
„Wir Freitagsmänner: Wer wird denn gleich alt werden?“ von Hans-Gerd Raeth ist ein Roman, der mit Witz, Charme und erstaunlicher Lebensklugheit mitten ins Herz der zweiten Lebenshälfte trifft. Dieses Buch ist keine trockene Betrachtung des Älterwerdens – es ist ein funkelndes, humorvolles Abenteuer über Männer, die feststellen, dass das Leben noch längst nicht vorbei ist, nur weil der Kalender plötzlich schneller zu blättern scheint. Ganz im Gegenteil: Genau jetzt beginnt vielleicht der spannendste Abschnitt überhaupt.
Im Mittelpunkt steht Henri, ein Mann in den besten Jahren – zumindest theoretisch. Praktisch sieht die Lage etwas anders aus. Seine Ehe liegt hinter ihm, eine Affäre ebenfalls, und das Leben fühlt sich an manchen Tagen eher wie ein müder Montagmorgen an als wie der verheißungsvolle Beginn eines neuen Kapitels. Als dann auch noch ein Date unverblümt feststellt, dass Henri deutlich älter aussieht als auf seinem brandneuen Profilfoto, wird ihm klar: Irgendetwas läuft hier gewaltig aus dem Ruder.
Doch damit nicht genug. Der Hausarzt setzt dem Ganzen die Krone auf, indem er Henri mit einer Diagnose überrascht, die er bisher nur aus Gesprächen über Frauen kannte: Wechseljahre. Ja, richtig gelesen. Männer können die nämlich auch haben. Und plötzlich steht Henri vor einer Frage, die ihn so sehr amüsiert wie irritiert: Was passiert eigentlich, wenn ein Mann merkt, dass die zweite Hälfte seines Lebens längst begonnen hat?
Der Roman spielt mit einer ebenso einfachen wie genialen Idee: Stell dir vor, das Leben dauert nur eine Woche. Die Kindheit ist der Montag, die Jugend der Dienstag, die wilden Jahre der Mittwoch – und irgendwann kommt der Freitag. Genau dort befindet sich Henri. Freitag bedeutet: Das Wochenende ist in Sicht, aber man weiß auch, dass die Woche nicht unendlich weitergeht. Es ist die Zeit, in der man Bilanz zieht, lacht, zweifelt, sich neu erfindet – und manchmal auch ein kleines Loch im Bart entdeckt.
Dieses berühmte „Loch im Bart“ wird zu einem herrlich absurden Symbol für alles, was plötzlich anders ist. Denn wenn man morgens in den Spiegel schaut und dort einen leicht müden Herrn mit Brille sieht, dessen Bart offenbar heimlich Testläufe für eine Halbglatze startet, dann stellt man sich zwangsläufig existenzielle Fragen. Warum macht der Körper solche Experimente? Und vor allem: Muss man das einfach hinnehmen – oder kann man darüber lachen?
Henri entscheidet sich für das Lachen. Und genau darin liegt die große Stärke dieses Romans. Hans-Gerd Raeth erzählt mit federleichtem Humor von den kleinen und großen Krisen eines Mannes, der merkt, dass er noch längst nicht bereit ist, aufs Abstellgleis zu rollen. Stattdessen beginnt eine wunderbar unterhaltsame Suche nach neuen Möglichkeiten, neuen Perspektiven und vielleicht sogar nach einer neuen Liebe.
Eine wichtige Rolle spielt dabei Emily, Henris Traumfrau – klug, selbstbewusst und ausgerechnet Coach. Sie könnte ihm vielleicht helfen, sein Leben wieder auf Kurs zu bringen. Doch es gibt ein kleines Problem: Privat steht Emily eher auf jüngere Männer. Für Henri klingt das zunächst wie eine weitere Niederlage. Aber wer sagt eigentlich, dass man im Freitag des Lebens nicht noch einmal alles auf den Kopf stellen kann?
So entwickelt sich eine Geschichte voller überraschender Begegnungen, ehrlicher Gespräche und komischer Situationen. Henri holt sich Rat bei Freunden, seiner Ex-Frau, seinem Arzt – und manchmal sogar bei seinem Hund. Denn wenn das Leben kompliziert wird, sind es oft die einfachsten Fragen, die zu den wichtigsten Antworten führen.
„Wir Freitagsmänner“ ist dabei weit mehr als nur eine humorvolle Männergeschichte. Es ist ein Roman über Selbstironie, Mut und die Kunst, das Älterwerden mit Würde – und vor allem mit Humor – zu nehmen. Raeth gelingt es, typische Klischees liebevoll aufzugreifen und gleichzeitig zu zeigen, dass Alter vor allem eine Frage der Haltung ist. Wer neugierig bleibt, wer bereit ist, noch einmal neu anzufangen, für den kann der Freitag der beste Tag der Woche werden.
Kein Wunder also, dass das Buch begeisterte Leserinnen und Leser findet und sogar von Christoph-Maria Herbst mit den Worten gelobt wurde, „nie wurde die zweite Lebenshälfte köstlicher beschrieben.“ Genau das trifft den Kern: Dieser Roman bringt zum Lachen, zum Wiedererkennen und manchmal auch zum Nachdenken.
Am Ende bleibt eine wunderbare Botschaft: Das Leben verändert sich – ständig. Aber wer darüber lachen kann, hat immer noch die besten Karten. Und vielleicht ist Freitag ja gar nicht das Ende der Woche, sondern der Beginn eines großartigen Wochenendes.
- Herausgeber : dtv Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG
- Erscheinungstermin : 26. Februar 2026
- Auflage : 1.
- Sprache : Deutsch
- Seitenzahl der Print-Ausgabe : 288 Seiten
- ISBN-10 : 3423285451
- ISBN-13 : 978-3423285452
- Abmessungen : 12.8 x 2.8 x 21 cm
- 23 Euro
