/ September 20, 2026/ Buch

Das Cover hat mich direkt neugierig gemacht. Es wirkt kühl, düster und irgendwie bedrohlich, ohne schon zu viel von der Geschichte preiszugeben. Genau diese Mischung passt hervorragend zu einem Thriller, bei dem man schon beim ersten Blick das Gefühl bekommt: Hier wird es nicht gemütlich. „Der Prätorianer“ von Tobias Bukkehave ist ein Scandi-Crime-Thriller, der mich ziemlich schnell gepackt hat und mich beim Lesen immer wieder mit diesem unangenehmen Gefühl zurückgelassen hat, unbedingt noch ein Kapitel lesen zu müssen.

Schon der Einstieg hat es in sich. Kopenhagen liegt unter Schnee und eisiger Kälte, und dann werden Sara Levin und ihr Partner Janus West zu einem Tatort gerufen, der alles andere als gewöhnlich ist. Ein ermordeter junger Mann, Hunderte von Kerzen, antike Goldmünzen auf den Augen, lateinische Inschriften auf der Haut und dazu diese unheimliche Schicht aus Eiskristallen. Ganz ehrlich: Das ist genau die Sorte Tatort, die sich im Kopf festsetzt. Nicht unbedingt, weil alles möglichst blutig beschrieben werden muss, sondern weil die Inszenierung selbst so verstörend ist.

Was zunächst wie ein einzelner grausamer Mord wirkt, entwickelt sich schnell zu einer Mordserie. Und damit beginnt eine Ermittlungsarbeit, bei der ich als Leser ständig versucht habe, Zusammenhänge zu erkennen. Wer steckt dahinter? Warum diese Rituale? Was hat es mit der Antike auf sich? Und vor allem: Wie weit reicht das Ganze eigentlich zurück?

Besonders gut gefallen hat mir, dass Sara Levin keine Ermittlerin ist, die einfach nur einen Fall abarbeitet. Für sie wird dieser Fall sehr schnell persönlich. Gemeinsam mit Janus West versucht sie, den Täter zu finden, doch irgendwann führt die Spur in ihre eigene Familiengeschichte. Ihr Bruder Adam, ein Spezialist für Serienverbrechen, wird in die Ermittlungen einbezogen. Zwischen den Geschwistern steht allerdings eine Vergangenheit, die alles andere als einfach ist.

Und genau hier bekommt „Der Prätorianer“ für mich noch einmal eine zusätzliche emotionale Ebene. Es geht nicht nur um die Suche nach einem Serienkiller. Es geht um Familie, Schuld, verdrängte Erinnerungen und die Frage, wie sehr die Vergangenheit das eigene Leben bestimmen kann. Saras Vater Christian Levin wurde wegen Mordes verurteilt – und plötzlich tauchen Verbindungen auf, die den ohnehin schon erschütternden Fall noch persönlicher machen.

Ich mochte besonders diese Mischung aus klassischer Ermittlungsarbeit, Serienkiller-Thriller und skandinavischer Atmosphäre. Kälte, Schnee, Dunkelheit und eine Stadt, die plötzlich alles andere als vertraut wirkt, bilden einen richtig starken Hintergrund. Man spürt beim Lesen förmlich diese eisige Stimmung. Dazu kommen die rätselhaften Hinweise und die antiken Elemente, die dem Fall etwas Unheimliches und gleichzeitig Rätselhaftes geben.

Was mir ebenfalls gefallen hat: Der Thriller versucht nicht, seine Spannung ausschließlich durch immer brutalere Szenen zu erzeugen. Vieles entsteht durch die Fragen, die im Kopf bleiben. Man bekommt einen Hinweis und denkt, man hätte etwas verstanden – und kurz darauf sieht die Sache schon wieder ganz anders aus. Genau dieses Spiel mit Vermutungen hat mich bei der Stange gehalten.

Sara Levin und Janus West funktionieren als Ermittlerteam für mich ebenfalls sehr gut. Beide bringen unterschiedliche Perspektiven mit, und gerade dadurch entstehen interessante Dynamiken. Gleichzeitig bleibt Sara durch ihre familiäre Verwicklung nicht einfach nur Beobachterin. Je mehr sie über ihre Vergangenheit herausfinden muss, desto stärker wird der Fall zu einer persönlichen Belastungsprobe.

„Der Prätorianer“ ist deshalb für mich ein Thriller, der nicht nur durch einen geheimnisvollen Serienkiller funktioniert. Die Geschichte verbindet Scandi-Crime, Serienmörder-Thriller, Ritualmorde, Ermittlungsarbeit und Familiengeheimnisse zu einem spannenden Gesamtbild. Besonders die düstere Atmosphäre und die Frage, was hinter den ungewöhnlichen Morden steckt, haben mich immer wieder zurück zum Buch gezogen.

Ich hatte beim Lesen mehrfach diesen typischen Thriller-Moment: Eigentlich wollte ich nur noch ein kleines Stück weiterlesen – und plötzlich waren wieder etliche Seiten verschwunden. Genau das muss ein guter Krimi bei mir schaffen. Ich möchte miträtseln, misstrauisch werden, eigene Theorien entwickeln und trotzdem immer wieder überrascht werden.

Wer skandinavische Kriminalromane mag und Lust auf einen düsteren Serienkiller-Thriller mit Kopenhagen als Schauplatz, ungewöhnlichen Ritualmorden, psychologischer Spannung und einer komplizierten Familiengeschichte hat, dürfte mit „Der Prätorianer“ einiges anfangen können. Für mich ist es vor allem die Kombination aus beklemmender Atmosphäre und persönlicher Geschichte, die diesen Thriller so interessant macht.

Ein kalter, düsterer und spannender Kriminalroman, bei dem hinter den Morden deutlich mehr steckt, als man zunächst vermutet. Und genau deshalb blieb mir die Geschichte auch nach dem Zuklappen des Buches noch eine Weile im Kopf.

  • Herausgeber ‏ : ‎ dtv Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG
  • Erscheinungstermin ‏ : ‎ 20. August 2026
  • Auflage ‏ : ‎ 4.
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Seitenzahl der Print-Ausgabe ‏ : ‎ 416 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3423264772
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3423264778
  • Abmessungen ‏ : ‎ 13.6 x 3.4 x 21 cm

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