/ September 30, 2026/ Buch

a1

Wer kennt es nicht? Da möchte man eigentlich unbedingt mutig sein, hat sich etwas ganz fest vorgenommen – und dann macht der Bauch plötzlich, was er will. Genau so geht es Jani. Nachts träumt er davon, ein echter Superheld zu sein: stark, mutig und natürlich völlig furchtlos. Aber am nächsten Morgen beim Frühstück sieht die Welt schon wieder ganz anders aus. Denn Jani hat Angst. Und zwar so richtig.

Seine Freunde Ava und Nouri wollen mit ihm im Garten zelten. Eigentlich eine tolle Sache! Für Jani bedeutet das allerdings: draußen schlafen, dunkel werden lassen und vor allem nicht einfach gemütlich im eigenen Bett liegen können. Schon beim Gedanken daran bekommt er Bauchschmerzen. Und weil er natürlich auf keinen Fall als Angsthase dastehen möchte, behält er seine Sorgen lieber für sich. Man kann sich als Kind richtig gut vorstellen, wie sich das anfühlt. Alle anderen scheinen mutig zu sein – nur man selbst bekommt plötzlich dieses komische Gefühl im Bauch.

Ich finde genau diesen Punkt an „Jani und die Sache mit der Mutmaschine“ besonders schön. Die Geschichte macht Kindern nämlich nicht das Gefühl, dass Angst etwas Peinliches oder Falsches ist. Ganz im Gegenteil: Jani erlebt, dass Angst einfach dazugehören kann. Und dass auch die vermeintlich mutigsten Menschen nicht immer mutig sind.

Dann kommt Jani auf seine ganz eigene Idee: eine Mut-Maschine muss her! Wenn man sich damit einfach ein bisschen Mut verschaffen könnte, wäre das Problem doch gelöst. Also wird getüftelt und ausprobiert. Und genau hier wird die Geschichte für Kinder richtig spannend und gleichzeitig wunderbar nachvollziehbar. Denn wer würde nicht manchmal gern eine Maschine anschalten, die alle Sorgen einfach verschwinden lässt?

Aus Kindersicht ist Jani dadurch ein richtig sympathischer Begleiter. Er ist kein perfekter kleiner Held, der immer alles richtig macht. Er hat Angst, versucht sie zu verstecken, sucht nach einer Lösung und muss dabei erst einmal herausfinden, was Mut eigentlich bedeutet. Das macht die Geschichte so nahbar. Gerade Kinder im Vor- und Grundschulalter können sich in vielen Situationen wiederfinden: Angst vor dem Alleinsein, vor der Dunkelheit, vor etwas Neuem oder davor, was andere über einen denken.

Und als Elternteil liest man die Geschichte noch einmal mit einem etwas anderen Blick. Denn Erwachsene wissen zwar meistens, dass Angst zum Leben dazugehört, aber gerade bei Kindern ist es manchmal gar nicht so leicht, damit umzugehen. Man möchte ihnen die Angst am liebsten sofort abnehmen. Gleichzeitig kann man sie aber nicht einfach wegzaubern. Umso wichtiger ist es, Kindern zuzuhören, ihre Gefühle ernst zu nehmen und ihnen zu zeigen: Du musst mit deiner Angst nicht allein bleiben.

Genau diese Botschaft vermittelt das Buch auf eine angenehm kindgerechte Art. Über Ängste zu sprechen, anstatt sie in sich hineinzufressen, kann unglaublich viel verändern. Wenn man merkt, dass andere ähnliche Sorgen kennen, fühlt sich die eigene Angst plötzlich schon ein kleines bisschen leichter an. Zusammen lässt sich vieles besser aushalten.

Besonders gelungen finde ich deshalb die Verbindung aus einer fantasievollen Vorlesegeschichte und einem zusätzlichen Sachteil für Erwachsene. Dadurch bleibt das Buch nicht einfach bei der Geschichte stehen, sondern gibt Eltern, Erziehern und anderen Bezugspersonen auch Anregungen, wie sie Kinder in schwierigen oder angstauslösenden Situationen liebevoll begleiten können.

Die farbenfrohen Illustrationen passen dabei wunderbar zum Charakter der Geschichte und machen das Buch auch optisch zu einem schönen Vorleseerlebnis. Man kann es in der Familie gemeinsam lesen, aber ebenso gut in einer Kita, Schule oder Kindergruppe einsetzen.

Auch die Verbindung zur Jahreslosung 2027 „Fürchte dich nicht, denn ich bin mit dir; hab keine Angst, denn ich bin dein Gott!“ aus Jesaja 41,10 ist interessant. Gleichzeitig funktioniert die Geschichte vollkommen unabhängig vom religiösen Hintergrund. Im Mittelpunkt steht eine Erfahrung, die jedes Kind kennt: Angst zu haben und trotzdem seinen eigenen Weg zu finden.

„Jani und die Sache mit der Mutmaschine“ ist für mich deshalb vor allem eine liebevolle Geschichte über Angst, Mut, Freundschaft und darüber, dass man nicht immer stark sein muss. Manchmal ist der erste mutige Schritt nämlich gar nicht, etwas Schwieriges zu tun. Manchmal besteht Mut einfach darin, zu sagen: „Ich habe Angst.“ Und genau dann merkt man vielleicht, dass man damit gar nicht allein ist.

  • Herausgeber ‏ : ‎ Neukirchener Verlag
  • Erscheinungstermin ‏ : ‎ 24. August 2026
  • Auflage ‏ : ‎ 1.
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Seitenzahl der Print-Ausgabe ‏ : ‎ 40 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3761571232
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3761571231
  • Lesealter ‏ : ‎ Ab 3 Jahren
  • Abmessungen ‏ : ‎ 23.5 x 17.5 x 0.6 cm

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

*
*