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Angst gehört zum Leben dazu. Und trotzdem ist es für Kinder oft gar nicht so einfach zu verstehen, warum sie plötzlich da ist. Warum wird der Bauch komisch? Warum klopft das Herz schneller? Warum möchte man am liebsten weglaufen oder sich verstecken? Und vor allem: Warum fühlt sich etwas so bedrohlich an, obwohl vielleicht gar keine echte Gefahr besteht?
Genau deshalb hat mich „Hallo Angst, wer bist denn du?“ von Doris Dr. Hager-Czuday und Katharina Stark, illustriert von Elisabeth Mayer, sofort neugierig gemacht. Der Untertitel „Eine Geschichte für mutige Kinder und ein Ratgeber für ihre Eltern“ beschreibt eigentlich schon sehr schön, was dieses besondere Buch ausmacht. Es richtet sich nämlich nicht nur an Kinder, sondern nimmt gleichzeitig die Eltern mit ins Boot.
Was mir besonders gut gefällt: Die Angst wird hier nicht zum Feind gemacht. Stattdessen bekommt sie gewissermaßen ein Gesicht und wird zu einer Gesprächspartnerin. Das finde ich einen wunderbaren Ansatz, denn gerade für Kinder kann es unglaublich hilfreich sein, wenn etwas Unbekanntes plötzlich greifbar und verständlich wird.
In den bebilderten Dialogen erfährt das Kind, warum Angst überhaupt existiert, welche Aufgabe sie eigentlich hat und warum sie manchmal auftaucht, obwohl wir sie gar nicht gebrauchen können. Dadurch wird Angst nicht einfach als etwas Schlechtes dargestellt. Im Gegenteil: Kinder können lernen, dass Angst grundsätzlich eine wichtige Funktion hat und uns sogar schützen kann. Gleichzeitig dürfen sie erfahren, dass man nicht jeder Angst automatisch folgen muss.
Ich finde diese Botschaft ausgesprochen wichtig. Gerade wenn Kinder Angst haben, hören sie von Erwachsenen schnell Sätze wie „Du brauchst doch keine Angst zu haben“ oder „Das ist doch gar nicht schlimm“. Gut gemeint, aber für das Kind hilft das meistens nicht besonders viel. Denn die Angst ist ja trotzdem da.
Dieses Buch geht einen anderen Weg: erst verstehen, dann damit umgehen.
Besonders schön ist die kindgerechte Sprache. Die Erklärungen sind verständlich, ohne kompliziert oder belehrend zu wirken. Die Illustrationen von Elisabeth Mayer unterstützen die Geschichte zusätzlich und machen das Buch auch optisch zu einer angenehmen Lektüre. Dadurch entsteht eine Kombination aus Geschichte, Gespräch und Wissensvermittlung, die ich wirklich gelungen finde.
Und dann gibt es noch den Ratgeberteil für Eltern – für mich ein ganz wichtiger Bestandteil des Buches. Denn wenn das eigene Kind Angst hat, ist man als Mutter oder Vater manchmal selbst ratlos. Man möchte helfen, weiß aber nicht genau, wie. Soll man beruhigen? Ablenken? Die Situation vermeiden? Das Kind ermutigen, sich der Angst zu stellen? Oder einfach abwarten?
Die Autorinnen greifen solche Fragen auf und geben Eltern konkrete Hilfestellungen. Besonders wertvoll finde ich dabei, dass kindliche Ängste nicht einfach abgetan werden. Erwachsene erleben eine Situation vielleicht als völlig harmlos, während sie sich für ein Kind riesig und bedrohlich anfühlt. Das Buch hilft dabei, solche Situationen besser zu verstehen und gemeinsam mit dem Kind nach Wegen zu suchen.
Dabei geht es nicht darum, Kinder zu zwingen, „mutig“ zu sein. Vielmehr wird vermittelt, dass Mut nicht bedeutet, niemals Angst zu haben. Mut kann auch bedeuten, die eigene Angst kennenzulernen und sich Schritt für Schritt mit ihr auseinanderzusetzen.
Dieser Gedanke hat mir besonders gut gefallen.
Denn eigentlich ist das eine Botschaft, die nicht nur für Kinder gilt. Auch Erwachsene kennen Situationen, in denen Angst uns zurückhält. Umso schöner finde ich es, dass dieses Buch Kindern schon früh vermitteln kann: Du darfst Angst haben. Du darfst darüber sprechen. Und du kannst lernen, mit ihr umzugehen.
Gerade das offene Sprechen über Ängste halte ich für enorm wichtig. Wenn Kinder merken, dass ihre Gefühle ernst genommen werden, müssen sie sich dafür weniger schämen. Sie lernen, ihre eigenen Gefühle besser wahrzunehmen und können dadurch nach und nach Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten entwickeln.
„Hallo Angst, wer bist denn du?“ ist deshalb für mich viel mehr als ein klassisches Kinderbuch. Es ist eine liebevoll gestaltete Mischung aus Geschichte, kindgerechter Erklärung und praktischem Elternratgeber. Ein Buch, das Kindern Mut macht und gleichzeitig Eltern zeigt, wie sie ihr Kind bei Ängsten unterstützen können.
Besonders gut gefällt mir, dass das Buch dabei nicht mit erhobenem Zeigefinger daherkommt. Es möchte nicht vermitteln: „So musst du es machen.“ Stattdessen lädt es dazu ein, miteinander ins Gespräch zu kommen. Und genau darin sehe ich eine große Stärke.
Ich kann mir sehr gut vorstellen, das Buch gemeinsam mit einem Kind zu lesen und anschließend über Situationen zu sprechen, in denen die eigene Angst schon einmal zu Besuch war. Was hat sie ausgelöst? Wie hat sie sich angefühlt? Was hat geholfen? Und was könnte beim nächsten Mal helfen?
So wird aus dem Lesen ganz automatisch ein gemeinsames Gespräch.
Mein Fazit: Ein wirklich schönes und wertvolles Buch für Kinder, die lernen möchten, ihre Ängste besser zu verstehen, und für Eltern, die sich Unterstützung im Umgang mit kindlichen Ängsten wünschen. Die Kombination aus Geschichte, Bildern und fachlich fundiertem Ratgeberteil ist meiner Meinung nach hervorragend gelungen.
„Hallo Angst, wer bist denn du?“ macht Mut, über Angst zu sprechen, Gefühle ernst zu nehmen und gemeinsam einen guten Umgang damit zu finden. Ein Buch, das Kindern vermittelt, dass sie mit ihren Ängsten nicht allein sind – und dass Mut nicht bedeutet, angstfrei zu sein.
Von mir gibt es dafür eine klare Empfehlung und 5 Sterne. ⭐⭐⭐⭐⭐
Ein besonders schönes Buch für Familien, die ihren Kindern nicht einfach sagen möchten, dass sie keine Angst haben sollen, sondern ihnen zeigen wollen, wie sie ihre Angst kennenlernen und Schritt für Schritt mutiger mit ihr umgehen können.
- Herausgeber : Einhorn-Vlg
- Erscheinungstermin : 24. Februar 2025
- Auflage : 1.
- Sprache : Deutsch
- Seitenzahl der Print-Ausgabe : 52 Seiten
- ISBN-10 : 3957471850
- ISBN-13 : 978-3957471857
- Lesealter : Ab 4 Jahren
- Abmessungen : 17.2 x 1.1 x 24.1 cm
