/ September 15, 2026/ Buch

Ein Medusa-Retelling, das deutlich dunkler daherkommt, als es der schöne Titel zunächst vermuten lässt. „Serpentine Valentine“ von Giana Darling ist definitiv kein Buch für zwischendurch, das man einfach entspannt wegliest. Die Geschichte ist intensiv, teilweise brutal und emotional ziemlich fordernd – gleichzeitig hat sie etwas, das mich beim Lesen immer wieder gepackt hat.

Was mir besonders gut gefallen hat, ist die ungewöhnliche Verbindung aus Dark Romance, Dark Academia, feministischer Thematik und queerer Liebesgeschichte. Diese Mischung klingt auf den ersten Blick vielleicht etwas wild, funktioniert hier aber erstaunlich gut. Dazu kommt das Medusa-Retelling, das der Geschichte noch einmal eine ganz eigene Ebene gibt. Die bekannte mythologische Figur wird nicht einfach nacherzählt, sondern bekommt einen modernen, düsteren und durchaus provokanten neuen Rahmen.

Lex ist eine Hauptfigur, die man nicht unbedingt von der ersten Seite an als klassische Sympathieträgerin einordnen kann. Und genau das fand ich interessant. Sie ist verletzt, wütend und von ihrem Wunsch nach Vergeltung getrieben. Nach dem, was ihr widerfahren ist, kann man ihre Wut sehr gut nachvollziehen. Gleichzeitig geht sie Wege, bei denen man als Leser durchaus ins Grübeln kommt. Wie weit darf Rache gehen? Wann wird aus Gerechtigkeit Vergeltung? Und kann man selbst noch zwischen richtig und falsch unterscheiden, wenn man so tief verletzt wurde?

Diese moralischen Fragen haben für mich einen großen Teil des Reizes ausgemacht. Lex ist keine glattpolierte Heldin, sondern eine moralisch ambivalente Figur. Sie macht Fehler, trifft schwierige Entscheidungen und handelt teilweise sehr kompromisslos. Gerade dadurch wirkt sie für mich interessanter und glaubwürdiger als eine Figur, die immer genau das Richtige tut.

Sehr spannend fand ich auch die Beziehung zwischen Lex und Luna. Eigentlich stehen die Voraussetzungen für die beiden alles andere als gut. Ausgerechnet Luna, die Tochter der Universitätspräsidentin, wird für Lex zu einem wichtigen Teil ihrer Geschichte. Zwischen ihnen entwickelt sich eine Anziehung, die nicht einfach nur romantisch und süß ist. Da sind Verletzungen, Misstrauen, unterschiedliche Interessen und jede Menge unausgesprochene Gefühle im Spiel.

Und trotzdem gibt es diese Momente von Zärtlichkeit und Nähe, die einen schönen Kontrast zur ansonsten sehr düsteren Handlung bilden. Für mich war gerade dieses Wechselspiel interessant: Auf der einen Seite Rache, Gewalt und Wut, auf der anderen Seite eine Liebesgeschichte, die zeigt, dass selbst in einer ziemlich kaputten Welt noch Nähe und Vertrauen entstehen können.

Die Dark-Academia-Atmosphäre passt meiner Meinung nach hervorragend zur Geschichte. Die Universität wird nicht einfach nur zum Schauplatz, sondern vermittelt dieses Gefühl von Geheimnissen, Macht, Abhängigkeiten und einer Fassade, hinter der vieles ganz anders aussieht. Dadurch bekommt die Geschichte eine bedrückende Stimmung, die sich beim Lesen immer wieder bemerkbar macht.

Natürlich muss man sich darauf einstellen, dass das Buch sehr schwere Themen behandelt. Sexualisierte Gewalt, Vergewaltigung, psychische Belastungen und Trauer werden nicht ausgespart. Das ist definitiv nichts, was man lesen sollte, wenn man gerade eine leichte und unkomplizierte Liebesgeschichte sucht. Die Geschichte verlangt dem Leser emotional einiges ab und beschäftigt einen teilweise auch nach dem Lesen noch.

Trotz der dunklen Themen empfand ich das Buch aber nicht als reine Aneinanderreihung von Schockmomenten. Für mich steckt dahinter vielmehr die Frage, was Menschen aus Verletzungen machen. Wird man selbst zu dem Monster, als das andere einen sehen? Oder kann man sich trotz allem einen Teil von sich selbst bewahren?

Genau hier funktioniert für mich auch die Verbindung zu Medusa besonders gut. Die Idee, dass man nicht als Monster geboren wird, sondern durch das, was einem widerfährt, zu einem gemacht werden kann, zieht sich sehr passend durch die Geschichte. Das verleiht dem Retelling mehr Tiefe, als ich zunächst erwartet hatte.

Auch optisch macht die Ausgabe einiges her. Der Farbschnitt und das exklusive Lesezeichen der ersten Auflage sind für mich schöne Extras und passen sehr gut zu einem Buch, das schon vom Titel und der Gestaltung her auffällt. Gerade bei einer solchen Dark-Romance-Ausgabe gehört für mich die besondere Ausstattung einfach dazu.

Mein persönlicher Eindruck ist deshalb sehr positiv. „Serpentine Valentine“ ist düster, emotional, stellenweise verstörend und definitiv nicht für jeden Geschmack geeignet. Aber gerade diese Konsequenz hat mir gefallen. Das Buch traut sich, schwierige Themen anzusprechen und seine Figuren nicht in einfache Schwarz-Weiß-Schubladen zu stecken.

Mein Fazit: Wer Dark Romance mit einer außergewöhnlichen Handlung sucht und Lust auf eine Mischung aus Medusa-Retelling, Dark Academia, Rache, Forbidden Love und queerer Romance hat, sollte sich dieses Buch näher anschauen. Lex und Luna sind dabei ein ungewöhnliches Paar, deren Geschichte nicht nur romantisch, sondern auch schmerzhaft und moralisch ziemlich komplex ist.

Für mich ist „Serpentine Valentine“ vor allem eines: eine ungewöhnliche, sehr dunkle Liebesgeschichte, bei der die Frage nach Gerechtigkeit, Rache und Selbstbestimmung mindestens genauso wichtig ist wie die Romance selbst. Eine Geschichte, die definitiv im Kopf bleibt.

  • Herausgeber ‏ : ‎ Loewe
  • Erscheinungstermin ‏ : ‎ 13. August 2026
  • Auflage ‏ : ‎ 1.
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Seitenzahl der Print-Ausgabe ‏ : ‎ 368 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3743224836
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3743224834
  • Lesealter ‏ : ‎ Ab 18 Jahren
  • Originaltitel ‏ : ‎ Serpentine Valentine
  • Abmessungen ‏ : ‎ 13.5 x 2.8 x 21 cm

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