchtern eingeordnet: Was ist heute schon machbar, was noch Forschung, was Hoffnung – und wo liegen die Grenzen?
Der große Pluspunkt des Buches ist seine Verständlichkeit. Kegel schreibt klar, ruhig und ohne Fachchinesisch. Auch komplexe biologische und technische Prozesse werden so erklärt, dass man ihnen gerne folgt, selbst ohne naturwissenschaftlichen Hintergrund. Gleichzeitig bleibt das Buch wissenschaftlich sauber und gut belegt – kein Feel-good-Ökobuch, sondern ein ernstzunehmender Beitrag zur Klimadebatte.
Was Mit Pflanzen die Welt retten besonders stark macht, ist der Ton. Kegel appelliert nicht moralisch, er belehrt nicht und er schürt keine Schuldgefühle. Stattdessen lädt er dazu ein, neu über unsere Beziehung zur Natur nachzudenken. Pflanzen erscheinen hier nicht als passive Kulisse, sondern als aktive Partner im Kampf gegen den Klimawandel – als etwas, das wir verstehen, schützen und gezielt einsetzen können.
Dass das Buch für den Deutschen Sachbuchpreis 2025 nominiert wurde, überrascht nicht. Es verbindet Wissenschaft, gesellschaftliche Relevanz und eine positive Perspektive auf überzeugende Weise. Wer sich mit dem Klimawandel beschäftigt und nach fundierten, konstriven Ansätzen sucht, findet hier ein kluges, inspirierendes und wohltuend lösungsorientiertes Buch, das zeigt: Noch ist nicht alles verloren – wenn wir bereit sind, genauer hinzusehen und klug zu handeln.
- Herausgeber : DuMont Buchverlag GmbH & Co. KG
- Erscheinungstermin : 14. Oktober 2024
- Auflage : 2.
- Sprache : Deutsch
- Seitenzahl der Print-Ausgabe : 256 Seiten
- ISBN-10 : 3832168508
- ISBN-13 : 978-3832168506
- Abmessungen : 13.6 x 2.9 x 20.8 c
- 25 Euro
