/ August 11, 2026/ Buch

Manchmal braucht es keinen großen Neuanfang, sondern nur den Mut, für eine Weile aus dem gewohnten Rhythmus auszusteigen. Genau dieses Gefühl hat mir „Espresso unter Sternen“ von Stefan Maiwald vermittelt. Schon beim Lesen hatte ich das Gefühl, gedanklich selbst ein wenig nach Italien zu reisen – dorthin, wo der Espresso nicht einfach nur ein Getränk ist, eine Piazza zum Wohnzimmer werden kann und selbst ein scheinbar gewöhnlicher Abend plötzlich nach Urlaub schmeckt.

Stefan Maiwald nimmt seine Leserinnen und Leser mit auf eine besondere Reise. Ausgangspunkt ist die Insel Grado, doch diesmal bleibt es nicht bei der vertrauten Wohlfühlatmosphäre. Der Autor verlässt seine Komfortzone und zieht weiter nach Triest, eine Stadt, die ganz anders wirkt und doch hervorragend zu seiner Suche nach Glück und neuen Perspektiven passt.

Was mir dabei besonders gefallen hat: Es handelt sich nicht um einen klassischen Reiseführer. Maiwald beschreibt nicht einfach Sehenswürdigkeiten und gibt Empfehlungen für die schönsten Plätze. Vielmehr nutzt er Italien als Bühne für eine persönliche und zugleich humorvolle Suche nach dem Glück.

Dabei spielt der Begriff der „Anderszeit“ eine zentrale Rolle. Ich fand diesen Gedanken ausgesprochen interessant. Wir sprechen ständig von Auszeiten, Urlaub oder Entspannung. Doch häufig versuchen wir sogar unsere freie Zeit zu optimieren. Die perfekte Reise, das perfekte Hotel, möglichst viele Erlebnisse – und am Ende kehren wir manchmal genauso erschöpft nach Hause zurück, wie wir losgefahren sind.

Die Anderszeit setzt hier einen anderen Akzent. Sie bedeutet, aus den gewohnten Abläufen auszusteigen, Neues zuzulassen und sich selbst wieder etwas mehr Zeit für Neugier und Begegnungen zu geben.

Genau das scheint Stefan Maiwald in Triest auszuprobieren.

Beim Lesen hatte ich immer wieder das Gefühl, dass die eigentliche Reise gar nicht nur durch Italien führt. Sie führt ebenso durch die eigenen Vorstellungen vom Glück. Was macht einen guten Tag aus? Braucht es dafür besondere Erlebnisse? Oder reicht manchmal ein guter Espresso, ein Gespräch mit einem fremden Menschen und der Blick auf eine italienische Piazza?

Diese Fragen verpackt Maiwald erfreulicherweise nicht in schwere philosophische Abhandlungen. Im Gegenteil: Humor und Selbstironie begleiten die gesamte Reise.

Und das macht das Buch so angenehm zu lesen.

Maiwald begegnet auf seiner Reise den unterschiedlichsten Menschen und Situationen. Da tauchen beispielsweise schwarzgebrannte Bademeister mit einer erstaunlichen Verbindung zur DDR auf oder Espresso-Enthusiasten, die dem perfekten Kaffee geradezu religiöse Bedeutung beimessen. Gerade diese skurrilen Begegnungen machen die Geschichten lebendig.

Ich musste beim Lesen mehrfach schmunzeln, weil Maiwald seine Beobachtungen mit einem liebevollen Augenzwinkern beschreibt. Er macht sich nicht einfach über seine Gesprächspartner lustig, sondern scheint vor allem Freude daran zu haben, wie unterschiedlich Menschen das Leben betrachten.

Besonders schön fand ich die Atmosphäre, die dabei entsteht. Triest wird nicht nur beschrieben, sondern fühlt sich beim Lesen beinahe wie ein eigener Charakter an. Die Plätze, Cafés, Straßen und Menschen bilden eine Kulisse, in der sich die eigentliche Geschichte entfalten kann.

Und natürlich gehört der Espresso dazu.

