/ Januar 21, 2026/ Buch

Das Buch „Ploog, West End: Texte von und über Jürgen Ploog“ ist eine umfangreiche Sammlung, die Leben, Werk und Wirkung des Schriftstellers Jürgen Ploog (1935–2020) würdigt. Herausgegeben wurde der Band von Wolfgang Rüger und David Ploog. Er richtet sich an Leserinnen und Leser, die sich für alternative Literatur, Subkultur und den deutschen Underground interessieren – aber auch an alle, die einen besonderen Autor neu entdecken möchten.

Jürgen Ploog war eine der wichtigsten, aber zugleich am wenigsten bekannten Figuren der deutschen Literaturszene. Er galt als Solitär, also als jemand, der bewusst außerhalb des etablierten Literaturbetriebs arbeitete. Während viele Autoren Anerkennung durch Verlage, Preise oder Feuilletons suchten, ging Ploog seinen eigenen Weg. In der subkulturellen Szene hingegen war er schon zu Lebzeiten eine Legende.

Ploog verstand Literatur als etwas Lebendiges, das sich ständig verändern muss – genauso wie die Welt selbst. Er beschäftigte sich mit den Umbrüchen der modernen Lebenswelt: mit Medien, Technik, Popkultur, Gewalt, Konsum, Science-Fiction und urbanen Räumen. Besonders bekannt wurde er für seine Cut-up-Texte, eine experimentelle Schreibweise, bei der Texte zerschnitten und neu zusammengesetzt werden. Dadurch entstehen dichte, schnelle, manchmal verwirrende, oft sehr poetische Sprachbilder.

Trotz seiner großen Bedeutung für den Underground wurde Jürgen Ploog vom offiziellen Literaturbetrieb lange Zeit ignoriert. Seine Bücher passten nicht in gängige Kategorien, seine Themen waren unbequem, seine Form radikal. Genau hier setzt dieser Reader an: Er macht das Werk eines Autors zugänglich, der viel Einfluss hatte, aber kaum öffentliche Anerkennung bekam.

Der Band vereint Texte von Jürgen Ploog selbst mit Erinnerungen, Essays und Würdigungen von Weggefährten, Freundinnen, Freunden und bekannten Autorinnen und Autoren. Viele Beiträge stammen von wichtigen Stimmen der alternativen Literatur- und Kunstszene. Außerdem enthält das Buch bisher unveröffentlichtes Material aus dem Nachlass, das neue Einblicke in Ploogs Denken und Arbeiten erlaubt.

Zu den Beiträgerinnen und Beiträgern zählen unter anderem Kathy Acker, Jörg Fauser, Clemens Meyer, Carl Weissner, Frank Witzel, Wolf Wondratschek und viele andere. Diese Vielfalt an Stimmen zeigt, wie weit Ploogs Einfluss reichte – über Generationen, Länder und literarische Stile hinweg. Jeder Beitrag beleuchtet einen anderen Aspekt seines Schaffens oder seiner Persönlichkeit.

Der Schriftsteller Clemens Meyer beschreibt Ploogs Texte als „kurze intensive Sprachgewitter voller Poesie und Neon und Pop und Western und Science-Fiction“. Dieses Zitat bringt den Stil Ploogs gut auf den Punkt: Seine Texte sind laut, bildreich, schnell und voller Energie. Sie verlangen Aufmerksamkeit, belohnen aber mit starken Bildern und ungewöhnlichen Gedanken.

„Ploog, West End“ ist kein klassisches Sachbuch und keine einfache Einführung. Es ist eher ein literarisches Denkmal, das zeigt, warum Jürgen Ploog für viele ein wichtiger Vordenker war. Gleichzeitig lädt der Band dazu ein, sich ohne Vorwissen auf seine Texte einzulassen und eine andere Form von Literatur kennenzulernen.

Insgesamt ist dieses Buch eine wertvolle Entdeckung für alle, die Literatur jenseits des Mainstreams suchen. Es macht einen großen, lange übersehenen Autor sichtbar und zeigt, dass literarische Innovation oft dort entsteht, wo man sie am wenigsten erwartet.

  • Herausgeber ‏ : ‎ Edition W GmbH
  • Erscheinungstermin ‏ : ‎ 28. April 2025
  • Auflage ‏ : ‎ 1.
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Seitenzahl der Print-Ausgabe ‏ : ‎ 345 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3949671196
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3949671197
  • Abmessungen ‏ : ‎ 14.1 x 3.5 x 21.9 cm

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