/ Januar 7, 2026/ Buch, Romane, Sachbuch

Wie ich als ukrainischer Jude meine neue Heimat sehe

„Meine deutsche Geschichte“ von Mihail Groys ist ein persönliches, kluges und sehr zugängliches Buch über das Ankommen, das Dazwischen-Sein und das Verstehen einer neuen Heimat. In einer positiven, offenen und oft humorvollen Sprache erzählt Groys, wie er in den 1990er-Jahren als ukrainischer Jude mit seiner Familie aus dem Donbass nach Deutschland kam – und wie er dieses Land heute, 25 Jahre später, erlebt und betrachtet.

Das Besondere an diesem Buch ist die Perspektive. Mihail Groys schaut auf Deutschland nicht als distanzierter Beobachter, sondern als jemand, der hier lebt, liebt, zweifelt und dazugehört. Gleichzeitig bleibt er ein genauer Beobachter, der Unterschiede wahrnimmt und Fragen stellt. Als Jude ist Deutschland für ihn kein „normales“ Einwanderungsland. Die Geschichte ist immer präsent, sie schwingt mit – leise, aber deutlich. Gerade dadurch entstehen tiefe, ehrliche Gedanken über Verantwortung, Erinnerung und den Umgang miteinander.

Groys erzählt nicht belehrend, sondern anekdotisch und lebensnah. Er beschreibt Begegnungen, Alltagssituationen, kleine Missverständnisse und große Aha-Momente. Ob Bürokratie, Sprache, Humor, Nachbarschaft oder gesellschaftliche Debatten – immer wieder zeigt er liebevoll die Eigenheiten dieses Landes. Dabei lacht er über Deutschland, über sich selbst und über die Absurditäten des Alltags, ohne je respektlos zu werden.

Das Buch ist zugleich ein Spiegel für die deutsche Gesellschaft. Groys fragt, was Deutschland im Innersten zusammenhält, wo es offen und herzlich ist – und wo es sich manchmal schwer tut mit Vielfalt, Veränderung und ehrlichem Dialog. Seine Beobachtungen sind klar, aber nie hart. Kritik kommt ruhig, nachdenklich und immer mit dem Wunsch, zu verstehen statt zu verurteilen.

Ein zentrales Thema ist das Überwinden von Unterschieden. Groys zeigt, dass Zugehörigkeit kein Zustand ist, sondern ein Prozess. Heimat entsteht nicht von selbst – sie wächst durch Begegnung, Offenheit und gegenseitige Neugier. Dabei macht das Buch Mut: Verständigung ist möglich, wenn Menschen bereit sind zuzuhören und den anderen nicht sofort in Schubladen zu stecken.

„Meine deutsche Geschichte“ ist kein politisches Manifest, sondern ein menschliches Buch. Es lebt von Empathie, Humor und ehrlicher Selbstreflexion. Gerade deshalb ist es so aktuell. In einer Zeit, in der Identität, Herkunft und Zusammenhalt oft hitzig diskutiert werden, erinnert Groys daran, wie wichtig Respekt, Gespräch und gegenseitiges Vertrauen sind.

Das Buch liest sich leicht, bleibt aber lange im Kopf. Es richtet sich an alle, die sich für Deutschland interessieren – egal ob hier geboren oder zugezogen. Ein warmes, kluges und versöhnliches Buch über das Fremdsein, das Ankommen und darüber, wie aus einem Land eine Heimat werden kann.

  • Herausgeber ‏ : ‎ ZS – ein Verlag der Edel Verlagsgruppe
  • Erscheinungstermin ‏ : ‎ 4. Juni 2025
  • Auflage ‏ : ‎ 1.
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Seitenzahl der Print-Ausgabe ‏ : ‎ 176 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3965845055
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3965845053
  • Abmessungen ‏ : ‎ 15.5 x 2.2 x 21.3 cm

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