
Ich gebe zu: Als ich dieses Buch angefangen habe, war ich erst einmal ziemlich skeptisch. Rhetorikbücher gibt es schließlich wirklich wie Sand am Meer und bei vielen habe ich nach ein paar Seiten schon das Gefühl, dass sich alles wiederholt und letztlich doch nur altbekannte Tipps neu verpackt werden. Genau deshalb waren meine Erwartungen an „Rhetorik – Die Kunst der Rede im digitalen Zeitalter“ von Michael Ehlers zunächst eher überschaubar. Umso positiver war ich überrascht, als ich gemerkt habe, dass dieses Buch tatsächlich einiges an neuem Wissen und vor allem viele interessante Denkanstöße zu bieten hat.
Was mir besonders gut gefällt: Michael Ehlers bleibt nicht einfach bei der klassischen Rhetorik stehen. Natürlich geht es um überzeugendes Sprechen, wirkungsvolle Argumentation, Auftreten und darum, wie man andere Menschen mit Worten erreicht. Aber gleichzeitig wird sehr deutlich gemacht, dass Kommunikation heute anders funktioniert als noch vor einigen Jahrzehnten. Wir leben im digitalen Zeitalter, kommunizieren ständig über Messenger, soziale Netzwerke, E-Mails, Videos und kurze Posts. Informationen werden immer schneller verbreitet und gleichzeitig wird es schwieriger, zwischen sachlicher Kommunikation, Meinung, Manipulation und bewusster Inszenierung zu unterscheiden.
Gerade dieser Blick auf die moderne Rhetorik und digitale Kommunikation hat mir ausgesprochen gut gefallen. Das Buch zeigt, warum es heute wichtiger denn je ist, sich klar, präzise und verständlich auszudrücken. Schließlich kann ein einziger Satz im Internet schnell eine ganz andere Wirkung entfalten, als ursprünglich beabsichtigt. Und wer beruflich oder privat überzeugen möchte, sollte sich darüber Gedanken machen, wie Sprache beim Gegenüber tatsächlich ankommt.
Besonders spannend fand ich das Kapitel über die Rhetorik von Donald Trump während seines Wahlkampfs zum US-Präsidenten. Unabhängig davon, wie man politisch zu ihm steht, ist seine Art zu kommunizieren natürlich ein äußerst interessantes Beispiel. Ehlers analysiert nicht einfach nur einzelne Aussagen, sondern macht nachvollziehbar, welche rhetorischen Strategien dahinterstecken und warum bestimmte Botschaften bei Menschen funktionieren können. Für mich war das eines der stärksten Kapitel des Buches, weil man hier sehr anschaulich erkennt, dass erfolgreiche Kommunikation nicht unbedingt mit komplizierten Worten zu tun hat. Im Gegenteil: Oft sind es einfache, wiederholte und emotional aufgeladene Botschaften, die besonders stark wirken.
Ebenfalls sehr interessant fand ich die Ausführungen darüber, wie die Digitalisierung unsere Rhetorik verändert. Wir sprechen heute nicht mehr nur von der klassischen Rede vor einem Publikum. Kommunikation findet auf vielen unterschiedlichen Ebenen statt und verlangt deshalb auch unterschiedliche Fähigkeiten. Ein Gespräch, eine Präsentation, ein Social-Media-Post oder ein Video funktionieren eben nicht exakt nach denselben Regeln. Das Buch schafft es meiner Meinung nach gut, diese Veränderungen verständlich darzustellen.
Dabei ist der Schreibstil angenehm und praxisnah. Man hat nicht das Gefühl, ein trockenes wissenschaftliches Fachbuch vor sich zu haben. Stattdessen werden viele Beispiele genutzt, wodurch die theoretischen Grundlagen deutlich leichter verständlich werden. Genau das ist für mich bei einem Buch über Rhetorik entscheidend: Ich möchte nicht nur lesen, was gute Kommunikation theoretisch ausmacht, sondern auch verstehen, wie ich dieses Wissen im Alltag einsetzen kann.
Ich habe beim Lesen deshalb immer wieder über meine eigene Kommunikation nachgedacht. Wie formuliere ich etwas? Welche Wirkung hat meine Wortwahl? Warum überzeugt mich die eine Person sofort, während ich bei einer anderen trotz eigentlich guter Argumente abschalte? Und wie stark beeinflussen digitale Medien unsere Wahrnehmung? Das Buch liefert auf solche Fragen keine oberflächlichen Standardantworten, sondern regt dazu an, selbst genauer hinzuschauen.
Besonders positiv finde ich außerdem, dass Rhetorik hier nicht ausschließlich als Mittel verstanden wird, um andere Menschen irgendwie „rumzukriegen“. Vielmehr geht es darum, sich bewusst mit Sprache auseinanderzusetzen, klarer zu argumentieren und seine Gedanken so zu vermitteln, dass sie beim Gegenüber auch wirklich ankommen. Das halte ich gerade in einer Zeit, in der ständig kommuniziert, kommentiert und diskutiert wird, für unglaublich wichtig.
„Rhetorik – Die Kunst der Rede im digitalen Zeitalter“ hat mich deshalb deutlich mehr überzeugt, als ich anfangs erwartet hatte. Es ist ein modernes und abwechslungsreiches Rhetorikbuch, das klassische Redekunst mit den Herausforderungen unserer digitalen Kommunikation verbindet. Die Beispiele sind interessant, die Themen aktuell und viele Gedanken lassen sich direkt auf den eigenen Alltag übertragen.
Wer seine Rhetorik verbessern, überzeugender auftreten, besser argumentieren oder die Wirkung von Sprache im digitalen Zeitalter verstehen möchte, findet hier meiner Meinung nach eine sehr gute Grundlage. Für mich war es jedenfalls eine positive Überraschung – gerade weil ich vorher dachte: „Nicht schon wieder ein Rhetorikbuch.“ Am Ende habe ich doch einiges gelernt und vor allem angefangen, meine eigene Kommunikation bewusster zu betrachten.
Von mir gibt es daher eine klare Leseempfehlung und verdiente 5 Sterne. Ein Buch, das zeigt, dass gute Rhetorik keineswegs altmodisch ist, sondern gerade heute wichtiger denn je sein kann.
- Herausgeber : books4success
- Erscheinungstermin : 15. Februar 2018
- Auflage : 1.
- Sprache : Deutsch
- Seitenzahl der Print-Ausgabe : 448 Seiten
- ISBN-10 : 386470569X
- ISBN-13 : 978-3864705694
- Abmessungen : 14.5 x 4 x 22 cm
