
„Gromzell“ ist so ein Roman, der sich anfühlt wie ein Dorfgespräch am Küchentisch – ein bisschen unheimlich, ein bisschen schräg, aber vor allem total lebendig und irgendwie auch herzlich. Du landest direkt in diesem kleinen Ort, wo jeder jeden kennt, wo Geschichten weitergetragen werden wie ein gutes altes Familienrezept – und wo plötzlich alles aus dem Ruder läuft.
Alles geht damit los, dass Marie stirbt. 108 Jahre alt! Also eigentlich ein krass langes Leben, aber trotzdem haut es alle um. Die Frau war halt sowas wie ein Fels in der Brandung. Eine, die man sich einfach immer da gedacht hat. Und jetzt ist sie weg. Klar, dass das ganze Dorf erstmal schluckt. Man trifft sich, redet, trauert, geht in die Kirche – versucht irgendwie, das Ganze zu begreifen.
Aber dann wird’s richtig spannend: Es bleibt nicht bei diesem einen Todesfall. Auf einmal liegt da so eine komische Stimmung in der Luft. Die Leute werden nervös, anfangen zu tuscheln, und du merkst richtig, wie sich dieses Gefühl von „Da stimmt doch was nicht“ langsam ausbreitet. Und genau das macht den Reiz aus – dieses unterschwellige Unbehagen, das immer größer wird.
Gleichzeitig kommen ein paar Figuren ins Spiel, die das Ganze noch mehr durcheinanderwirbeln. Da ist Anna, die aus Berlin zurückkommt. Allein das sorgt schon für Gesprächsstoff, weil: Großstadt trifft Dorf, und das knallt halt gern mal. Und dann hängt da noch diese Geschichte mit ihren Großeltern und der Deibelstube in der Luft – klingt schon nach Ärger, oder? Genau so ist es auch. Die Leute gucken schief, erinnern sich, spinnen ihre eigenen Versionen der Wahrheit zusammen.
Und als wäre das nicht genug, taucht auch noch ein Journalist auf. Der will natürlich berichten, nachhaken, Fragen stellen. Für das Dorf eher so: „Was will der denn hier?“ Das bringt nochmal extra Unruhe rein, weil plötzlich jemand von außen draufguckt.
Richtig schön schräg wird’s dann mit diesem Bestatter, Eric Schade. Da geht nämlich das Gerücht rum, dass seine Berührung dir sagt, dass du bald dran bist. Also ehrlich – gruseliger geht’s kaum. Aber gleichzeitig ist es auch irgendwie faszinierend, wie die Leute damit umgehen. Manche lachen drüber, andere nehmen es todernst. Und genau da zeigt sich diese Mischung aus Glauben, Aberglauben und ganz normalen menschlichen Ängsten.
Und dann ist da noch dieser riesige schwarze Vogel. Klingt erstmal wie aus einem Horrorfilm, aber hier wirkt er eher wie so ein stiller Beobachter. Seine Augen – fast menschlich – geben dem Ganzen nochmal so eine mysteriöse Note. Du fragst dich die ganze Zeit: Ist das Einbildung? Ein Symbol? Oder steckt da wirklich mehr dahinter?
Was das Buch richtig gut macht: Es zeigt, wie Menschen ticken, wenn sie verunsichert sind. Wie schnell man anfängt, nach Schuldigen zu suchen. Wie sich Gerüchte verselbstständigen. Aber auch, wie stark so eine Dorfgemeinschaft sein kann – trotz allem Chaos.
Dabei ist die Geschichte nie nur düster. Im Gegenteil: Da steckt auch viel Humor drin, manchmal schön trocken, manchmal richtig schräg. Diese grotesken Momente, wo du nicht weißt, ob du jetzt lachen oder den Kopf schütteln sollst – genau die machen das Ganze so besonders.
Am Ende ist „Gromzell“ mehr als nur eine Geschichte über Tod und Angst. Es geht um Leben, um Zusammenhalt, um dieses typisch Menschliche: dass wir einfach nicht gut darin sind, Dinge loszulassen. Und dass genau daraus oft die verrücktesten Situationen entstehen.
Kurz gesagt: Ein Roman, der dich gleichzeitig schmunzeln, grübeln und ein bisschen gruseln lässt – und der dir dieses Dorf so nah bringt, als wärst du selbst mittendrin.
- Herausgeber : Edition W GmbH
- Erscheinungstermin : 26. Januar 2026
- Auflage : 1.
- Sprache : Deutsch
- Seitenzahl der Print-Ausgabe : 173 Seiten
- ISBN-10 : 3949671242
- ISBN-13 : 978-3949671241
- Abmessungen : 12.6 x 1.9 x 20.7 cm
