
„Die Liebe, später“ von Gisa Klönne ist ein Roman über eine lange Ehe – und darüber, was passiert, wenn plötzlich nichts mehr so sicher ist wie früher. Es geht um zweite Chancen, ums Älterwerden und um die Frage: Wer bin ich eigentlich – heute?
Kora und Anselm sind seit über zwanzig Jahren verheiratet. Sie haben sich eingerichtet in ihrem Leben. Kora ist erfolgreiche Journalistin, immer unterwegs, klug, engagiert. Anselm ist Biologe, pendelt jede Woche in die Hauptstadt zur Arbeit. Ihr Alltag ist gut eingespielt. Nicht immer romantisch, aber vertraut. Sie wissen, wie der andere tickt. Jeder hat seinen Raum. Es läuft.
Doch dann bekommt Kora eine Herz-OP.
Eigentlich sollte danach alles weitergehen wie vorher. Tut es aber nicht. Kora merkt: Sie fühlt sich fremd in ihrem eigenen Leben. Der Job, der sie früher erfüllt hat? Plötzlich anstrengend. Der Alltag? Leer. Und auch die Ehe – auf einmal stellt sie sich Fragen, die sie lange nicht gestellt hat.
Wer bin ich, wenn ich nicht funktioniere?
Was will ich noch vom Leben?
Und liebe ich noch so wie früher?
Während Kora innerlich schwimmt, trifft Anselm eine Entscheidung: Er reicht die Rente ein. Für ihn ist klar – jetzt beginnt der schöne Teil. Mehr Zeit zusammen. Mehr Ruhe. Vielleicht endlich Dinge tun, für die früher keine Zeit war. Zum Beispiel seinen Traum verwirklichen: einen Libellenteich im Garten anlegen.
Für ihn klingt das nach Aufbruch. Für Kora fühlt es sich eher wie Stillstand an.
Was früher gut austariert war – Nähe und Abstand, Eigenständigkeit und Gemeinsamkeit – gerät aus dem Gleichgewicht. Anselm will mehr „Wir“. Kora spürt immer stärker ein „Ich“, das sich meldet.
Und dann geht sie.
Nicht dramatisch, nicht mit Knall. Aber sie zieht los. Sie reist zu Orten, die sie als junge Frau geprägt haben. Sie trifft Menschen von früher. Alte Freunde. Alte Versionen von sich selbst. Und langsam fragt sie sich: Wer war ich einmal? Was ist davon übrig? Und was darf vielleicht noch kommen?
Der Roman erzählt das ganz ruhig, sehr einfühlsam. Keine großen Explosionen. Eher leise Verschiebungen. Man merkt: So fühlt sich echtes Leben an. Wenn man merkt, dass man nicht mehr 30 ist. Dass Zeit kostbar wird. Dass man vielleicht noch einmal neu anfangen möchte – aber nicht weiß, wie.
Kora ist keine Heldin im klassischen Sinn. Sie ist verletzlich, manchmal unsicher, manchmal auch unfair. Aber genau das macht sie so nahbar. Viele Leserinnen (und Leser) werden sich in ihr wiederfinden. Dieses Gefühl, dass man funktioniert hat – für Job, Familie, Alltag – und plötzlich fragt: Und ich?
Auch Anselm ist kein Bösewicht. Er liebt Kora. Wirklich. Er freut sich auf gemeinsame Jahre. Sein Libellenteich steht für Hoffnung, für Natur, für etwas Bleibendes. Doch Liebe allein reicht nicht immer, wenn zwei Menschen sich unterschiedlich entwickeln.
„Die Liebe, später“ zeigt, dass lange Beziehungen Arbeit sind. Dass sie sich verändern. Dass man sich immer wieder neu begegnen muss. Und dass es Mut braucht, ehrlich zu sein – zu sich selbst und zum anderen.
Mit 4,2 von 5 Sternen wird das Buch von vielen als warmherzig und lebensklug beschrieben. Es ist kein schneller Liebesroman. Es ist eine Geschichte für Menschen, die wissen, dass Liebe nicht nur aus Schmetterlingen besteht – sondern auch aus Zweifeln, Gesprächen, Schweigen und Neubeginn.
Am Ende geht es um eine große Frage:
Kann man nach zwanzig Jahren noch einmal neu anfangen – miteinander?
„Die Liebe, später“ ist ein ruhiges, kluges Buch über das Älterwerden, über Selbstfindung und über die Chance, dass Liebe sich verändern darf – und trotzdem bleibt.
Ein Roman, der nachklingt. Und der Mut macht, ehrlich hinzuschauen.
- Herausgeber : Rowohlt Kindler
- Erscheinungstermin : 27. Januar 2026
- Auflage : 1.
- Sprache : Deutsch
- Seitenzahl der Print-Ausgabe : 320 Seiten
- ISBN-10 : 346300075X
- ISBN-13 : 978-3463000756
- Abmessungen : 13 x 2.51 x 20.9 cm
