
Umkämpfte Geschichte: Einsprüche gegen die Umdeutung des 7. Oktober ist kein Buch für schnelle Urteile oder bequeme Gewissheiten. Herausgegeben im Rahmen der Reihe Critica Diabolis und getragen von Beiträgen international renommierter Autorinnen und Autoren – unter ihnen Benny Morris – versteht sich dieser Band als bewusster Gegenentwurf zur Verkürzung, Emotionalisierung und ideologischen Vereinnahmung eines der umstrittensten Ereignisse der jüngeren Gegenwartsgeschichte.
Zwei Jahre nach dem 7. Oktober ist die Debatte längst nicht abgeklungen. Im Gegenteil: Begriffe wie Genozid, Widerstand, Boykott oder Antisemitismus werden weltweit mit großer Schärfe, aber oft ohne historische Präzision verwendet. Genau hier setzt dieses Buch an. Es fragt nicht danach, welche Haltung moralisch opportun ist, sondern danach, was sich historisch, politisch und begrifflich tatsächlich begründen lässt.
Die versammelten Beiträge nehmen zentrale Streitfragen in den Blick: Ist der Vorwurf eines Genozids an den Palästinensern analytisch haltbar – oder handelt es sich um eine propagandistische Umdeutung? Wo verläuft die Grenze zwischen legitimer Kritik an israelischer Politik und pauschalem Boykott aller Israelis? Und weshalb wird die Hamas in Teilen des globalen Diskurses nicht als terroristische Organisation, sondern als Widerstandsbewegung dargestellt? Die Autorinnen und Autoren gehen diesen Fragen mit unterschiedlicher Perspektive nach, eint sie jedoch in einem Anspruch: der Rückkehr zu begrifflicher Klarheit und historischer Einordnung.
Dabei geht es weniger um einfache Antworten als um das Offenlegen von Widersprüchen. Der Band zeigt, wie Narrative entstehen, wie Sprache politische Wirklichkeit formt und wie moralische Kategorien instrumentalisiert werden können. Besonders deutlich wird, wie sehr die Auseinandersetzung um Gaza längst über den regionalen Konflikt hinausweist und zu einem globalen Symbolkampf geworden ist – in Universitäten, Medien, Kulturinstitutionen und politischen Bewegungen.
Der Ton des Buches ist sachlich, argumentativ und streitbar, ohne polemisch zu werden. Unterschiedliche Stimmen treten miteinander in Dialog, widersprechen einander, ergänzen sich. Gerade darin liegt seine Stärke: Umkämpfte Geschichte behauptet keine endgültige Wahrheit, sondern lädt zur kritischen Prüfung ein – auch der eigenen Positionen.
Dieser Band richtet sich an Leserinnen und Leser, die bereit sind, Komplexität auszuhalten. An jene, die sich nicht mit Schlagworten zufriedengeben, sondern verstehen wollen, wie Geschichte gedeutet, umgedeutet und politisch genutzt wird. Es ist ein unbequemes Buch, aber ein notwendiges – weil es daran erinnert, dass historische Verantwortung und intellektuelle Redlichkeit untrennbar zusammengehören.
Umkämpfte Geschichte ist damit weniger ein Abschluss der Debatte als ein Einspruch gegen ihre Verflachung. Ein Buch, das fordert, irritiert und zum Weiterdenken zwingt – und gerade deshalb seine Relevanz entfaltet.
- Herausgeber : edition TIAMAT
- Erscheinungstermin : 2. Februar 2026
- Auflage : New
- Sprache : Deutsch
- Seitenzahl der Print-Ausgabe : 304 Seiten
- ISBN-10 : 3893203354
- ISBN-13 : 978-3893203352
- Abmessungen : 12.5 x 3 x 21 cm
- 28 Euro
