
Berufung: Eine neue Sicht für unsere Arbeit – wenn Arbeit mehr sein darf als nur ein Job
Ich habe mir auch schon oft Gedanken gemacht – warum mache ich eigentlich genau diese Arbeit? Was gibt mir mein Beruf zurück, außer dem monatlichen Gehalt? Und wann fühlt sich Arbeit wirklich sinnvoll an? Genau deshalb kam „Berufung: Eine neue Sicht für unsere Arbeit – Ein Ratgeber zur Arbeitsethik, um den Beruf als Berufung zu leben“ von Timothy Keller und Katherine Leary Alsdorf für mich zur richtigen Zeit.
Ich glaube, diese Fragen kennen ziemlich viele Menschen. Man steht morgens auf, fährt zur Arbeit, erledigt seine Aufgaben, kommt nach Hause und fragt sich irgendwann: War das jetzt alles? Natürlich brauchen wir unseren Beruf, um unseren Lebensunterhalt zu verdienen. Aber Arbeit kann eben auch viel mehr sein. Sie kann uns fordern, erfüllen, manchmal nerven, uns stolz machen oder uns an unsere Grenzen bringen. Genau an diesem Punkt setzt das Buch an und lädt dazu ein, den eigenen Blick auf Arbeit einmal komplett zu verändern.
Besonders gut gefällt mir, dass Timothy Keller nicht einfach mit erhobenem Zeigefinger erklärt, wie ein „guter Arbeitnehmer“ zu sein hat. Stattdessen stellt er Fragen, die mitten ins Berufsleben treffen: Warum mache ich diese Arbeit überhaupt? Warum fällt mir mein Beruf manchmal so schwer? Was könnte ich verändern? Und wie kann ich meinen persönlichen Werten auch im Arbeitsalltag treu bleiben?
Das klingt zunächst vielleicht nach großen philosophischen Fragen, wird aber erstaunlich lebensnah behandelt. Denn vermutlich hat fast jeder schon einmal erlebt, dass der eigene Beruf nicht nur aus schönen Momenten besteht. Es gibt Stress, nervige Kollegen, schwierige Vorgesetzte, Routine, Zeitdruck und Aufgaben, bei denen man sich fragt, welchen Sinn das Ganze eigentlich hat. Gleichzeitig gibt es aber auch diese Momente, in denen man merkt: Genau dafür mache ich das. Genau hier kann ich etwas bewegen.
Keller betrachtet Arbeit aus einer christlichen Perspektive und greift dafür immer wieder auf biblische Gedanken zurück. Dabei geht es nicht nur darum, als Christ am Arbeitsplatz möglichst sichtbar seinen Glauben zu zeigen. Viel interessanter finde ich die grundsätzliche Idee, dass Arbeit selbst einen Wert besitzt und Teil unserer menschlichen Würde sein kann.
Arbeit wird hier nicht als notwendiges Übel verstanden, sondern als Möglichkeit, Fähigkeiten einzusetzen, kreativ zu sein, Verantwortung zu übernehmen und anderen Menschen zu dienen. Ob man nun mit den Händen arbeitet, am Schreibtisch sitzt, Menschen betreut, Dinge organisiert oder etwas Neues entwickelt – jede Tätigkeit kann einen Sinn bekommen, wenn man sich bewusst macht, welchen Beitrag sie leistet.
Gerade dieser Gedanke hat mir gefallen. Denn manchmal braucht es vielleicht gar keinen komplett neuen Job, sondern einen neuen Blick auf den bestehenden Beruf. Vielleicht verändert sich dadurch schon einiges. Natürlich kann ein Buch nicht jede schwierige Arbeitssituation lösen. Aber es kann dabei helfen, herauszufinden, was einem wirklich wichtig ist und wo man vielleicht selbst etwas verändern kann.
Sehr angenehm finde ich auch die Themen Integrität, Disziplin, Kreativität und Leidenschaft. Das sind keine Schlagworte, die nur in Motivationsseminaren gut klingen, sondern Eigenschaften, die im Berufsalltag tatsächlich einen Unterschied machen können. Wie gehe ich mit Kollegen um? Wie verhalte ich mich, wenn niemand hinschaut? Was mache ich, wenn meine persönlichen Werte mit den Erwartungen am Arbeitsplatz kollidieren? Und wie kann ich gute Arbeit leisten, ohne mich selbst dabei völlig aufzureiben?
Das Buch regt dazu an, genau über solche Fragen nachzudenken. Und manchmal sind es gerade die unbequemen Fragen, die einen weiterbringen.
Besonders schön finde ich deshalb den Gedanken, dass Berufung nicht zwangsläufig bedeutet, einen einzigen großen Lebenszweck zu finden. Vielmehr kann Berufung auch darin liegen, das, was man gerade tut, mit Sinn, Verantwortung und Leidenschaft zu tun. Das nimmt für mich ein bisschen den Druck heraus. Nicht jeder muss seinen absoluten Traumberuf gefunden haben. Trotzdem kann die eigene Arbeit wertvoll und sinnvoll sein.
Natürlich richtet sich das Buch in erster Linie an Menschen, die mit der christlichen Sicht auf Arbeit und Berufung etwas anfangen können. Wer mit religiösen Gedanken gar nichts anfangen kann, wird wahrscheinlich nicht mit jedem Abschnitt etwas anfangen können. Trotzdem finde ich viele Fragen und Denkanstöße erstaunlich universell.
„Berufung“ ist für mich deshalb kein klassischer Karriereratgeber, bei dem es darum geht, möglichst schnell die nächste Stufe auf der Karriereleiter zu erreichen. Es geht um etwas Grundsätzlicheres: Wie möchte ich arbeiten? Wofür möchte ich stehen? Und wie kann mein Beruf zu meinem Leben und meinen Werten passen?
Mein Fazit: Ein nachdenkliches, ermutigendes und erstaunlich lebensnahes Buch über den Sinn von Arbeit. Es hat mich dazu gebracht, den eigenen Berufsalltag nicht nur unter dem Gesichtspunkt von Gehalt, Arbeitszeit und Pflichten zu betrachten, sondern auch nach dem „Warum“ zu fragen.
Wer sich gerade beruflich neu orientiert, mit seiner Arbeit hadert oder einfach das Gefühl hat, dass im Berufsleben mehr stecken müsste, findet hier viele interessante Impulse. Für mich kam „Berufung: Eine neue Sicht für unsere Arbeit“ tatsächlich zur richtigen Zeit – denn manchmal muss man nicht sofort alles verändern. Manchmal muss man zuerst verstehen, warum man tut, was man tut.
- Herausgeber : Brunnen Verlag GmbH
- Erscheinungstermin : 29. Juni 2026
- Auflage : 2.
- Sprache : Deutsch
- Seitenzahl der Print-Ausgabe : 288 Seiten
- ISBN-10 : 3765533718
- ISBN-13 : 978-3765533716
- Abmessungen : 12 x 2.1 x 18.6 cm
