/ April 2, 2026/ Bildband, Buch, Sachbuch

Okay, ganz ehrlich: Tuschetien: Kultur- und Naturraumwandel im Großen Kaukasus ist so ein Buch, bei dem man schon nach den ersten Seiten merkt: Das ist nicht einfach nur ein „Reiseführer“, das ist eine komplette Reise im Kopf.

Du tauchst da in eine Region ein, von der viele noch nie gehört haben – Tuschetien, tief im Großer Kaukasus gelegen, im Nordosten von Georgien. Und was da beschrieben wird, ist einfach nur beeindruckend. Diese Landschaft! Wilde Berge, abgelegene Dörfer, Natur, die teilweise noch komplett unberührt wirkt. Man bekommt sofort dieses Gefühl von „Da will ich hin“.

Aber das Buch macht noch viel mehr als nur schöne Bilder liefern. Klar, es ist ein Bildband – und die Fotos sind wirklich stark, richtig atmosphärisch und intensiv. Aber gleichzeitig steckt da so viel Wissen drin, dass man merkt: Die Autor*innen – Stefan Applis, Gwendoline Lemaitre und Florian Mühlfried – kennen die Region nicht nur oberflächlich, sondern richtig tief. Die waren vor Ort, haben geforscht, beobachtet, dokumentiert. Und genau das spürt man auf jeder Seite.

Was ich besonders spannend fand: Es geht nicht nur um „wow, schöne Berge“, sondern auch darum, wie sich diese Region verändert. Also dieser Wandel zwischen Tradition und Moderne. Wie leben die Menschen dort heute? Was bleibt erhalten, was geht verloren? Und wie wirkt sich zum Beispiel Tourismus auf so eine abgelegene Gegend aus? Das ist richtig interessant und gibt dem Ganzen eine ganz andere Tiefe.

Ein Highlight ist definitiv dieses Thema Transhumanz – also diese traditionelle Form der Viehwirtschaft, bei der die Tiere je nach Jahreszeit zwischen verschiedenen Weideflächen wechseln. Klingt erstmal simpel, ist aber total faszinierend, wenn man versteht, wie sehr das das Leben der Menschen prägt. Das ist nicht nur Landwirtschaft, das ist Kultur, Geschichte und Identität in einem.

Auch die Architektur der Bergdörfer ist mega spannend. Diese alten Steintürme und Häuser, die sich perfekt in die Landschaft einfügen – das wirkt fast wie aus einer anderen Zeit. Und genau dieses Gefühl transportiert das Buch richtig gut. Du merkst einfach, wie stark diese Region ihre Traditionen bewahrt hat.

Gleichzeitig wird aber nichts romantisiert. Es wird auch gezeigt, dass das Leben dort hart ist. Abgeschiedenheit, schwierige Bedingungen, wenig Infrastruktur – das gehört alles dazu. Und genau diese Ehrlichkeit macht das Buch so stark. Es ist nicht nur schön, sondern auch real.

Der Schreibstil ist dabei angenehm verständlich, obwohl das Ganze durchaus wissenschaftlich fundiert ist. Also perfekt für alle, die sich für Geografie, Kultur oder Reisen interessieren, aber keine trockene Fachliteratur lesen wollen. Es fühlt sich eher an wie eine Mischung aus Doku, Reportage und Bildband.

Und was richtig hängen bleibt: dieses Gefühl von Weite und Ursprünglichkeit. Tuschetien wirkt wie ein Ort, der noch nicht komplett vom modernen Leben überrollt wurde. So ein bisschen wie eine andere Welt – aber eben eine echte, keine erfundene.

Ich hatte beim Lesen ständig dieses Fernweh im Kopf. So dieses „Ich pack meinen Rucksack und geh da hin“-Gefühl.

Wenn du also Lust hast auf ein Buch, das dich visuell und inhaltlich gleichzeitig packt, das Natur, Kultur und Geschichte miteinander verbindet und dir eine Region zeigt, die man nicht jeden Tag auf dem Schirm hat – dann ist das hier echt ein Volltreffer.

  • Herausgeber ‏ : ‎ Mitteldeutscher Verlag
  • Erscheinungstermin ‏ : ‎ 28. April 2025
  • Auflage ‏ : ‎ 1.
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Seitenzahl der Print-Ausgabe ‏ : ‎ 144 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3689480353
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3689480356
  • Abmessungen ‏ : ‎ 22.2 x 1.5 x 28 cm

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