/ August 7, 2026/ Buch

Wenn man an das Thema Geburt denkt, fallen einem wahrscheinlich zuerst sehr unterschiedliche Dinge ein: Vorfreude, Aufregung, Glück, vielleicht auch Unsicherheit oder ein mulmiges Gefühl. Schließlich ist eine Geburt ein Ereignis, das man nicht einfach ausprobieren und später noch einmal von vorne beginnen kann. Genau deshalb hat mich „Autogene Geburt: Mit Hypnobirthing selbstbestimmt gebären“ von Tatje Bartig-Prang besonders angesprochen. Das Buch beschäftigt sich nicht nur mit der Frage, wie eine Geburt ablaufen kann, sondern vor allem damit, mit welcher inneren Haltung eine werdende Mutter diesem besonderen Moment begegnet.

Beim Lesen hatte ich immer wieder das Gefühl, dass hier ein Thema aufgegriffen wird, über das zwar sehr viel gesprochen wird, bei dem aber die Gefühle und Gedanken der werdenden Mutter manchmal zu kurz kommen. Schwangerschaft und Geburt werden häufig von Terminen, Untersuchungen, Checklisten und organisatorischen Fragen begleitet. Natürlich ist all das wichtig. Trotzdem bleibt die Frage: Wie geht es eigentlich der Frau, die dieses Kind zur Welt bringen wird? Welche Ängste trägt sie mit sich herum? Was gibt ihr Sicherheit? Und wie kann sie lernen, ihrem eigenen Körper wieder mehr zu vertrauen?

Genau hier setzt Tatje Bartig-Prang an.

Die Autorin stellt mit der „Autogenen Geburt“ ein Konzept vor, das verschiedene Elemente des Hypnobirthing miteinander verbindet. Dazu gehören unter anderem Hypnose, Visualisierungen, Affirmationen und Entspannungstechniken. Was zunächst vielleicht etwas ungewohnt klingt, wird verständlich erklärt und vor allem praktisch vermittelt. Mir gefällt besonders, dass die Methoden nicht als komplizierte Geheimwissenschaft dargestellt werden. Vielmehr bekommt man konkrete Möglichkeiten an die Hand, mit denen man sich bereits während der Schwangerschaft Schritt für Schritt auf die Geburt vorbereiten kann.

Dabei spielt die mentale Vorbereitung eine ganz besondere Rolle. Denn eine Geburt findet natürlich nicht nur körperlich statt. Gedanken, Erwartungen und Ängste begleiten diesen Prozess ebenfalls. Wer sich ständig vor den Schmerzen fürchtet oder immer wieder Horrorgeschichten über Geburten hört, kann dadurch zusätzlich verunsichert werden. Das Buch setzt bewusst einen anderen Schwerpunkt: Vertrauen statt Angst, Vorbereitung statt Hilflosigkeit und Selbstbestimmung statt passivem Abwarten.

Gerade dieser Ansatz hat mir gut gefallen.

Natürlich kann niemand garantieren, dass eine Geburt genau so verläuft, wie man sie sich vorher vorgestellt hat. Es kann immer Situationen geben, in denen medizinische Maßnahmen notwendig werden oder ein ursprünglicher Geburtsplan verändert werden muss. Für mich liegt die Stärke des Buches deshalb auch darin, dass Selbstbestimmung nicht mit vollständiger Kontrolle verwechselt wird. Selbstbestimmt zu gebären bedeutet vielmehr, die eigenen Wünsche zu kennen, informiert Entscheidungen treffen zu können und sich auch dann nicht selbst zu verlieren, wenn etwas anders kommt als geplant.

Sehr hilfreich fand ich in diesem Zusammenhang die Anregungen dazu, die eigenen Vorstellungen gegenüber Hebammen und Ärzten zu kommunizieren. Ob Wassergeburt, Musik, eine bestimmte Atmosphäre oder andere persönliche Wünsche – das Buch macht Mut, sich mit den eigenen Bedürfnissen auseinanderzusetzen und sie auch auszusprechen. Gerade in einer Situation, in der vieles neu und ungewohnt ist, kann dieses Wissen unglaublich wertvoll sein.

Ein echtes Plus sind für mich die integrierten Audio-Tracks. Dadurch bleibt es nicht bei der Theorie. Die Übungen zu Affirmationen, Kraftsätzen, Entspannung und der Geburtsreise können direkt ausprobiert werden. Gerade bei Hypnobirthing halte ich das für besonders sinnvoll, denn Entspannung und mentale Techniken funktionieren natürlich nicht unbedingt auf Knopfdruck. Je häufiger man sie vorher übt, desto vertrauter können sie im entscheidenden Moment sein.

Was ich aus dem Buch besonders mitnehme, ist der Gedanke, dass eine Frau ihrem Körper durchaus wieder mehr Vertrauen schenken darf. Geburt sollte nicht ausschließlich als etwas betrachtet werden, vor dem man Angst haben muss. Sie darf auch als ein persönlicher Prozess verstanden werden, auf den man sich bewusst vorbereiten kann.

„Autogene Geburt“ ist deshalb für mich kein gewöhnlicher Geburtsratgeber. Es ist vielmehr eine Einladung, sich bereits vor der Geburt intensiver mit sich selbst auseinanderzusetzen. Was wünsche ich mir? Wovor habe ich Angst? Was gibt mir Kraft? Welche Vorstellungen habe ich von meiner Geburt? Und wie kann ich auch in einer unvorhergesehenen Situation bei mir bleiben?

Gerade für Frauen, die sich für Hypnobirthing, eine natürliche und möglichst entspannte Geburt oder eine selbstbestimmte Geburtsvorbereitung interessieren, bietet das Buch viele wertvolle Impulse. Es verbindet Hintergrundwissen mit praktischen Übungen und vermittelt dabei eine angenehm positive Grundhaltung.

Mein persönlicher Eindruck nach der Lektüre: Ein einfühlsamer, praxisnaher und Mut machender Ratgeber, der werdende Mütter nicht verunsichern, sondern stärken möchte. Tatje Bartig-Prang zeigt, dass Geburtsvorbereitung nicht nur bedeutet, Kliniktasche und Babykleidung bereitzulegen. Es kann genauso wichtig sein, sich innerlich vorzubereiten, Vertrauen aufzubauen und sich bewusst zu machen: Ich darf meine Geburt aktiv mitgestalten.

Ein Buch, das Mut macht, die eigenen Wünsche ernst zu nehmen, Ängste anzuschauen und mit mehr Vertrauen auf einen der wohl außergewöhnlichsten Momente im Leben zuzugehen.

  • Herausgeber ‏ : ‎ winterwork
  • Erscheinungstermin ‏ : ‎ 10. Juli 2026
  • Auflage ‏ : ‎ 1.
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Seitenzahl der Print-Ausgabe ‏ : ‎ 146 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3989132938
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3989132931
  • Abmessungen ‏ : ‎ 14.8 x 1.6 x 21 cm

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