/ November 28, 2025/ Buch

„Ökonomie der Angst“ von Oliver Rathkolb ist ein Wachmacher, ein Augenöffner und ein faszinierender Blick in das Herz unserer Zeit! Dieses Buch packt einen vom ersten Satz an – nicht, weil es Angst schürt, sondern weil es mit kraftvoller Klarheit erklärt, warum unsere Welt sich so nervös, überhitzt und angespannt anfühlt. Rathkolb schafft es, komplexe historische Entwicklungen so lebendig darzustellen, dass man beim Lesen immer wieder denkt: Ja! Genau so fühlt sich unsere Gegenwart an.

Der Autor führt uns mit großer erzählerischer Energie durch die spannenden Parallelen zwischen dem frühen 20. Jahrhundert und heute. Er nennt sie die Zeit der ersten und zweiten Turboglobalisierung – zwei Epochen, in denen politische Umbrüche, rasante technische Neuerungen und wirtschaftliche Unsicherheiten die Menschen überfordert haben. Schon damals wie heute stiegen Nervosität und Angstpegel, als würde die Welt gleichzeitig schneller, lauter und unberechenbarer werden.

Rathkolb zeigt dabei, wie sehr Globalisierung sowohl Chancen als auch enorme Spannungen erzeugt. Ein Gefühl von Kontrollverlust breitet sich aus – heute genauso wie vor über hundert Jahren. Und genau daraus entstehen jene gesellschaftlichen Reaktionen, die uns aktuell so vertraut vorkommen: Radikalisierung, übertriebene Härte, laute Parolen und das verzweifelte Suchen nach scheinbar einfachen Lösungen für hochkomplexe Probleme.

Mitreißend beschreibt er, wie in solchen Momenten die sogenannten „Raubritter der Wirtschaft“ auftreten – Akteure, die Unsicherheit ausnutzen, um Macht oder Profit zu erlangen. Gleichzeitig geraten politische Entscheidungsträger unter Druck, treffen unglückliche oder impulsive Entscheidungen, und die Gesellschaft beginnt sich zu spalten. Das Gefühl, „abgehängt“ oder übersehen zu werden, verstärkt die Unruhe des Einzelnen. Es entsteht der Wunsch nach starken Figuren, nach klaren Antworten, nach Ordnung. Genau dieses Muster prägte die Zeit vor dem Ersten Weltkrieg – und lässt sich heute in vielen Ländern beobachten.

Trotz dieses ernsten Themas fühlt sich das Lesen nicht düster an – im Gegenteil! Rathkolb vermittelt ein euphorisierendes Gefühl von Verstehen. Die Zusammenhänge werden greifbar, nachvollziehbar, ja regelrecht spannend. Es ist, als würde man ein Puzzle zusammensetzen, dessen Teile schon lange vor einem lagen. Plötzlich ergibt alles Sinn.

Jede Seite lädt dazu ein, tiefer einzutauchen: Wie hängen wirtschaftliche Innovationen mit gesellschaftlichen Ängsten zusammen? Warum reagieren Menschen unter Druck immer wieder ähnlich? Und wie kann Wissen über die Vergangenheit dabei helfen, die Gegenwart besser zu meistern?

Der größte Zauber dieses Buches liegt darin, dass es Hoffnung durch Erkenntnis schenkt. Rathkolb zeigt: Die Nervosität unserer Zeit ist nicht neu – und sie ist auch nicht unüberwindbar. Gesellschaften haben solche Phasen schon einmal durchlebt und daraus gelernt. Die Frage, ob uns ein neues autoritäres Zeitalter bevorsteht, stellt Rathkolb nicht, um zu erschrecken, sondern um zu ermutigen: Verstehen ist der erste Schritt zu Stabilität.

Die Sprache bleibt stets klar, lebendig und zugänglich. Komplexe Prozesse werden anschaulich, historische Parallelen leicht verständlich, und selbst große Weltzusammenhänge fühlen sich plötzlich greifbar an. Die Begeisterung des Autors für das Thema springt auf den Leser über – und macht dieses Buch zu einem echten Leseerlebnis.

„Ökonomie der Angst“ ist ein leidenschaftliches, kluges und enorm aktuelles Werk, das aufrüttelt und gleichzeitig begeistert. Es lädt ein, die Gegenwart mit neuen Augen zu betrachten – und zeigt eindrucksvoll, dass Wissen das beste Mittel gegen Angst ist.

  • Herausgeber ‏ : ‎ Molden Verlag in Verlagsgruppe Styria GmbH & Co. KG
  • Erscheinungstermin ‏ : ‎ 30. Oktober 2025
  • Auflage ‏ : ‎ 1.
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Seitenzahl der Print-Ausgabe ‏ : ‎ 304 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3222151539
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3222151538
  • Abmessungen ‏ : ‎ 17.6 x 3.4 x 24.3 cm
  • 33 Euro

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