Wer Italien kennt, weiß, dass Kaffee dort weit mehr sein kann als Koffein in einer kleinen Tasse. Der Espresso steht für einen Moment des Innehaltens, für Begegnung und Genuss. Maiwald macht daraus ein wiederkehrendes Element seiner Reise und verbindet den italienischen Kaffeegenuss mit der größeren Frage nach dem Glück.

Das hat mich tatsächlich dazu gebracht, über meine eigenen kleinen Glücksmomente nachzudenken. Wie oft suchen wir nach etwas Großem, obwohl das Gute vielleicht längst in den kleinen Dingen steckt?

Ein Gespräch. Ein Spaziergang. Ein gutes Essen. Ein Kaffee. Ein Abend unter freiem Himmel.

Vielleicht braucht Glück tatsächlich manchmal weniger, als wir denken.

Sehr angenehm fand ich außerdem, dass der Autor nicht versucht, dem Leser eine bestimmte Lebensphilosophie aufzuzwingen. „Espresso unter Sternen“ ist keine Anleitung zum Glücklichsein. Vielmehr erzählt Stefan Maiwald von seinen Erfahrungen, Begegnungen und Gedanken und lässt genügend Raum, daraus eigene Schlüsse zu ziehen.

Das macht das Buch für mich sympathisch.

Auch die Verbindung von Reisebericht, autobiografischen Elementen, Humor und Lebensphilosophie funktioniert ausgesprochen gut. Man kann das Buch einfach als unterhaltsame Italienlektüre genießen oder sich auf die tieferen Gedanken dahinter einlassen.

Für mich war es vor allem eine Einladung, die eigene Vorstellung von „Auszeit“ neu zu betrachten. Vielleicht müssen wir nicht immer weit wegfahren, um eine Anderszeit zu erleben. Vielleicht reicht es manchmal schon, die gewohnte Perspektive zu verändern.

Natürlich macht das Buch gleichzeitig Lust auf Italien. Auf Triest, Grado, italienisches Lebensgefühl, Piazzas, Espresso und lange Abende. Wer bereits Italien liebt, wird vermutlich viele vertraute Gefühle wiedererkennen. Wer das Land noch nicht kennt, bekommt zumindest große Lust darauf, sich selbst einmal auf den Weg zu machen.

Mein Fazit

„Espresso unter Sternen: Eine Reise in Sachen Glück“ von Stefan Maiwald ist für mich eine wunderbar leichte und gleichzeitig nachdenkliche Sommerlektüre. Das Buch verbindet italienisches Lebensgefühl mit Humor, persönlichen Begegnungen und der Frage, was uns eigentlich wirklich glücklich macht.

Besonders gefallen haben mir die Anderszeit, die atmosphärischen Eindrücke aus Triest, die ungewöhnlichen Begegnungen und der selbstironische Blick des Autors auf seine eigene Glückssuche.

Es ist kein Buch, das behauptet, das Geheimnis des Glücks endgültig gefunden zu haben. Und genau das macht es so angenehm. Stefan Maiwald zeigt vielmehr, dass Glück manchmal dort auftaucht, wo man gar nicht danach gesucht hat.

Zwischen Espresso, Piazzas, Palästen und italienischen Sommerabenden entsteht eine Lektüre, die gleichzeitig unterhält und zum Nachdenken bringt.

Für mich war „Espresso unter Sternen“ deshalb tatsächlich eine kleine Auszeit zwischen zwei Buchdeckeln. Ein Buch, das Fernweh weckt, zum Schmunzeln bringt und ganz nebenbei daran erinnert, dass wir unserem Alltag nicht immer entkommen müssen.

Manchmal reicht es, ihn für einen Moment anders zu betrachten.

Eine charmante, humorvolle und lebensfrohe Reiselektüre für alle, die Italien lieben, von der Dolce Vita träumen oder einfach wieder ein bisschen mehr Leichtigkeit in ihren Alltag bringen möchten.

  • Herausgeber ‏ : ‎ Goldegg Verlag GmbH
  • Erscheinungstermin ‏ : ‎ 11. Mai 2026
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Seitenzahl der Print-Ausgabe ‏ : ‎ 256 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3990605577
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3990605578
  • Abmessungen ‏ : ‎ 13.3 x 2.3 x 21.3 cm

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

*
*