
Wer bei einem Ratgeber über Angststörungen an sanfte Pastellfarben, flüsternde Lebensweisheiten und Sätze wie „Atme einfach bewusst“ denkt, wird von Don’t f*cking panic ungefähr so überrascht wie ein Goldfisch von einem Presslufthammer. Dieses Buch kommt nicht auf Zehenspitzen daher – es tritt die Tür ein, wirft Konfetti aus Therapie-Notizen in die Luft und schreit: „Okay, Leute, reden wir endlich ehrlich über mentale Gesundheit!“
Denn Kelsey Darragh ist nicht die Sorte Autorin, die aus sicherer Entfernung kluge Tipps verteilt wie eine Yoga-Lehrerin auf Baldrian. Sie kennt Panikattacken, depressive Abstürze und das Gefühl, dass das eigene Gehirn manchmal wie ein kaputter Browser mit 73 offenen Tabs funktioniert – inklusive seltsamer Geräusche und kompletter Systemüberlastung.
Und genau deshalb fühlt sich dieses Buch nicht an wie ein Vortrag, sondern eher wie ein Gespräch mit der sehr lustigen Freundin, die gleichzeitig Chaosqueen, Überlebenskünstlerin und emotionales Schweizer Taschenmesser ist. Eine Freundin, die dir mitten in einer mentalen Krise vermutlich sagen würde: „Du bist nicht verrückt, dein Gehirn macht gerade nur Improvisationstheater.“
Schon der Titel macht klar: Hier wird nicht geschniegelt um Gefühle herumformuliert. Dieses Buch nimmt psychische Erkrankungen nicht in Watte, sondern packt sie am Kragen und sagt: „So, jetzt setzen wir uns hin und reden darüber.“ Mit Humor. Mit Wut. Mit Ehrlichkeit. Und gelegentlich vermutlich mit Mascara-Spuren auf dem Kopfkissen.
Das Großartige daran: Trotz aller Direktheit wirkt nichts belehrend. Kelsey schreibt nicht wie jemand, der auf einem spirituellen Berggipfel sitzt und Erleuchtung verkauft. Sie schreibt wie jemand, der selbst schon nachts um drei googelte: „Kann man sterben, weil man zu viel nachgedacht hat?“ – und deshalb genau weiß, wie absurd und einsam Angst sich anfühlen kann.
Besonders charmant sind die kleinen Überlebenswerkzeuge, die das Buch verteilt wie Notfall-Snacks für die Seele. Da gibt es den Panikattacken-Notfallkoffer, Übungen wie die 10/10/10-Methode und Listen voller Dinge, für die man sich verdammt nochmal nicht entschuldigen muss. Und plötzlich merkt man: Dieses Buch will dich nicht „perfekt reparieren“. Es will dir helfen, deinen inneren Chaoskobold besser zu verstehen.
Zwischendurch liest sich das Ganze wie ein sehr ehrliches Tagebuch aus einer Welt, in der Menschen gleichzeitig funktionieren sollen, obwohl ihr Gehirn manchmal einfach auf „dramatische Netflix-Serie“ umschaltet. Kelsey beschreibt diese Zustände mit einer Mischung aus Selbstironie und schonungsloser Offenheit, die gleichzeitig zum Lachen und zum stillen „Oh Gott, genau SO fühlt sich das an“ führt.
Und ja, das Buch ist laut. Sehr laut sogar. Es flucht, es stolpert emotional durch dunkle Gedanken, es macht Witze an Stellen, wo andere betreten husten würden. Aber genau darin liegt seine Stärke. Denn psychische Erkrankungen sind oft schon schwer genug – da tut es gut, wenn endlich mal jemand darüber spricht, ohne alles wie einen Wellness-Podcast klingen zu lassen.
Dabei steckt unter dem ganzen Humor erstaunlich viel Wärme. Kelsey Darragh vermittelt nie das Gefühl, dass man „falsch“ ist. Eher, dass sehr viele Menschen heimlich mit denselben Monstern kämpfen, während sie nach außen so tun, als hätten sie ihr Leben komplett im Griff. Spoiler: Haben sie nicht.
Am Ende ist Don’t f*cking panic weniger ein klassischer Ratgeber als ein emotionaler Erste-Hilfe-Kasten mit Glitzer, schwarzem Humor und einer großen Portion Menschlichkeit. Ein Buch zum Lesen, Unterstreichen, Bekritzeln und manchmal vermutlich auch zum Anbrüllen.
Oder anders gesagt: Es ist wie eine Umarmung von jemandem, der gleichzeitig „Du schaffst das!“ ruft und dir eine Tüte Chips reicht.
- Herausgeber : Piper Paperback
- Erscheinungstermin : 27. Februar 2026
- Auflage : 1.
- Sprache : Deutsch
- Seitenzahl der Print-Ausgabe : 384 Seiten
- ISBN-10 : 3492066399
- ISBN-13 : 978-3492066396
- Originaltitel : Don’t f*cking panic
- Abmessungen : 17.1 x 2.35 x 24 cm
