/ September 28, 2026/ Buch

Deutsch kann ganz schön verrückt sein. Das merkt man spätestens dann, wenn man sich einmal genauer mit unserer Sprache beschäftigt. Genau deshalb hat mich „Das große Buch der deutschen Sprache“ von Andrea Weller-Essers und Marmota Maps so begeistert. Ich hatte zunächst ein informatives Sachbuch über Grammatik, Rechtschreibung und Sprachgeschichte erwartet. Bekommen habe ich aber etwas ganz anderes: ein unglaublich abwechslungsreiches, unterhaltsames und visuell beeindruckendes Buch, in dem man sich regelrecht verlieren kann.

Was mir sofort gefallen hat, ist die Idee, die deutsche Sprache einmal nicht nur über Texte und Erklärungen zu betrachten, sondern sie in über 1000 Infografiken und Illustrationen sichtbar zu machen. Und das funktioniert erstaunlich gut. Schon beim Durchblättern bleibt man immer wieder an einer Grafik hängen, liest noch eine Erklärung dazu und denkt plötzlich: „Das wusste ich tatsächlich noch nicht!“ Genau diese kleinen Aha-Momente machen das Buch für mich so besonders.

Denn Deutsch ist eben viel mehr als Satzbau, Rechtschreibung und die Frage, ob nun ein Komma gesetzt werden muss oder nicht. Sprache erzählt unglaublich viel über unsere Geschichte, unsere Gesellschaft und sogar darüber, wie wir die Welt wahrnehmen. Genau diesen Facettenreichtum zeigt das Buch auf sehr unterhaltsame Weise.

Besonders spannend fand ich die vielen Kuriositäten der deutschen Sprache. Bandwörter, ungewöhnliche Begriffe, eigentümliche Redewendungen und sprachliche Besonderheiten sorgen immer wieder für Überraschungen. Gerade bei Redewendungen merkt man schnell, wie schräg unsere Sprache eigentlich sein kann. Wir verwenden bestimmte Formulierungen völlig selbstverständlich, ohne uns jemals zu fragen, woher sie eigentlich kommen oder warum wir ausgerechnet diese Wörter benutzen.

Auch die Geschichte der deutschen Sprache und der Rechtschreibung kommt nicht zu kurz. Wann wurde Rechtschreibung eigentlich erfunden? Wie hat sich unsere Sprache im Laufe der Zeit verändert? Welche Einflüsse haben andere Sprachen hinterlassen? Und welche sprachlichen Entwicklungen spiegeln gesellschaftliche Veränderungen wider? Das Buch liefert auf solche Fragen interessante Antworten, ohne dabei wie ein trockenes Lehrbuch zu wirken.

Sehr interessant fand ich außerdem den Blick auf die Sprachpolitik und auf die Frage, welchen Einfluss Sprache auf unser Denken und Handeln haben kann. Damit geht das Buch über reine Sprachkuriositäten hinaus. Plötzlich wird aus einem vermeintlich einfachen Wort ein kleines Fenster in gesellschaftliche Zusammenhänge. Genau solche Themen haben bei mir dafür gesorgt, dass ich immer wieder weiterblättern wollte.

Und dann sind da natürlich die Grafiken, Karten und Illustrationen von Marmota Maps. Für mich sind sie ein ganz wichtiger Bestandteil des Buches. Die Informationen werden dadurch nicht einfach nur erklärt, sondern so aufbereitet, dass man sie schnell erfassen und miteinander vergleichen kann. Gerade komplexere Zusammenhänge wirken dadurch wesentlich zugänglicher. Man kann das Buch konzentriert lesen, aber genauso gut einfach aufschlagen und sich treiben lassen.

Ich mag Bücher, die Wissen vermitteln und trotzdem nicht das Gefühl geben, man müsse sich durch trockene Fakten kämpfen. „Das große Buch der deutschen Sprache“ schafft genau diese Mischung. Es ist informativ, aber gleichzeitig locker, überraschend und stellenweise richtig unterhaltsam. Man kann eine Seite lesen, das Buch anschließend zur Seite legen und trotzdem später wieder zurückkommen, weil einem irgendeine Grafik oder eine interessante Information im Kopf geblieben ist.

Für mich ist es deshalb auch kein Buch, das nach einmaligem Lesen erledigt ist. Im Gegenteil: Es eignet sich wunderbar zum Stöbern, Nachschlagen und gemeinsamen Entdecken. Gerade Familien, Sprachinteressierte, Schüler, Lehrer oder Menschen, die einfach Spaß an ungewöhnlichen Fakten haben, können hier viel entdecken. Aber auch wer sich eigentlich gar nicht als großer Sprachfan bezeichnet, dürfte überrascht sein, wie viel Interessantes sich zwischen Wörtern, Lauten, Redewendungen und Buchstaben versteckt.

Mein persönlicher Eindruck: „Das große Buch der deutschen Sprache“ macht aus Sprache ein echtes Erlebnis. Es zeigt Deutsch nicht als starres Regelwerk, sondern als etwas Lebendiges, Wandelbares und manchmal herrlich Skurriles. Genau das hat mir gefallen. Nach der Lektüre betrachtet man manche Wörter und Redewendungen plötzlich mit ganz anderen Augen.

Ein wirklich gelungenes Sach- und Wissensbuch über die deutsche Sprache, das Fakten, Sprachgeschichte, Kuriositäten, Infografiken und überraschende Erkenntnisse wunderbar miteinander verbindet. Für mich definitiv ein Buch, bei dem man beim Durchblättern ständig etwas Neues entdeckt – und bei dem der Satz „Das ist doch interessant!“ wahrscheinlich häufiger fällt, als man zunächst denkt.

  • Herausgeber ‏ : ‎ Duden
  • Erscheinungstermin ‏ : ‎ 14. September 2026
  • Auflage ‏ : ‎ 1.
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Seitenzahl der Print-Ausgabe ‏ : ‎ 304 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3411750006
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3411750009
  • Abmessungen ‏ : ‎ 21 x 2.8 x 27 cm

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