/ September 8, 2026/ Buch

„Die innere Oma“ – ein Buch, das mich auf eine ganz besondere Art zum Nachdenken gebracht hat

Es gibt Ratgeber, die einem erklären wollen, wie man sein Leben noch besser, erfolgreicher und effizienter gestalten kann. Und dann gibt es Bücher, die genau das Gegenteil tun. Bücher, die einem irgendwann ganz leise sagen: Du musst nicht immer noch mehr schaffen. Du darfst auch einfach einmal loslassen.

Genau dieses Gefühl hatte ich beim Lesen von „Die innere Oma“ von Franca Cerutti. Schon die Idee hinter dem Buch hat mich neugierig gemacht. Eine 90-jährige Version von mir selbst, die mir mit Ruhe, Lebenserfahrung und einem liebevollen Blick auf mein heutiges Leben schaut – was würde sie mir wohl sagen?

Je länger ich gelesen habe, desto mehr mochte ich diesen Gedanken.

Denn die „innere Oma“ ist für mich keine kitschige Fantasiefigur, sondern ein erstaunlich hilfreiches Bild für eine innere Haltung, die uns im hektischen Alltag viel zu oft fehlt: Gelassenheit, Weitblick, Selbstmitgefühl und die Fähigkeit, Wichtiges von Unwichtigem zu unterscheiden.

Wir sind so häufig damit beschäftigt, alles richtig zu machen. Wir vergleichen uns mit anderen, machen uns Vorwürfe, wollen Erwartungen erfüllen und versuchen, möglichst viele Dinge gleichzeitig unter einen Hut zu bekommen. Und selbst wenn wir eigentlich schon längst erschöpft sind, kommt häufig noch der Gedanke dazu: „Ich müsste eigentlich noch mehr schaffen.“

Genau hier setzt Franca Cerutti an – und das auf eine angenehm menschliche Art.

Besonders gut gefallen hat mir, dass die Autorin nicht einfach behauptet, man müsse nur positiv denken und schon sei das Leben entspannter. Stattdessen verbindet sie psychologisch fundierte Gedanken mit praktischen Impulsen und einer Sprache, die verständlich bleibt. Das Buch wirkt dadurch weder trocken noch belehrend.

Die innere Oma würde wahrscheinlich nicht sagen: „Streng dich noch mehr an!“ Ganz im Gegenteil. Sie würde vermutlich erst einmal ruhig schauen und fragen: „Muss das wirklich sein?“

Und genau diese Frage fand ich beim Lesen unglaublich wertvoll.

Muss ich wirklich jedem gefallen? Muss alles perfekt sein? Muss ich mich ständig mit anderen vergleichen? Muss ich für alles und jeden Verantwortung übernehmen? Muss ich mich schuldig fühlen, wenn ich auch einmal an mich selbst denke?

Die Vorstellung, eine wirklich weise und liebevolle ältere Version meiner selbst würde mir diese Fragen stellen, hat bei mir etwas ausgelöst. Denn mit zunehmender Lebenserfahrung verändert sich schließlich der Blick auf viele Dinge. Was heute riesig und unlösbar erscheint, kann aus einer größeren Perspektive plötzlich viel kleiner wirken.

„Die innere Oma“ hilft dabei, genau diese Perspektive einzunehmen.

Was ich besonders schön finde: Das Konzept ergänzt das bekannte Bild vom „inneren Kind“. Während wir beim inneren Kind häufig zurückblicken und verstehen wollen, was uns geprägt oder verletzt hat, richtet sich die innere Oma nach vorne. Sie fragt nicht nur: „Woher kommt das?“, sondern auch: „Was ist für dein zukünftiges Leben wirklich wichtig?“

Diese Veränderung des Blickwinkels empfand ich als unglaublich wohltuend.

Das Buch hat mich an mehreren Stellen tatsächlich dabei erwischt, wie ich über meinen eigenen Alltag nachgedacht habe. Über Perfektionismus, über unnötige Schuldgefühle, über den Druck, Erwartungen erfüllen zu müssen, und über die vielen kleinen Dinge, denen wir manchmal viel zu viel Bedeutung geben.

Und vielleicht ist das die schönste Botschaft dieses Buches: Unser Leben ist kein Projekt, das wir bis ins letzte Detail optimieren müssen.

Wir dürfen Fehler machen. Wir dürfen Nein sagen. Wir dürfen Dinge loslassen. Wir müssen nicht jeden Menschen retten und nicht jede Aufgabe übernehmen. Und wir dürfen uns selbst mit derselben Wärme begegnen, die wir einem Menschen entgegenbringen würden, den wir von Herzen lieben.

Franca Cerutti gelingt es dabei, Psychologie mit einer großen Portion Menschlichkeit zu verbinden. Das Buch ist klug, ohne kompliziert zu werden, und warmherzig, ohne ins Kitschige abzurutschen.

„Die innere Oma“ ist für mich deshalb ein Ratgeber, den man nicht einfach nur liest, sondern immer wieder zur Hand nehmen kann. Gerade dann, wenn das eigene Gedankenkarussell wieder einmal schneller läuft als nötig.

Es ist ein Buch über Gelassenheit, Selbstfürsorge, persönliche Entwicklung und darüber, wie wir lernen können, freundlicher mit uns selbst umzugehen.

Mein persönlicher Lieblingsgedanke bleibt dabei die Vorstellung, dass irgendwo in mir bereits eine weisere Version meiner selbst existiert. Eine, die nicht hektisch wird, nicht alles perfekt machen muss und vielleicht manchmal einfach nur sagt:

Lass es. Das ist es nicht wert. Du hast ein Leben zu leben.

Und genau deshalb hat mich dieses Buch so berührt. Es gibt einem nicht das Gefühl, noch besser funktionieren zu müssen. Es erinnert einen vielmehr daran, wieder mehr zu leben.

Für mich eine wundervolle, lebensnahe und wohltuende Lektüre – besonders für alle, die sich nach etwas mehr innerer Ruhe, Gelassenheit und Selbstvertrauen sehnen.

  • Herausgeber ‏ : ‎ Piper Paperback
  • Erscheinungstermin ‏ : ‎ 4. September 2026
  • Auflage ‏ : ‎ 1.
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Seitenzahl der Print-Ausgabe ‏ : ‎ 272 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3492067883
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3492067881
  • Abmessungen ‏ : ‎ 13.6 x 2.25 x 20.5 cm

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