
Was, wenn dein ganzes Leben tatsächlich eine Leinwand wäre – und jede Erfahrung eine neue Schicht aus Farbe, Licht und Schatten? Mit „Mein ganzes Leben, Öl auf Leinwand, ohne Titel“ schenkt uns Alena Schröder einen Roman, der genau dieses Bild zum Leuchten bringt. Der neue Nr.-1-Bestseller (Gebundene Ausgabe, 19. Januar 2026) ist eine zarte und zugleich kraftvolle Komposition über Herkunft, Verlust, Sehnsucht – und die unsichtbaren Linien, die Frauen über Generationen hinweg verbinden.
Schon die ersten Seiten ziehen uns hinein: Güstrow, Mai 1945. Die 14-jährige Marlen, zusammengekauert in einer Kommodenschublade in einem verlassenen Forsthaus – ein Bild, das sich einprägt. Als sie sich befreit, entdeckt sie ein unscheinbares Porträt einer jungen Frau. Dieses Bild, scheinbar still und doch voller Geheimnisse, wird zum stillen Herzstück des Romans. Wilma, die Marlen vor den russischen Soldaten versteckt, nimmt sie bei sich auf. Doch Wilma trägt ein Geheimnis in sich, das schwerer wiegt als jede Farbschicht auf einer Leinwand.
Parallel dazu: Berlin, 2023. Hannah Borowski, 34, mitten im Leben – und doch ins Wanken geraten. Die beste Freundin Rubi zieht aus. Der Vater, der lange abwesend war, taucht plötzlich wieder auf. Und irgendwo zwischen Vergangenheit und Gegenwart schimmert sie auf: die wertvolle Leinwand, die einst Hannahs Großmutter gehörte. Wie ein roter Faden durchzieht sie das Leben dieser Frauen – ein Symbol für Erinnerung, Verdrängung und die Frage: Wem gehört unsere Geschichte?
Mit großer erzählerischer Eleganz springt der Roman zwischen zwei Zeitebenen – von 1945 über die 1960er Jahre bis ins heutige Berlin. Und doch wirkt nichts konstruiert. Alles fließt. Schröders vertrauter Stil ist ruhig, klar, eindringlich. Sie schreibt nicht laut – und gerade deshalb trifft sie mitten ins Herz. Jede Szene wirkt durchdacht, jede Begegnung fein beobachtet.
Besonders die Gegenwartsebene entfaltet eine enorme emotionale Sogkraft. Hannah ist eine Figur, die man sofort versteht – mit all ihren Unsicherheiten, ihrer Wut, ihrer Sehnsucht nach Wahrheit. Die Begegnung mit dem plötzlich wieder präsenten Vater ist intensiv, schmerzhaft, hoffnungsvoll zugleich. Man spürt ihr inneres Chaos, ihr Zögern, ihr vorsichtiges Öffnen. Diese Passagen sind von einer Authentizität, die lange nachhallt.
Doch auch die Vergangenheit beeindruckt. Marlen, Wilma, später Burgel – eigenwillig, kantig, unvergesslich. Besonders die Einblicke ins ostdeutsche Nachkriegsleben sind eindrucksvoll und selten so differenziert erzählt. Man fühlt die Enge, die Aufbruchsstimmung, die Brüche einer Zeit im Umbruch. Schröder zeigt, wie Geschichte in Biografien einsickert – wie politische Ereignisse private Entscheidungen formen.
Ja, die Verbindung zwischen den Zeitebenen bleibt leise, manchmal fast zart angedeutet. Doch genau darin liegt auch die poetische Kraft dieses Romans. Nicht alles muss laut verknüpft sein. Manche Beziehungen bestehen wie feine Haarrisse unter der Oberfläche – sichtbar erst, wenn das Licht richtig fällt.
Und dieses Licht findet Schröder immer wieder. Ihre Figuren sind vielschichtig, verletzlich, widersprüchlich – und dadurch so lebendig. Beziehungen zwischen Müttern und Töchtern, Freundinnen, Liebenden werden mit einer Sensibilität beschrieben, die tief berührt. Man liest – und erkennt sich wieder. In Zweifeln. In Hoffnungen. In der Suche nach dem eigenen Platz im großen Bild.
„Mein ganzes Leben, Öl auf Leinwand, ohne Titel“ ist ein Roman, den man nicht einfach nur liest – man erlebt ihn. Er legt Schicht um Schicht frei, wie bei einem alten Gemälde, unter dem plötzlich neue Farben sichtbar werden. Und wenn man die letzte Seite erreicht, bleibt dieses Gefühl: dass noch so viel weitergehen könnte. Dass diese Figuren weiteratmen, weiterlieben, weiterhoffen.
Ein bewegender, fein komponierter Bestseller über Frauen, Generationen und die Kraft der Erinnerung – und über die Frage, ob wir jemals das ganze Bild unseres Lebens erkennen können.
„Mein ganzes Leben, Öl auf Leinwand, ohne Titel“ von Alena Schröder hat mich tief berührt. Die wechselnden Zeitebenen sind atmosphärisch dicht erzählt, besonders Hannahs Geschichte in der Gegenwart geht unter die Haut. Fein beobachtete Emotionen, starke Frauenfiguren und ein leiser, eindringlicher Stil machen diesen Roman zu einem echten Leseerlebnis. Bewegend, klug und voller Gefühl – absolut empfehlenswert!
- Herausgeber : dtv Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG
- Erscheinungstermin : 19. Januar 2026
- Auflage : 1.
- Sprache : Deutsch
- Seitenzahl der Print-Ausgabe : 352 Seiten
- ISBN-10 : 3423285281
- ISBN-13 : 978-3423285285
- Abmessungen : 13.8 x 3.3 x 21.5 cm
- 23 Euro
