/ Januar 15, 2026/ Buch, Romane

Der andere Arthur ist ein ruhiger, berührender Roman über zwei sehr unterschiedliche Menschen, die beide einsam sind – und die einander helfen, wieder ins Leben zurückzufinden.

Im Mittelpunkt steht Arthur Opp. Er war früher Literaturprofessor und liebte Bücher, Gespräche und das Denken. Heute ist davon kaum etwas geblieben. Arthur wiegt rund 250 Kilo und lebt seit über zehn Jahren zurückgezogen in seinem Haus in Brooklyn. Er verlässt es nicht mehr. Selbst der kurze Weg zur Haustür ist für ihn eine große Anstrengung. Sein Alltag besteht aus Warten, Erinnerungen und Schuldgefühlen. Arthur hat vieles verloren: seinen Beruf, soziale Kontakte und den Glauben an sich selbst. Er fühlt sich nutzlos und abgeschnitten von der Welt.

Etwa 30 Kilometer entfernt lebt Kel, ein siebzehnjähriger Junge. Er ist sportlich, ehrgeizig und hofft auf ein Sportstipendium, um nach der Schule studieren zu können. Für Kel ist das die große Chance, seinem schwierigen Umfeld zu entkommen und ein besseres Leben zu beginnen. Doch sein Weg ist alles andere als leicht. Seine Mutter ist schwer krank, und Kel übernimmt viel Verantwortung. Er sorgt sich um sie, um Geld und um die Zukunft. Oft fühlt er sich überfordert und allein gelassen.

Arthur und Kel kennen sich zunächst nicht. Sie leben in völlig verschiedenen Welten, mit unterschiedlichem Alter, Hintergrund und Lebensstil. Und doch verbindet sie etwas Wichtiges: beide sind einsam. Beide haben Angst, zu scheitern. Beide glauben, dass ihr Leben vielleicht schon festgelegt ist – und dass es kaum noch Hoffnung auf Veränderung gibt.

Die Verbindung zwischen ihnen entsteht durch Kels Mutter, die früher eine Studentin von Arthur war. Nach vielen Jahren ohne Kontakt wendet sie sich verzweifelt an ihn. Sie braucht Hilfe und weiß nicht, an wen sie sich sonst wenden soll. Arthur steht vor einer Entscheidung: weiter in seinem sicheren, aber leeren Rückzug bleiben – oder Verantwortung übernehmen und sich wieder auf andere Menschen einlassen.

Mit dieser Entscheidung beginnt eine langsame, aber tiefgehende Veränderung. Arthur wird gezwungen, über sich hinauszuwachsen. Er muss sich bewegen, zuhören, helfen und sich mit seiner Vergangenheit auseinandersetzen. Dabei stößt er auf alte Wunden, Reue und Scham. Gleichzeitig entdeckt er etwas, das er längst verloren glaubte: das Gefühl, gebraucht zu werden.

Auch für Kel verändert sich vieles. Durch Arthur bekommt er Unterstützung, Verständnis und einen Erwachsenen, der ihn ernst nimmt. Arthur sieht Kels Potenzial und ermutigt ihn, an sich zu glauben. Zwischen den beiden entsteht eine vorsichtige, echte Freundschaft – nicht laut oder spektakulär, sondern leise und glaubwürdig.

Liz Moore erzählt diese Geschichte mit viel Feingefühl. Sie urteilt nicht über ihre Figuren, sondern zeigt sie in ihrer Verletzlichkeit. Der Roman macht deutlich, wie schwer Einsamkeit sein kann – und wie heilsam es ist, füreinander da zu sein. Er zeigt, dass Hilfe nicht nur den rettet, der sie bekommt, sondern auch den, der sie gibt.

Der andere Arthur ist ein Roman über zweite Chancen, über Verantwortung und über die Kraft menschlicher Nähe. Er macht Mut, weil er zeigt: Auch wenn ein Leben festgefahren scheint, kann ein neuer Anfang möglich sein – manchmal genau dann, wenn man anfängt, sich um andere zu kümmern.

Ein leiser, tief berührender Roman über Einsamkeit, Verantwortung und neue Anfänge. Liz Moore erzählt mit großer Wärme von zwei Außenseitern, deren Begegnung Leben verändert. Klug, menschlich und lange nachhallend.

  • Herausgeber ‏ : ‎ C.H.Beck
  • Erscheinungstermin ‏ : ‎ 30. Januar 2026
  • Auflage ‏ : ‎ 1.
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Seitenzahl der Print-Ausgabe ‏ : ‎ 377 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3406843336
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3406843334
  • Originaltitel ‏ : ‎ Heft
  • 26 Euro

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