
Ohne Witz: Sanditz von Lukas Rietzschel ist so ein Buch, das sich anfühlt wie ein riesiges Puzzle aus Leben – und am Ende ergibt alles ein ziemlich beeindruckendes Gesamtbild.
Du landest in Sanditz, so einer typischen Kleinstadt irgendwo „am Rand“, wo man erstmal denkt: Da passiert doch nix. Aber genau da liegt der Trick. Rietzschel zeigt dir, dass gerade in solchen Orten alles steckt – Geschichte, Drama, Hoffnung, Chaos, komplette Lebensläufe. Und zwar nicht nur von einer Person, sondern von richtig vielen.
Das Buch springt nämlich zwischen ganz unterschiedlichen Leuten hin und her: alte DDR-Offiziere, Leute, die damals aufbegehrt haben, irgendwelche Eigenbrötler mit schrägen Hobbys, Familien, die versuchen klarzukommen, junge Leute, die ihren Platz suchen. Und mittendrin immer wieder die Familie Wenzel, die so ein bisschen als roter Faden dient.
Was richtig reinhaut: Diese Zeitspanne. Du gehst vom Ende der DDR bis in die Gegenwart – und merkst dabei, wie krass sich alles verändert hat. Da sind Momente von Aufbruch, wo alles möglich scheint, und dann wieder Phasen, wo Leute hängen bleiben, enttäuscht sind oder einfach nicht wissen, wohin mit sich.
Das Ganze ist aber nicht trocken oder wie so ein Geschichtsbuch erzählt. Es fühlt sich eher an wie Geschichten, die man irgendwo aufschnappt – mal leise, mal intensiv, mal richtig bewegend. Du kriegst so viele Perspektiven, dass du irgendwann denkst: „Okay, das ist nicht nur Sanditz – das ist irgendwie überall.“
Besonders stark ist, wie das Buch große Themen runterbricht auf ganz persönliche Leben. Also sowas wie Politik, Umbrüche oder Krisen passiert nicht irgendwo abstrakt, sondern direkt bei den Leuten – in Beziehungen, Familien, Freundschaften. Da geht’s um Jobs, die wegfallen, um Träume, die nicht klappen, aber auch um neue Chancen und kleine Siege.
Und dann diese Mischung aus warm und schonungslos: Das Buch hat echt Herz, aber es beschönigt nichts. Es zeigt, wie Leute scheitern, wie sie sich verrennen, aber auch, wie sie sich irgendwie wieder aufrappeln. Dieses „trotzdem weitermachen“ zieht sich total durch.
Sprachlich ist das Ganze ziemlich angenehm zu lesen – nicht übertrieben kompliziert, aber trotzdem mit genug Tiefe, dass du immer wieder hängen bleibst und nachdenkst. Es hat so einen ruhigen Flow, der dich Stück für Stück tiefer reinzieht.
Am Ende hast du nicht nur eine Story gelesen, sondern gefühlt ein ganzes Stück deutscher Gegenwart erlebt. Mit all den Widersprüchen, Brüchen und Fragen, die dazugehören. Und genau das macht das Buch so stark: Es ist groß, ohne abgehoben zu sein, und persönlich, ohne klein zu wirken.
Kurz gesagt: Wenn du Bock hast auf einen Roman, der viele Leben verbindet und dir zeigt, wie sich Geschichte im Alltag anfühlt, dann ist das hier genau dein Ding. Kein schneller Snack, sondern eher so ein richtig gutes, vielschichtiges Gericht, an dem du länger was hast.
- Herausgeber : dtv Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG
- Erscheinungstermin : 12. März 2026
- Auflage : 2.
- Sprache : Deutsch
- Seitenzahl der Print-Ausgabe : 480 Seiten
- ISBN-10 : 3423285168
- ISBN-13 : 978-3423285162
- Abmessungen : 12.8 x 3.6 x 21 cm
