/ März 25, 2026/ Buch

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Mit It’s a boy!: Wie ich Mutter eines transgender Sohnes wurde legen Dilan Sev und Judith Schneiberg ein Buch vor, das unter die Haut geht, bewegt und lange nachhallt. Diese autobiografische Erzählung ist weit mehr als ein persönlicher Bericht – sie ist ein eindringliches, ehrliches und zutiefst menschliches Zeugnis von Liebe, Zweifel, Verlust und Mut.

Im Zentrum steht eine Erfahrung, die das Leben einer Familie grundlegend verändert: Der Moment, in dem ein Kind ausspricht, was lange unausgesprochen blieb – „Ich bin im falschen Körper.“ Was folgt, ist kein geradliniger Weg, sondern ein intensiver Prozess voller Fragen, Emotionen und Entscheidungen, die alles andere als leicht sind.

Dilan Sev gelingt es, diesen Weg mit bemerkenswerter Offenheit zu schildern. Sie schreibt nicht aus einer distanzierten Perspektive, sondern mitten aus dem Erleben heraus. Man spürt ihre Verunsicherung, ihre inneren Konflikte, aber auch ihre Entschlossenheit, für ihr Kind da zu sein – bedingungslos. Gerade diese Ehrlichkeit macht das Buch so kraftvoll. Es beschönigt nichts, es dramatisiert nichts – es zeigt das Leben, wie es ist.

Besonders berührend ist die Ambivalenz, die sich durch die gesamte Erzählung zieht. Auf der einen Seite steht die tiefe Liebe zu ihrem Kind und der Wunsch, es auf seinem Weg zu unterstützen. Auf der anderen Seite steht der stille Abschied von dem Bild, das sie einst hatte – die Trauer um die Tochter, die sie loslassen muss. Diese Gleichzeitigkeit von Verlust und Neubeginn wird hier mit großer Sensibilität eingefangen und macht das Buch emotional so eindringlich.

Die geschilderte Transition ist dabei kein abstrakter Begriff, sondern wird in all ihren Facetten greifbar: therapeutische Begleitung, medizinische Schritte, gesellschaftliche Reaktionen, persönliche Krisen und Momente des Glücks. Das Buch zeigt, wie komplex und herausfordernd dieser Weg sein kann – nicht nur für das Kind, sondern für die gesamte Familie.

Gleichzeitig entfaltet sich eine starke, hoffnungsvolle Botschaft: dass Akzeptanz, Verständnis und Liebe tragfähiger sind als Angst und Unsicherheit. Dass es möglich ist, auch in schwierigen Prozessen Orientierung zu finden. Und dass es sich lohnt, den eigenen Blick zu hinterfragen und zu erweitern.

Was dieses Buch besonders wertvoll macht, ist seine Relevanz über den Einzelfall hinaus. Es bietet Orientierung für Eltern, Angehörige und alle, die sich mit dem Thema Transidentität auseinandersetzen möchten. Es schafft Verständnis, wo oft Unsicherheit herrscht, und gibt Einblicke in eine Lebensrealität, die in der öffentlichen Diskussion häufig verkürzt dargestellt wird.

Fazit: It’s a boy! ist ein mutiges, ehrliches und tief bewegendes Buch, das den Leser nicht unberührt lässt. Es ist eine Geschichte über bedingungslose Liebe, über das Loslassen und Neuverstehen – und über den Mut, den eigenen Weg zu gehen, auch wenn er herausfordernd ist. Ein Buch, das nicht nur informiert, sondern vor allem verbindet und zum Nachdenken anregt.

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