/ März 24, 2026/ Buch, Romane

„Die letzte Favoritin“ von Klaus Bädekerl ist echt so ein Buch, bei dem du erstmal denkst: „Okay… was geht denn hier ab?“ – und dann bleibst du trotzdem dran, weil es irgendwie total eigen, schräg und gleichzeitig auch überraschend ehrlich ist.

Im Mittelpunkt steht ein alter Mann, der gerade richtig Stress mit seiner Tochter hat. Die will ihn nämlich entmündigen lassen – also quasi bestimmen, dass er nicht mehr selbst über sein Leben entscheiden darf. Ziemlich harter Einstieg. Und genau in dieser Situation sitzt er da und erzählt einem Gutachter sein ganzes Leben. Und zwar ungefiltert. Wirklich ungefiltert.

Und das ist auch das Ding bei dem Buch: Der Typ hält nix zurück. Der nimmt dich mit zurück in seine Jugend in den Fünfzigern, wo alles noch viel verklemmter war. Und du merkst schnell, worum es ihm geht – um seine Sicht auf Frauen, auf Sexualität, auf seine Wünsche. Anfangs total „harmlos“ im Kontext der Zeit: Aktbilder in Kunstbüchern der Eltern. Dann geht’s weiter mit Versandhauskatalogen, Illustrierten, später Herrenmagazine… und irgendwann landet er halt in der Welt von Pornos.

Das klingt erstmal plump, aber eigentlich zeigt das ziemlich gut, wie sich Medien, Gesellschaft und auch männliche Fantasien über die Jahrzehnte verändern. Und auch, wie sehr er selbst davon geprägt wird. Er reflektiert das nicht immer mega kritisch – und genau das macht es interessant. Du sitzt da und denkst dir manchmal: „Alter… echt jetzt?“ Aber genau dadurch wirkt es halt authentisch.

Neben dieser sehr persönlichen (und teilweise echt unangenehmen) Ebene gibt’s aber auch die Story von seinem Aufstieg. Er ist nämlich kein Idiot – ganz im Gegenteil. Mathe-Student, ziemlich clever, aber auch ein bisschen eigen. Es knallt mit seinem Doktorvater, weil er bei seiner Arbeit schon Computer einsetzt – was damals halt noch gar nicht so gern gesehen wurde. Statt sich anzupassen, sagt er: „Dann halt nicht“ – und gründet einfach eine eigene Softwarefirma.

Und ja, das läuft. Und zwar richtig. Der Typ wird Milliardär. Also vom verklemmten Jugendlichen zum Tech-Erfolgstypen – schon ein krasser Weg.

Aber das Buch bleibt nicht bei so einer klassischen „Vom Tellerwäscher zum Millionär“-Story stehen. Im Gegenteil: Es wird zum Ende hin nochmal richtig weird, aber auch irgendwie spannend. Stichwort: virtuelle Realität und künstliche Intelligenz. Da erfüllt er sich nämlich einen ganz persönlichen Traum – und das wirft wieder neue Fragen auf. Über Realität, über Wunschdenken, über Kontrolle.

Und dann ist da noch diese eine Frau. So eine Art zentrale Figur in seinem Leben, die er unbedingt nochmal sehen will. Aber genau das versucht seine Tochter zu verhindern. Da kommt dann nochmal richtig emotionale Spannung rein, weil es plötzlich nicht mehr nur um schräge Erinnerungen oder Fantasien geht, sondern um echte, menschliche Beziehungen.

Was das Buch besonders macht: Es ist unbequem. Es erzählt aus einer Perspektive, die nicht geschniegelt ist, nicht politisch korrekt, nicht darauf aus, dir zu gefallen. Und genau deshalb funktioniert es als Kommentar auf heutige Diskussionen – so nach dem Motto: „Schaut mal, so denken manche – und das ist Teil der Realität.“

Dabei ist es mal absurd, mal witzig, mal irritierend. Du wirst definitiv Stellen haben, wo du die Augen verdrehst. Aber auch Momente, wo du denkst: „Okay, das ist irgendwie clever beobachtet.“

Unterm Strich: Kein Wohlfühlroman. Eher so ein schräger Trip durch ein Männerleben, der dich herausfordert, manchmal nervt, aber genau deshalb im Kopf bleibt.

  • Herausgeber ‏ : ‎ Edition W GmbH
  • Erscheinungstermin ‏ : ‎ 17. März 2025
  • Auflage ‏ : ‎ 1.
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Seitenzahl der Print-Ausgabe ‏ : ‎ 130 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3949671188
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3949671180
  • Abmessungen ‏ : ‎ 13.1 x 1.7 x 20.2 cm

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