/ März 28, 2026/ Buch

Es gibt Bücher, die liest man – und es gibt Bücher, die stürmen das eigene Innenleben wie ein Konfettiregen aus Witz, Wahrheit und wunderbar schrägen Gedanken. Genau so eines ist Mehr Allergien als Freunde: Aber das juckt mich nicht von Johanna Wack. Dieses Debüt ist kein vorsichtiges Klopfen an die Tür der Literatur, sondern ein ausgelassenes Hereinplatzen – mit Glitzer im Haar, einem frechen Grinsen und einer Stimme, die sagt: „Mach dich bereit, ich meine es ernst mit dem Humor!“

Schon der Titel ist ein Versprechen: Hier wird gejuckt, gekratzt, gelacht – und zwar ohne Rücksicht auf literarische Etikette. Johanna Wack schreibt, als hätte sie jahrelang Geschichten gesammelt wie andere Leute Bonuspunkte – und löst sie jetzt alle auf einmal ein. Ihre Texte sind wild, klug, herrlich unangepasst und dabei so menschlich, dass man sich zwischen den Zeilen ständig selbst ertappt. Oder die beste Freundin. Oder den Ex. Meistens den Ex.

Mit einer Energie, die man sonst nur aus guten Live-Auftritten kennt – kein Wunder nach zwei Jahrzehnten auf Bühnen zwischen Lesung und Poetry Slam – entfaltet sich hier ein Kosmos aus Beobachtungen, Absurditäten und entwaffnender Ehrlichkeit. Da wird im Baumarkt nach dem geheimnisvollen „Urks“ gesucht, als sei es das fehlende Puzzlestück eines existenziellen Rätsels. Da werden Märchen aus der Perspektive von Wölfen erzählt, die plötzlich viel mehr mit uns zu tun haben, als uns lieb ist. Und irgendwo dazwischen steht immer wieder diese große, leicht schmerzhafte, aber unglaublich komische Frage: Wie lebt, liebt und lacht man eigentlich als moderne Frau in einer Welt, die manchmal selbst wie ein schief erzählter Witz wirkt?

Wacks Stil ist ein Feuerwerk: pointiert, verspielt, scharfzüngig und dabei durchzogen von einer Selbstironie, die nicht nur entwaffnet, sondern regelrecht umarmt. Sie nimmt sich selbst genauso auseinander wie ihre Figuren – und genau darin liegt ihre Stärke. Ob es um Dating-Desaster mit kunstfernen Männern geht, um die absurden Seiten des Mutterseins oder um die feinen, oft unausgesprochenen Dynamiken zwischen den Geschlechtern: Jede Geschichte trifft, sitzt, zündet.

Und dann ist da dieser Humor – schwarz, aber nicht bitter; frech, aber nie beliebig; intelligent, aber niemals abgehoben. Es ist ein Lachen, das befreit. Eines, das sagt: Ja, das Leben ist manchmal absurd. Aber genau darin liegt seine Schönheit. Wack gelingt das Kunststück, selbst aus Themen wie Ü40-Sex, Trennungstherapie oder unerwünschten Nachrichten etwas zu machen, das nicht nur unterhält, sondern auch verbindet. Man lacht – und merkt plötzlich, dass man verstanden wurde.

„Mehr Allergien als Freunde“ ist deshalb weit mehr als ein Kurzgeschichtenband. Es ist ein Lebensgefühl. Ein augenzwinkernder Aufstand gegen Perfektion, gegen falsche Scham und gegen die leise Stimme im Kopf, die sagt, man müsse sich anpassen. Johanna Wack antwortet darauf mit einem klaren, lauten, funkelnden: „Nein.“

Und genau das macht dieses Buch so euphorisch: Es ist mutig, es ist wild, es ist herrlich unperfekt. Es lädt dazu ein, sich selbst nicht ganz so ernst zu nehmen – und dabei umso mehr zu genießen, was ist. Oder, um es mit dem Geist dieses Buches zu sagen: Wenn schon mehr Allergien als Freunde, dann wenigstens mit Stil, Witz und einem Lachen, das noch lange nachklingt.

  • Herausgeber ‏ : ‎ SATYR Verlag
  • Erscheinungstermin ‏ : ‎ 8. September 2025
  • Auflage ‏ : ‎ 1.
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Seitenzahl der Print-Ausgabe ‏ : ‎ 174 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3910775403
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3910775404
  • Abmessungen ‏ : ‎ 12.3 x 3 x 19.2 cm

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