Ich liebe Krimis, bei denen nicht nur der Fall selbst spannend ist, sondern auch der Schauplatz eine ganz eigene Rolle spielt. Genau das ist bei „Glühender Neid in St. Peter-Ording“ von Stefanie Schreiber der Fall. St. Peter-Ording verbindet man eigentlich mit Nordseeluft, Strand, Urlaub und Erholung – umso wirkungsvoller ist der Kontrast, wenn ausgerechnet an diesem Sehnsuchtsort ein brutaler Mord geschieht.
Für mich ist dieser 20. Fall von Torge Trulsen und Charlotte Wiesinger ein sehr gelungener Küstenkrimi, der Spannung und Atmosphäre wunderbar miteinander verbindet. Man merkt schnell, dass hier nicht einfach nur ein Mordfall abgearbeitet wird. Hinter dem Verbrechen stecken menschliche Konflikte, verletzte Gefühle, Neid, Zurückweisung und jede Menge Abgründe, die sich nach und nach auftun.
Der Fall beginnt mit einem Schock: Marlu Mertens findet ihre Schwester Fenya Oppermann erstochen vor. Eigentlich sollte es ein entspannter gemeinsamer Abend werden – stattdessen beginnt für die Ermittler die Suche nach einem Täter und vor allem nach einem Motiv.
Fenya war eine erfolgreiche und selbstbewusste Eventmanagerin, die ihre Karriere konsequent verfolgt hat. Doch Erfolg hat offenbar auch seine Schattenseiten. Sie wurde mit Hass im Internet, sexuellen Übergriffen und Stalking konfrontiert. Je mehr man über ihr Leben erfährt, desto stärker stellt sich die Frage, wer tatsächlich hinter den Angriffen steckt und wie weit die Konflikte gegangen sind.
Genau diese Mischung hat mir besonders gut gefallen. Der Kriminalfall bleibt nicht oberflächlich, sondern beschäftigt sich auch mit Themen, die leider erschreckend realistisch wirken. Neid und Missgunst können sich heutzutage gerade im Internet schnell zu etwas Bedrohlichem entwickeln. Was zunächst vielleicht nur wie eine böse Bemerkung oder ein persönlicher Konflikt wirkt, kann sich immer weiter zuspitzen.
Sehr angenehm finde ich auch die Entwicklung der Ermittler. Torge Trulsen und Charlotte Wiesinger sind für mich inzwischen ein Ermittlerduo, bei dem man gerne wieder dabei ist. Besonders Torge bekommt in diesem Fall eine interessante Rolle. Er darf Knud erneut bei Befragungen begleiten und hat zudem einen persönlichen Bezug zu Marlu, da er ihr im Zusammenhang mit einer geplanten Veranstaltung in der Weißen Düne begegnet ist.
Dadurch wirkt seine Beteiligung an den Ermittlungen nicht einfach zufällig. Man hat das Gefühl, dass ihm die Aufklärung dieses Falles tatsächlich persönlich wichtig ist. Genau solche kleinen Verbindungen machen einen Regionalkrimi für mich besonders lesenswert.
Was Stefanie Schreiber ebenfalls sehr gut gelingt, ist die Atmosphäre von St. Peter-Ording. Der Schauplatz wird nicht einfach nur als austauschbare Kulisse benutzt. Die Nordsee, die Küstenlandschaft und das besondere Flair des beliebten Urlaubsortes bilden einen interessanten Gegensatz zu dem düsteren Verbrechen. Gerade diese Kombination aus Urlaubsidylle und Mord sorgt für eine besondere Spannung.
Ich hatte beim Lesen immer wieder das Gefühl, gedanklich selbst an der Küste unterwegs zu sein – nur dass die entspannte Urlaubsstimmung immer wieder von neuen Verdächtigungen und Fragen durchbrochen wird. Genau das macht den Reiz eines guten Nordsee-Krimis aus.
Besonders gelungen finde ich, dass man als Leser immer wieder versucht, selbst hinter die Fassade der Figuren zu schauen. Wer hatte ein Motiv? Wer sagt die Wahrheit? Welche Beziehung zwischen den Beteiligten wurde bisher unterschätzt? Und welche Hinweise sind tatsächlich wichtig? Die Geschichte lädt dadurch schön zum Miträtseln ein, ohne dass die Spannung verloren geht.
„Glühender Neid in St. Peter-Ording“ ist für mich deshalb eine gelungene Mischung aus klassischem Mordfall, atmosphärischem Nordseekrimi und menschlichem Drama. Wer Regionalkrimis liebt und gerne ermittelt, während man gleichzeitig etwas über die Figuren und ihren persönlichen Hintergrund erfährt, wird hier sicherlich auf seine Kosten kommen.
Mein Fazit fällt eindeutig positiv aus: Ein spannender 20. Fall für Torge Trulsen und Charlotte Wiesinger, der zeigt, dass selbst an einem der schönsten Sehnsuchtsorte Deutschlands dunkle Geheimnisse lauern können. Stefanie Schreiber verbindet die besondere Atmosphäre von St. Peter-Ording mit einem Fall, bei dem Neid, Zurückweisung, Stalking und verletzte Gefühle eine gefährliche Mischung ergeben.
Für mich ein Krimi, den ich besonders allen empfehlen würde, die Nordsee-Krimis, Küstenkrimis und regionale Kriminalromane mögen und dabei Wert auf interessante Figuren und eine glaubwürdige Handlung legen.
Spannend, atmosphärisch und mit einem Schauplatz, an den man sich beim Lesen wunderbar hineinversetzen kann – für mich eine klare Empfehlung!
- Herausgeber : Kampenwand Verlag (Nova MD)
- Erscheinungstermin : 4. September 2026
- Auflage : 1.
- Sprache : Deutsch
- Seitenzahl der Print-Ausgabe : 300 Seiten
- ISBN-10 : 3986602852
- ISBN-13 : 978-3986602857
- Abmessungen : 20.5 x 13.5 x 2 cm
