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dick hellblau, weiss

Stell dir vor, du stehst an der normannischen Küste, der Wind zerrt an deiner Jacke, Salz liegt in der Luft, unter dir tobt die raue See – und genau in diesem Moment macht es klick. Willkommen in „Monets Küste – Die Entdeckung von Étretat“, diesem opulenten, vibrierenden, absolut berauschenden Ausstellungskatalog zur Blockbuster-Schau im Städel Museum. Dieses Buch ist kein stilles Kunstwerk zum Durchblättern – es ist ein emotionaler Roadtrip an die französische Atlantikküste, ein Farbenrausch, ein kunsthistorischer Adrenalinschub!
Was hier passiert, ist schlicht magisch: Ein kleines französisches Fischerdorf wird zur Legende. Étretat – früher rau, wild, abgelegen – explodiert im 19. Jahrhundert förmlich vor kreativer Energie. Künstler*innen aus ganz Europa pilgern dorthin, weil sie spüren: Hier passiert etwas Neues. Etwas Großes. Die spektakulären Felsformationen, diese dramatischen Bögen und Klippen, die scheinbar direkt aus einem Traum (oder Albtraum!) gemeißelt wurden, treffen auf das ewige Schauspiel von Licht, Wolken und Wasser. Und mittendrin: Maler, die alles bisher Gesehene über Bord werfen.
Allen voran Claude Monet. In Étretat zündet er die nächste Stufe. Hier malt er nicht mehr einfach nur Landschaften – er denkt in Serien, in Stimmungen, in Momenten. Morgens, mittags, abends. Sonne, Nebel, Sturm. Immer dasselbe Motiv und doch jedes Bild eine neue Welt. Genau hier wird spürbar, wie eine neue Malerei geboren wird: heller, freier, mutiger. Impressionismus in Reinform, aber mit ordentlich Wucht.
Doch dieses Buch denkt größer. Viel größer. Gustave Courbet schleudert uns seine monumentalen Wellen entgegen – roh, physisch, fast brutal. Eugène Delacroix bringt Emotion und Dramatik, Camille Corot poetische Ruhe, Caillebotte kühle Klarheit. Und dann dieser irre Bogen bis in die Moderne: Georges Braque, Henri Matisse, Félix Vallotton – alle lassen sich von Étretat packen, jede Generation auf ihre eigene Weise. Sogar Victor Hugo ist dabei, schreibend, denkend, staunend. Und mit Elger Esser öffnet sich das Thema plötzlich Richtung Gegenwart – Boom! Vergangenheit und Heute verschmelzen.
Die Texte von Alexander Eiling, Stéphane Paccoud und Isolde Pludermacher lesen sich dabei nicht trocken-akademisch, sondern leidenschaftlich, kenntnisreich und mit spürbarer Liebe zum Thema. Man merkt: Das hier ist Herzenssache. Sie erzählen von Künstlerfreundschaften, von Sommerfrische und Seebädern, von Tourismus und Rückzug, von Natur als Mythos und Projektionsfläche. Étretat wird zum Sehnsuchtsort, lange bevor Instagram existiert – und bleibt es bis heute.
Kurz gesagt: Dieses Buch ist ein Fest. Für Monet-Fans sowieso. Aber auch für alle, die Kunst fühlen wollen, nicht nur verstehen. Für alle, die das Meer lieben, das Licht, den Wind, das große Draußen. „Monets Küste“ ist laut, lebendig, überwältigend – und macht unfassbar Lust, sofort die Koffer zu packen oder sich wenigstens mit diesem Wälzer aufs Sofa zu werfen und Seite für Seite in diese wilde, wunderschöne Küste einzutauchen. Absolute Ausnahmeerscheinung.
- Herausgeber : Hirmer
- Erscheinungstermin : 1. November 2025
- Auflage : 1.
- Sprache : Deutsch
- Seitenzahl der Print-Ausgabe : 280 Seiten
- ISBN-10 : 377744636X
- ISBN-13 : 978-3777446363
- Abmessungen : 23.6 x 28.6 x 2.6 cm
- 50 Euro
